Radevormwald: Jetzt 100 Tage im Bundestag

Radevormwald : Jetzt 100 Tage im Bundestag

Der Lindlarer Dr. Carsten Brodesser fiebert er dem Start der Regierungsgeschäfte entgegen.

Er scharrt merklich mit den Füßen: Dr. Carsten Brodesser, am 24. September als Nachfolger von Klaus-Peter Flosbach als Bundestagsabgeordneter für den Oberbergischen Kreis in den Berliner Reichstag eingezogen, würde lieber heute als morgen mit den Regierungsgeschäften loslegen: "Für ein parlamentarisches Vorankommen - und auch für meine persönliche Befriedigung - sollte es jetzt wirklich langsam losgehen", sagt Brodesser. Zwar hätte er sich in seinen ersten rund drei Monaten in der Bundeshauptstadt vor Eindrücken kaum retten können, allerdings sei die Hauptaufgabe die politische Arbeit: "Und wir haben zwar ein Parlament und eine funktionierende Verwaltung - aber eben noch keine arbeitsfähige Regierung. Das muss sich schleunigst ändern", betont der CDU-Politiker, bei einer Bilanz seiner ersten 100 Tage in Berlin.

Neben den Parlamentsdebatten finde die eigentliche Arbeit in den Ausschüssen statt. Die jedoch können eigentlich nur dann besetzt werden, wenn die Regierung stehe. Momentan sei die Parlamentsarbeit gänzlich ungefiltert: "Es kann gut sein, dass man morgens über Glyphosat spricht, mittags die Sicherheitslage in Ägypten zum Thema hat, am Nachmittag über die ärztliche Versorgung in den ländlichen Gebieten diskutiert und am Abend noch einmal über den Außenhandel redet", erzählt Brodesser über einen derzeit typischen Tag im Bundestag.

Man müsse das als Parlamentarier zwar nicht machen, aber es schade auch nicht, auf dem Laufenden zu bleiben, sagt er weiter. Einen Lichtblick gebe es aber immerhin: "Die Ausschüsse sollen bis spätestens 24. Januar besetzt sein - auch auf die Gefahr hin, dass man dann noch einmal personell umstrukturieren muss." Die Arbeit in den Ausschüssen könne also in der letzten Januarwoche losgehen.

Ansonsten sei er mittlerweile in Berlin angekommen und habe eine Wohnung "Unter den Linden" bezogen: "Aber die ersten drei Monate hier waren wie ein einziger erster Schultag - nur gab es keine Süßigkeiten in der Schultüte, sondern Informationen, Regeln und Orientierungshilfen", sagt Brodesser lachend. Und auch wenn er noch nicht seiner eigentlichen Arbeit nachgehen könne, so sei seine erste Zeit in Berlin doch weitgehend so gewesen, wie er es sich auch vorgestellt hatte. Allerdings habe er bemerkt, dass der Umgangston im Bundestag deutlich aggressiver geworden ist, als er das bei bisherigen Besuchen oder auch den Debattenübertragungen bei Phoenix mitbekommen habe: "Das ist auf jedem Fall dem Einzug der AfD geschuldet", sagt Brodesser. Da gingen die Wortbeiträge teils deutlich unter die Gürtellinie. "Bei manchem Beitrag frage ich mich schon, ob hier konstruktive Politik betrieben werden soll oder polemisches Schaulaufen", sagt der CDU-Mann.

Wenn die Arbeit dann endlich losgehe, liege sein Augenmerk besonders auf dem Oberbergischen Kreis: "Ich möchte in den Finanzausschuss. Wenn es aber dann Umwelt, Verteidigung oder Entwicklungshilfe wird, ist das auch nicht schlimm. Denn auch dann kann man eine ganze Menge für den eigenen Kreis bewirken", sagt Brodesser.

(RP)
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