Radevormwald: In den Lernferien Defizite aufholen

Radevormwald: In den Lernferien Defizite aufholen

20 Schüler besuchen diese Woche die Lernferien in der Jugendbildungsstätte an der Telegrafenstraße. Die Teilnahme ist für die Schüler kostenfrei. Die Fachleute arbeiten mit tiefenpsychologischen Methoden. Die Jugendlichen lernen viel.

Louis und Rouven hatten eigentlich keine Lust darauf, ihre Osterferien mit Lernen zu verbringen. Unter Freizeit stellen sich die Gymnasiasten was anderes vor. Nach anfänglichen Motivationsschwierigkeiten haben sich die Schüler aber dann doch für das Programm der Lernferien begeistert. An dem Angebot des Ministeriums für Bildung und Schule haben in NRW in den heute zu Ende gehenden Osterferien mehr als 400 Schüler aus der achten und neunten Jahrgangsstufe teilgenommen. In Radevormwald wurde das Angebot in der Jugendbildungsstätte an der Telegrafenstraße durch das Unternehmen "Hildebrandt Coaching" durchgeführt.

"Es sind 20 Schüler aus NRW nach Rade gekommen. Sie besuchen unterschiedliche Schulformen und haben Defizite in verschiedenen Bereichen. Wir lernen dieses Woche in erster Linie, wie man lernt und sich selber motiviert", sagte Sozialarbeiter Bernhard Lange. In den ersten Tagen der Lernferien hat er mit den Schülern daran gearbeitet, die eigenen Defizite besser einschätzen zu können und den eigenen Lerntypen herauszufinden. Rouven weiß jetzt genau, woran er in Zukunft arbeiten muss. "Meine Sprache ist nicht gut genug, und ich lerne besonders gut über Bilder. Außerdem kann ich mich schlecht konzentrieren", sagte der 14-Jährige.

Leander wurde von seiner Mutter und seiner Klassenlehrerin zu der Teilnahme an den Lernferien überredet. Auch er besucht das Gymnasium und kann sich schlecht konzentrieren. "Ich sehe die Lernferien jetzt positiv, weil sie mir helfen. Mich auf Aufgaben zu konzentrieren fällt mir schwer." Probleme, sich Zeit sinnvoll einzuteilen und Aufgaben konsequent abzuarbeiten, hat auch Louis. "Ich glaube, viele von meinen Schwächen haben mit unserem Schulsystem zu tun. Ich will an mir arbeiten", sagte der Gymnasiast. Er ist einer der wenigen, der die Lernferien freiwillig, ohne Protest, besucht. Bernhard Lange und die anderen Mitarbeiter arbeiten mit tiefenpsychologischen Methoden, die nicht nur die schulischen Leistungen der Jugendlichen in den Blick nehmen. "Um Motivation aufzubauen, muss man die Ursache der fehlenden Motivation finden. Die Gründe liegen oft viel tiefer und nicht direkt an der Schule", sagte Lange. Neben diesen Analysen und Hilfestellungen zur Selbsterkenntnis arbeitete er mit den Schülern daran, die Vielfältigkeit ihrer Schulfächer zu erkennen. Zu Deutsch, Mathe und Englisch erarbeiteten sie Mindmaps, um eine genauere Vorstellung von dem Fach und seinen Ansprüchen zu bekommen. "Manchmal weiß man nicht, was alles zu einem Fach gehört und worauf man achten muss. Diese Mindmaps finde ich sehr hilfreich", sagte Leander.

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Die fünftägigen Lernferien in der Jugendbildungsstätte bestanden aber nicht nur aus konzentriertem Arbeiten, sondern auch aus Freizeitaktivitäten. Mit Klettern, Bogenschießen und einer Nachtwanderung wurde die soziale Kompetenz der Mädchen und Jungen gefördert.

Ihren Abschlussabend gestalten sie heute in Eigenregie. "Wir feiern den letzten Abend kreativ. Die Schüler können sich ein Programm ausdenken, vielleicht mit Tanz, Musik und Literatur", sagte Lange.

(trei)