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Kleine Dorfkirche in Remlingrade erzählt Geschichten

Gotteshäuser : Eine Dorfkirche ganz in Blau

Die denkmalgeschützte Kirche in Remlingrade erzählt viele Geschichten. Die Farbgestaltung überrascht.

Wer durch die Tür der Dorfkirche in Remlingrade tritt, wird von der Farbgestaltung des Innenraums überrascht. Ein weiches helles Blau mit einem deutlich grünen Einschlag färbt das Kirchenschiff freundlich. Im Sommer erinnert die Farbe an den satten Himmel über den grünen Feldern der Ortschaft, im Winter an den harten Frost.

Die Dorfkirche steht, umringt von Bäumen, Wiesen und Wäldern, mitten in der Natur und bildet den Mittelpunkt von Remlingrade. 1744 wurde die Kirche notdürftig fertiggestellt, nachdem die alte Kapelle 1743 abgerissen wurde. Damals fehlten noch der Helm des Turmes sowie Altar und Kanzel. Eingeordnet wird die Form der Kirche in dieEpoche der Romantik. Der Turmhelm folgte 1750 durch Zimmermeister Johannes Dürholz. Insgesamt ist der Turm 33 Meter hoch und bietet Platz für die älteste Kirchenglocke der Stadt, die an der Außenseite der Kirche durch ein kleines Dach geschützt wird.

Im Glockenstuhl der Kirche hängen drei große Glocken, die Musik in den Ohren von Pfarrerin Maria Kluge sind. „Die Kirche hat so viele Besonderheiten und ist über die Jahre mein zweites Zuhause geworden“, sagt sie. Prägnant ist das Prinzipalstück der Kirche, das typisch für das Bergische Land ist und aus Altar, Kanzel und Orgel besteht. Die drei Elemente ergeben übereinander angeordnet die Mittelachse des Kirchenschiffs. Die Serpentinsäulen, die aus Holz geschnitzte Ranken, Girlanden, Blätter und Früchte zeigen, sind eine besonders detailreiche Arbeit innerhalb der Dorfkirche. Die alten Holzbänke sind nicht nur besonders schön, sondern erzählen auch viele Geschichten. Weil der Gemeinde nur wenig Geld beim Bau der Kirche zur Verfügung stand, kauften sich die damaligen Gemeindemitglieder ihren festen Sitzplatz in der Kirche und unterstützten den Bau so finanziell. Die Namen der Besitzer sind noch heute auf den Bänken zu lesen. „Es kommt immer noch vor, dass jemand auf der Suche nach dem Platz seines Urgroßvaters ist oder sich aus familiären Gründen einer Bank besonders hingezogen fühlt“, sagt Maria Kluge.

 Platz des Küsters. Die Namen der Nutzer stehen auf den Sitzbänken.
Platz des Küsters. Die Namen der Nutzer stehen auf den Sitzbänken. Foto: Hogekamp, Lena (hoge)
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Die Pfarrerin kennt fast jeden Winkel der Kirche und verrät zwei witzige Details, die nur wenige kennen. „In der letzten Bank gibt es einen Knopf, mit dem die Glocken für das Vater Unser geläutet werden. Diese Aufgabe übernimmt dann meist derjenige, der an einem Sonntag auf diesem besonderen Platz sitzt.“ Ein anderes Detail der Kirche entdeckt man, wenn man sich hinter den Altar begibt. Dort gibt es einen historischen Opferstock, der längst nicht mehr genutzt wird. „Früher ging man nach dem Abendmahl eine Runde um den Altar. Dabei wurde der Opferstock gefüllt“, sagt Kluge.

Durch die Sakristei kann man auf die Kanzel und zur Orgel heraufsteigen. Von da oben hat man einen guten Blick über die gesamte Kirche und kann auch auf die Empore gucken. Schnell wird klar, warum so viele Paare sich an diesem Ort trauen lassen: Die Kirche ist romantisch und sehr idyllisch. Die Geschichte der Orgel in Remlingrade beginnt 1934. 1971 waren die ersten großen Reparaturen notwendig – und für 2019 ist eine umfassende Sanierung des Instruments geplant.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Rundgang durch die Dorfkirche Remlingrade