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Investor erwirbt großen Teil des Wiebachtals bei Radevormwald

Naturschutz in Radevormwald : Neuer Wald-Eigentümer im Wiebachtal

Heute vor zehn Jahren gründete sich die IG Wiebachtal. Damals wehrten sich die Bürger gegen die rücksichtslosen Maßnahmen eines Investors in dem Naturschutzgebiet. Nun hat die 90 Hektar große Fläche einen neuen Eigentümer.

Das Wiebachtal gilt als einer der schönsten Wald- und Wandergebiete auf Rader Boden. Das dies so bleibt, ist das Anliegen der Interessengemeinschaft (IG) Wiebachtal. Der Verein wurde auf den Tag genau heute vor zehn Jahren von Naturfreunden aus Rade gegründet – am 7. Mai 2009.

Der damalige Anlass waren Kahlschläge und andere Zerstörungen in dem Naturschutzgebiet. Eine Fläche von 90 Hektar in dem idyllischen Tal war von einem Holzhändler aus Belgien erworben worden – und dessen Mitarbeiter gingen nicht eben zaghaft mit dem Naturschutzgebiet um. Die IG Wiebachtal sah es in den ersten Jahren als ihr wichtigstes Ziel an, dem Besitzer auf die Finger zu klopfen. „Das Verhältnis war schwierig“, sagt Sabine Fuchs, die Vorsitzender der IG. Wegen dieses ständigen Ärgers habe der Besitzer offenbar schon seit längerem versucht, das Waldstück zu verkaufen.

Nach den Informationen des Vereins ist es ihm nun geglückt. Seit Ende des vergangenen Jahres gehört das Gebiet einem Investor aus Baden-Württemberg – also wieder einem Besitzer, der nicht vor Ort ansässig ist. „Obwohl es durchaus lokale Interessenten gab“, meint Sabine Fuchs. Nun gelte es für die Vereinsmitglieder, Kontakt mit dem neuen Eigentümer aufzunehmen. „Wir möchten ihn gerne einladen“, sagt die Vorsitzende. „Allerdings ist der Wechsel noch gar nicht offiziell verkündet worden.“

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Der neue Investor habe bereits Arbeiten im Wiebachtal durchführen lassen, sagt Fuchs. Und die Art und Weise, in der seine Bevollmächtigten das getan haben, sorgt bei der IG für vorsichtigen Optimismus. „Schäden durch Sturm und Käferbefall wurden beseitigt“, berichtet Sabine Fuchs. „Und das ist ordentlich vonstatten gegangen, wir haben da nichts zu beanstanden.“ Der vorige Besitzer seit weitaus rücksichtsloser zu Werke gegangen.

Trotzdem bedauert Fuchs, dass die Pläne, die besagte Fläche an Personen oder Organisationen zu verkaufen, für die Naturschutz an erster Stelle steht, in den Vergangenheit gescheitert sind: „Selbst die Bemühungen des damaligen Umweltministers Johannes Remmel, über die NRW-Stiftung das Wiebachtal wieder an eine Organisation zu geben, die diesen Wald als ihre Heimat schätzt und liebt, waren nicht erfolgreich. Und schlussendlich sind auch unsere Bemühungen, über die Gründung einer Waldgenossenschaft, das Tal selbst zu bewirtschaften, an der Weigerung des (Vor-) Eigentümers gescheitert.“

Nun hoffen die Mitglieder, „dass der neue Besitzer unseren Themen und Aktivitäten aufgeschlossen gegenübersteht, und dass sich im Wiebachtal künftig vielleicht einiges realisieren lässt, was in der Vergangenheit nicht möglich war.“

Die Interessengemeinschaft hat sich – nachdem in den ersten Jahren der Protest gegen die Zustände vor Ort im Vordergrund stand – in den vergangenen Jahren auch im positiven und ermutigenden Sinn für den Naturschutz eingesetzt: durch Wanderungen, Naturbildung und Aktionen wie das Aufhängen von Fledermauskästen. Dietmar Fennel, ein Urgestein des Naturschutzes in Radevormwald, will in diesem Jahr einen Fledermausabend anbieten. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll dann ein Fest im Sommer sein. Derzeit hat der Verein rund 450 Mitglieder.

www.ig-wiebachtal.de