Radevormwald: Heftige Schlägerei vor Disco bleibt ohne Folgen

Radevormwald : Heftige Schlägerei vor Disco bleibt ohne Folgen

Die Versionen bei einem Prozess gestern vor dem Amtsgericht Wipperfürth hätten gegensätzlicher nicht sein können – Version 1: Ein Türsteher einer Wipperfürther Diskothek schlägt und tritt immer wieder auf einen Gast ein, dabei wollte der doch nur nach Hause und wartete auf ein Taxi. Version 2: Ein aggressiver Gast einer Wipperfürther Diskothek schlägt und tritt immer wieder auf den Türsteher ein, dabei hatte der nur die Aufgabe, ihn hinausbegleiten.

Was sich in der Nacht zum 31. Oktober 2010 abgespielt hatte, sollte Strafrichter Armin Lührs beurteilen. Auf der Anklagebank saß der in Radevormwald wohnende Türsteher. Gegen den Gast aus Wipperfürth war das Verfahren bereits eingestellt worden. Dieses Angebot hatte der 32-Jährige Radevormwalder abgelehnt.

Er, so erklärte er später, habe sich bei dieser Auseinandersetzung nur gewehrt und sei das Opfer. Verletzt wurden bei der Schlägerei beide.

"Er hat mir einen Faustschlag versetzt, so dass die Augen voll Blut waren. Und meine Hand wurde gebrochen, als ich einen Tritt abwehren wollte", sagte der Türsteher. Der Wipperfürther erlitt Prellungen und Platzwunden am Kopf. Während des Prozesses traten Zeugen auf, deren Aussagen sich stark widersprachen und den Ablauf komplett verschieden erzählten.

Die zum Freundeskreis zählenden Zeugen des Gastes aus Wipperfürth schilderten nahezu wortgleich, dass der Türsteher urplötzlich aus dem Gebäude hinausgelaufen kam, um sein Opfer am Schal zu packen und heftig auf ihn einzuschlagen und einzutreten. Genau das Gegenteil sagten zwei Arbeitskollegen des Angeklagten aus. So sei der Wipperfürther urplötzlich umgekehrt, um dem Türsteher von hinten einen Schlag zu versetzen.

Klar war, dass es bereits in der Diskothek zu Reibereien kam. Auslöser war eine teure Jacke, die dem Wipperfürther gehörte. Es kam zu Diskussionen, bei der auch der Chef des Hauses eingeschaltet wurde. Dabei sei der 32-Jährige immer wieder durch Beleidigungen aufgefallen.

"Diese Jacke kostet mehr als Du in einem Monat verdienst", soll er einem Angestellten an der Garderobe gesagt haben. Zudem sei er, so behauptete der Angeklagte, immer wieder durch seine ausländerfeindlichen Sprüche aufgefallen. "Ja, ich bin vielleicht ein wenig ausfallend geworden", gab dann auch der Kontrahent des Angeklagten vor Gericht kleinlaut zu. An den Vorgang vor der Disco könne er sich nicht mehr erinnern. Getreten habe er aber nicht.

Nachdem alle Zeugen gehört wurden, kam es zu einer Unterbrechung des Prozesses, in der sich Verteidiger, Staatsanwalt und Richter intensiv berieten.

Nach Wiederaufnahme ging dann alles sehr schnell. Ohne weitere Begründung stellte der Strafrichter den Prozess auf Kosten der Staatskasse ein.

(nob)
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