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Kommunaler Ordnungsdienst in Radevormwald

Pilotprojekt zeigt in Radevormwald Wirkung : Alltagsärgernisse werden angegangen

Ein Jahr Kommunaler Ordnungsdienst: Ob wilde Müllkippen, durch Sperrmüll zugestellte Gehwege, Ruhestörung, Jugendschutz oder nur das Wegschnippen von Kippen – Nathalie Schnitzler und Brian Kabisch kümmern sich drum.

Seit einem Jahr gehört Nathalie Schnitzler in ihrer blauen Uniform zum festen Straßenbild in Radevormwald. Vor einem halben Jahr stieß Brian Kabisch dazu. Als Team sind sie unterwegs, um im Rahmen der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei die Straßenordnung durchzusetzen. Sie zeigen Präsenz nicht nur während der Rathaus-Dienststunden montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, sondern auch abends oder nachts sowie an Wochenenden. Und kommen dabei aber auch mit vielen netten Leuten ins Gespräch. Bürgermeister Johannes Mans zeigte sich nach einem Jahr „mehr als zufrieden“: „Wir haben nicht nur eine gute Personalauswahl getroffen, die beiden Mitarbeiter kommen auch gut in der Öffentlichkeit an.“

Nathalie Schnitzler war am Dienstag genau vor einem Jahr eingestellt worden. Die 45-jährige Radevormwalderin hat vorher im Sicherheitsbereich gearbeitet und sich dann auf die Stelle in ihrer Heimatstadt beworben. „Pudelwohl“ fühlt sich auch Brian Kabisch in seinem neuen Aufgabenbereich. Auch er kam als Externer ins Rathaus, war als Berufssoldat auch im Ausland. „Ich fühle mich hier richtig gut aufgehoben.“

Beide haben schon so ihre Erfahrungen im täglichen Umgang mit Radevormwaldern gemacht. „Die Bürger, die nichts zu verbergen haben, begegnen uns natürlich sehr freundlich. Da ist die Reaktion durchweg positiv“, sagt Schnitzler. Aber da gibt es auch ein Klientel, das wiederholt kontrolliert wurde: „Die mögen uns natürlich nicht“, so Schnitzler. Und Kabisch ergänzt: „Man macht sich nicht nur Freunde.“ Deshalb gehen sie nur als Team auf Streife. In der vergangenen Woche bedrohte sie ein Betrunkener sogar mit einem Messer – der bisherige Negativ-Höhepunkt. „Der Mann war uns natürlich bekannt. Wir haben die Situation aber deeskalierend geklärt“, berichtet Schnitzler.

Der Kommunale Ordnungsdienst und die Polizei sind 2018 in einem Pilotprojekt kreisweit die Ordnungspartnerschaft eingegangen. Insgesamt sind 20 Männer und Frauen tätig, der Kreis finanziert je Kommune eine Stelle bis Ende 2020. Zudem stellt der Kreis ein Dienstfahrzeug, einen BMW touring, ähnlich dem der Polizei, aber ohne Martinshorn. Die Stadt sieht seine beiden Mitarbeiter als „sinnvolle Ergänzung zum polizeilichen Dienst“, so Mans, es gebe eine enge Zusammenarbeit mit den beiden Bezirksbeamten. „Für die Bürger ist die Präsenz wichtig. Sie gibt ihnen ein gutes Gefühl von Sicherheit.“

Die Ordnungspartnerschaft entstand aus vielen kleinen Alltagsproblemen, berichtet Ordnungsamtsleiter Jochen Knorz. Ruhestörung, Kot auf Gehwegen, Jugendschutz. Dahalb wurde dieses Pilotprojekt auf den Weg gebracht. Die neuen Mitarbeiter wurden geschult in rechtlichen Fragen, Kommunikationstechniken zur Deeskalation, aber auch Einsatztechniken.

Einsatzbereich ist das ganze Stadtgebiet – sie melden sich bei der Polizeileitstelle an, wenn ihr Arbeitstag beginnt, damit sie als Team auch von dort gelenkt werden können. Bei ihren Streifen – zu Fuß oder per Wagen – schauen sie genau hin: Zum Beispiel, ob Sperrmüll den Bürgersteig blockiert oder Feuerwehreinfahrten freigehalten werden. So mancher Rader wurde schon angesprochen, weil er Kippen wegschnippte oder sein Papiertaschentuch wegwarf. Nathalie Schnitzler: „Es gibt eine freundlichen Ansprache und beim ersten Mal eine mündliche Verwarnung. Und natürlich wird der Name notiert. Und je nachdem, wie die angesprochen Personen reagieren, werden Schritte eingeleiten. „Es gibt positive Reaktionen auf unsere Ansprache, aber auch aggressive“, berichtet Kabisch. Und dann kann es auch schon mal zu „unmittelbarem Zwang“ kommen.

Es gibt, neben persönlichen Begegnungen, auch amüsante Aufgaben: So mussten sie jüngst 26 Schafe zusammentreiben, die ausgebüxt waren. „Wir haben sie alle zusammengekriegt, keins ist verlorengegangen“, lacht Kabisch.