Radevormwald: In der Trauerbegleitung steckt immer auch ganz viel Hoffnung

Radevormwald: In der Trauerbegleitung steckt immer auch ganz viel Hoffnung

Die Ärmel hochkrempeln, mit anpacken - Bertine Heckl engagiert sich schon ihr ganzes Leben. Schon mit Mitte 40 interessiert sich die gelernte Krankenschwester dafür, anderen Menschen ehrenamtlich zu helfen. Als vierfache Mutter sieht sie ihren freiwilligen Einsatz nie als Belastung, sondern als Bereicherung. "Ich wollte schon immer mit Kranken arbeiten und habe als Grüne Dame im Krankenhaus angefangen", sagt die 61-Jährige. Dann trifft sie Marina Weidner, hauptamtliche Koordinatorin beim Ökumenischen Hospiz. Seit gut zehn Jahren ist Bertine Heckl dort ehrenamtliche Mitarbeiterin, bringt ihre ganze Erfahrung mit ein.

"Die Betreuung von Menschen mit Demenz habe ich für mich entdeckt", sagt sie. "Ich sehe so viel, wenn ich in eine Begleitung gehe. Vor allem die Unordnung, wenn die Ruhe durch den äußeren Rahmen fehlt." Dann geht die 61-Jährige mit Bedacht an die Sache ran, fast schon ein bisschen weise. "Ohne Erfahrung ist das kaum möglich", sagt Marina Weidner. Sie schätzt Bertine Heckl, weil sie mit viel Sensibilität und Gespür viel erreiche. "Jeder ist bei uns so, wie er ist und bringt seinen Teil mit ein. Und jeder soll auch so sein, wie er ist", sagt sie.

Bertine Heckl schätzt Dietrich Bonhoeffer zutiefst, weil er als Pfarrer im Dritten Reich um seines Bekenntnisses willen ins KZ kam. "Er war verlobt, stand mitten im Leben und ist seinem Glauben treu geblieben", sagt sie. Bertine Heckl feiert bewusst an Ostern die Auferstehung von Jesu. "Das macht meine Hoffnung aus", sagt sie. Sie glaubt fest an die Auferstehung, das sei der Kern ihres christlichen Glaubens. Und diesen hoffnungsfrohen Gedanken versucht sie auch in die Betreuung von Kranken, Alten und Dementen einfließen zu lassen. Sie möchte ihrem Gegenüber auch ohne Worte eine Brücke bauen und den Hoffnungslosen signalisieren, dass sie sie bis zum Schluss ernst nimmt.

"So habe ich einer älteren Dame im Pflegestuhl ermöglicht, ein letztes Mal nach draußen in die Kälte zu gehen. Dort hat sie plötzlich ein Gebet gesprochen - so, als ob sie draußen dem Himmel näher war", sagt Bertine Heckl. Diese spirituelle Inspiration drücke eine große Hoffnung trotz Verzweiflung aus. Sie habe es oft erlebt, dass Menschen in ihren letzten Stunden eine tiefe Sehnsucht nach einem Gebet haben. Je näher das Sterben rückt. "Wir als bekennende Christen sind zu zaghaft und beim Glauben sehr zurückhaltend, wollen uns nicht aufdrängen", sagt sie.

Bertine Heckl erlebt immer wieder schöne Momente - trotz Einsamkeit, Trauer, Tod, Sterben. "Aus der Arbeit beim Hospizverein ziehe ich viel Kraft", sagt die 61-Jährige und genießt die wertvollen Momente auch für ihr eigenes Leben. In einem Sterbezimmer herrsche eine ganz andere Atmosphäre. "Da spürt man was von der Endlichkeit, etwas Unbegreifliches geschieht, die Seele löst sich", sagt sie.

Professionell dafür rüsten könne sich niemand, sondern den Mut haben, offen zu sein und seiner Wahrnehmung zu trauen. "Die größte Herausforderung ist es, authentisch zu sein", sagt Bertine Heckl. Dafür arbeitet sie gerne mit Metaphern, benutzt Bilder, um die Hoffnung auf ein neues Leben zu vermitteln. Dabei spiele auch der Humor eine wichtige Rolle. Er könne ungemein befreiend sein. In der Trauerbegleitung werde viel gelacht, "da verstehen sich viele verstanden in ihrer Trauer", sagt Marina Weidner.

Deshalb möchte sie mit Bertine Heckl für Leute, die mitten im Leben stehen und trauern, einen Austausch in lockerer und ungezwungener Runde ohne Anmeldung ermöglichen: Der "Abendtreff für Trauernde" findet ab 25. April einmal mittwochs im Monat ab 19 Uhr in den Räumen des Hospizvereins, Kaiserstraße 34, statt. "Wir wollen Brücken bauen und Mut machen", kündigen beide an.

(RP)