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In Radevormwald werden noch Sterbebegleiter gesucht

Ambulantes Ökumenisches Hospiz in Radevormwald : Es werden noch Sterbebegleiter gesucht

Der nächste Befähigungskursus des Hospizvereins startet am 21. Oktober. In einem halben Jahr werden die Teilnehmer ausgebildet, Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten. Die Raderin Stefanie Braun berichtet über ihre Erfahrungen.

Es ist ein Thema, mit dem man sich in der Regel nicht gerne beschäftigt. Zwar kann man sich selbst versichern, dass der Tod ein Teil des Lebens ist – ein unausweichlicher noch dazu -, doch wenn es darum geht, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen, greifen in der Regel hervorragend geschmierte Verdrängungsmechanismen. Dabei ist es sehr wichtig, dass sich Menschen damit beschäftigen. Denn, weil er eben unausweichlich ist, trifft der Tod irgendwann einen jeden von uns. Und es ist eine tröstliche Vorstellung, dass da Menschen sind, die einen auf dem letzten Weg begleiten, selbst wenn man keine Angehörigen mehr haben sollte.

Aus diesem Grund gibt es Hospizvereine, in denen Menschen ehrenamtlich tätig sind, um genau das zu machen. Auch in Radevormwald gibt es einen solchen Verein. „Wir haben im Moment etwa 30 Ehrenamtler, die großteils in der Sterbebegleitung aktiv sind“, sagt Koordinatorin Marina Weidner.

Ausgebildet werden diese ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in Kursen, die im Hospiznetzwerk gemeinsam mit den Vereinen in Remscheid und Wermelskirchen angeboten werden. „Der nächste Kursus startet am 21. Oktober und dauert bis 25. März 2023. Leider läuft die Anmeldung diesmal noch etwas zögerlich“, sagt Marina Weidner.

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Stefanie Braun aus Radevormwald möchte gerne ein bisschen über ihre Ausbildung und die Arbeit, die sie seit Sommer 2021 leistet, erzählen – schließlich ist ein Beispiel aussagekräftiger als reine Werbung für die Kurse sein kann. „Ich habe den Kursus Anfang 2020 begonnen. Wegen der Corona-Pandemie hat es allerdings fast anderthalb Jahre gedauert, bis wir fertig waren. Normalerweise dauert der Kursus etwa ein halbes Jahr“, sagt die 48-jährige Bankkaufrau.

Sie habe den Kursus erst jetzt gemacht, obwohl sie schon vor fast 25 Jahren die ersten Berührungspunkte mit der Thematik hatte. „Damals, ich war gerade Anfang 20, war mein Großonkel als Pflegefall im Seniorenheim. Meine Mutter hat sich hauptsächlich um ihn gekümmert“, sagt Stefanie Braun. Dann seien die Eltern allerdings in den Urlaub gefahren, sie habe dann die Betreuung übernommen. „Da war allerdings schon fraglich, ob er diese Urlaubszeit überleben würde. Und tatsächlich war ich im Augenblick seines Todes bei ihm“, erinnert sich die Raderin. Damals sei ihr klar geworden, wie wichtig es sei, im Sterben nicht alleine sein zu müssen. „Es war mehr ein diffuser Gedanke, nicht sehr konkret“, sagt sie.

Ein zweites, ähnliches, Erlebnis hat dann vor elf Jahren stattgefunden, als ihr Vater zuerst sehr krank wurde und schließlich starb. „Auch hier war ich in den letzten Momenten bei ihm. Da ist mir klar gewesen, dass eine Aufgabe bei der Begleitung auch sein kann, einfach da zu sein“, sagt die 48-Jährige. Man schenke dem sterbenden Menschen Zeit. „Ich bin dann lange mit dem Gedanken schwanger gegangen, mich im Hospiz zu engagieren. Aber zunächst hatte ich den Fokus auf meine eigene Familie gerichtet. Aber jetzt ist es dann doch soweit gewesen“, sagt Stefanie Braun. An den Kursus sei sie mit jeder Menge an Erwartungen herangegangen – und gleichzeitig mit gar keinen, sagt sie. „Es war eine tolle Erfahrung, da ich mich in ganz unterschiedliche und auch neue Themengebiete einarbeiten konnte. Gerade die Wochenendveranstaltungen waren teils sehr intensiv“, sagt Stefanie Braun.

Durch den Kursus, der auch von externen Dozenten, etwa einer Palliativärztin oder einem Bestatter, mitgestaltet wird, habe sie sich sehr gut auf ihre Einsätze vorbereitet gefühlt. „Der Kursus lebt von der Vielfalt, von den Erfahrungen, die mitgeteilt werden und den unterschiedlichen Elementen. Auch wenn es nur Theorie ist – ich hatte vor der Praxis keine Angst mehr“, sagt die 48-Jährige. Natürlich sei sie dann vor ihrer ersten Begleitung aber doch angespannt gewesen – aber nur positiv, wie sie sagt. „Was ich bei meinen bisher vier Begleitungen ganz faszinierend fand, war die Tatsache, dass die Vermittlung von Begleiterin und zu Begleitendem immer passte. Die Kombinationen werden von den Koordinatorinnen ausgesucht“, sagt Stefanie Braun.

Auch wenn die Arbeit mit den sterbenden Menschen nicht immer einfach sei, fühle sie sich im Verein sehr gut aufgehoben. „Wir haben Supervisionen und gemeinsame Treffen – das gibt enorm viel Rückhalt“, sagt Stefanie Braun. Ein bisschen Intuition spiele dabei bei den Begleitungen auch eine Rolle. „Es muss einem klar sein, dass man keine Aufgabe hat, sondern einfach nur da ist. Vom Handhalten, gemeinsamem Schweigen über die leichte Handmassage bis hin zum tiefgründigen Gespräch ist alles möglich“, sagt die 48-Jährige.

Sie empfinde in ihrer Arbeit ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, die von den sterbenden Menschen entgegengebracht werde. „Aber auch darüber, dass ich dabei sein darf, begleiten darf“, sagt Stefanie Braun nachdenklich.