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Hüterin der Vergangenheit - Radevormwald hat eine neue Stadtarchivarin

Neue Stadtarchivarin in Radevormwald : Sie hütet das Gedächtnis der Stadt

Zum Jahreswechsel hat die Wipperfürtherin die Nachfolge von Ulrike Künz übernommen. Das Archiv wird auch gerne von Privatpersonen in Anspruch genommen, die etwa ihre Familiengeschichte erforschen.

Für Iris Kausemann ist die neue Stelle, die sie seit dem 2. Januar innehat, auch ein Stück Nachhausekommen. Denn die 50-Jährige Wipperfürtherin hat die vergangenen neun Jahre im Historischen Archiv als Leiterin des Teams „Biographische Recherchen“ gearbeitet. „Ich komme aber eben aus dem Bergischen und habe schon die städtischen Archive in Hückeswagen und Burscheid aufgebaut. Nach fast zehn Jahren stand ich vor der Frage, ob ich jetzt nach Köln ziehen sollte oder nicht“, sagt Kausemann. Als sie dann von der offenen Stelle in ihrer Nachbarstadt erfahren hat, hat sie nicht lange gezögert und sich beworben. Die Arbeit in der Domstadt sei zwar sehr schön und anspruchsvoll gewesen: „Wir haben pro Jahr rund 3000 Anfragen von Bürgern, Kommunen und Kreisen gehabt. Das Team umfasste sechs Mitarbeiter“, erzählt Kausemann. Letztlich habe aber auch die geringere Entfernung nach Radevormwald mit zur Entscheidung für ihren Wechsel beigetragen.

Die Arbeit in Radevormwald sei nun umfassender. „Ich kümmere mich um die ganzen Angelegenheiten der Stadt. Die Verwaltung ist ein großer Kunde“, sagt Kausemann. Alle Akten, die in diesem Bereich anfallen, kommen zu Kausemann. „Ich sehe dann nach, was davon aufbewahrt werden muss und was weg kann. Das ist eine wichtige Arbeit, denn für unterschiedliche Akten gelten unterschiedliche Aufbewahrungsfristen.“ Dabei stehe sie in engem Austausch mit den jeweiligen Sachbearbeitern.

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Aber auch Privatpersonen kommen mit ihren Anliegen ins Stadtarchiv. „Das sind dann ganz oft biographische Anfragen – wo hat der Uropa in der Stadt seine Spuren hinterlassen? Gibt es etwas im Archiv über die Großeltern?“, zählt Kausemann auf. Heimatforscher würden sich auch für ihr Forschungsgebiet in den Archivalien umsehen. „Gerade noch war ein Bürger hier, der den Radevormwalder Bahnhof in kleinem Maßstab nachbauen möchte. Da kann ich natürlich mit Unterlagen über längst abgerissene Gebäude weiterhelfen“, sagt die 50-Jährige. Vor allem hätte sie diesem Forscher das umfangreiche Fotoarchiv zur Verfügung stellen können.

Kausemann ist sehr zufrieden mit dem Bestand des Rader Stadtarchivs. „Es ist mit seinen rund 10.000 Verzeichnungseinheiten im Schriftgutbestand und den mehreren 1000 Fotos im Fotoarchiv wirklich sehr gut aufgestellt.“ Die Ordnung und Übersicht in diesem umfangreichen Bestand herzustellen und zu behalten, ist Kausemanns Hauptaufgabe. „Es fehlt beispielsweise eine gute Verschlagwortung der Akten, über die man die Inhalte dann auch einfach finden kann. Um das alles auf Vordermann bringen zu können, werde ich die kommenden Jahre beschäftigt sein“, sagt Kausemann und deutet dabei auf eine Akte, in der eine recht umfangreiche Sammlung über ein Kriegerdenkmal enthalten ist, das bis 1956 auf dem Marktplatz gestanden hat. „Dafür fehlt eine umfangreiche Verschlagwortung, damit man auch weiß, was rund um die Einweihung des Denkmals alles in der Akte liegt.“

Das sei eine durchaus aufwendige Arbeit, die in der Eingabe der Schlagworte in eine Erschließungssoftware mündet. Damit kann der Archivbesucher dann per Schlagwort-Suche den Akteninhalt ganz einfach herausfinden. „Ich werde diese ganzen Akten in die Hand nehmen und durchsehen müssen. Aber darauf freue ich mich schon, denn so kann ich Rade auf diese Weise intensiv kennenlernen“, sagt Kausemann. Das sei ja letztlich auch die Aufgabe eines Archivs: „Es ist dazu da, Erkenntnis zu stiften und genutzt zu werden. Und dabei kommt es darauf an, dass die Archivalien katalogisiert und konservatorisch richtig gelagert sind.“

Auch wenn sie da noch einiges an Arbeit vor sich habe, ist sie sich sicher: „Der Bestand ist toll, darauf kann Radevormwald sehr stolz sein.“