Hat Radevormwald 700.000 Euro Fördermittel nicht abgerufen?

Ärger in Radevormwald : 700.000 Euro Fördermittel nicht abgerufen?

AL-Fraktion kritisiert bauliche Mängel in den Sporthallen Carl-Diem-Straße. Ebbinghaus zeigte sich „geplättet“, dass die geplante Begegnungsstätte nun aus statischen Gründen nicht gebaut werden dürfe.

Die Stadt Radevormwald hatte Zugriff auf Fördermittel in Höhe von annähernd 800.000 bis einer Million Euro für den Ausbau einer Kita in der Grundschule Stadt und einen Anbau für eine Begegnungsstätte. Abgerechnet wurde laut Rolf Ebbinghaus (Alternative Liste) zum Jahresende 2018 nur die Kita – das einst mal angedachte Jugendzentrum scheint jetzt wohl endgültig nach Einschätzung des Politikers gescheitert zu sein. Und der AL-Fraktionsvorsitzende setzt noch einen drauf: „Wir gewinnen zunehmend den Eindruck, dass der Rat und seine Gremien die Kontrolle über politische Prozesse verlieren oder nicht genügend Arbeit investieren, um die Kontrolle zu behalten.“

Ihm geht’s da besonders um die baulichen Mängel in den Sporthallen Carl-Diem-Straße. Seit Ende 2015 ist das ein Thema. Denn in den Eingangsbereichen zu den Hallen dringt Wasser ein. Die Idee, die vor Jahren entstand, war: Die Fläche wird überbaut. Damit wollte man die Undichtigkeit in den Griff bekommen gleichzeitig zusätzliche Räume gewinnen. Gedacht war an ein integratives Jugendzentrum, um junge Asylbewerber zu betreuen.

Für beide Projekte – laut Ebbinghaus mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro – hat der Fördergeber, das Land, 2016 grünes Licht gegeben. Nacheinander wurden die Projekte dann geplant – laut Ebbinghaus ein Fehler. Denn während die Kita inzwischen bezogen wurde, kam das Anbauprojekt überhaupt nicht ins Laufen. „Es war eine fatale Entscheidung, nicht parallel, sondern nacheinander zu planen“, so Ebbinghaus im Gespräch mit dieser Zeitung.

Erst im Mai 2018 wurden erste Pläne für dieses mögliche Jugendzentrum vorgestellt – nach Darstellung des AL-Fraktionsvorsitzenden „entbrannte ein Streit“ über mögliche Urheberrechte. Denn die Grundschule Stadt wurde nach einem Wettbewerb gebaut, so dass hier Urheberrechte geklärt werden mussten. Das verzögerte abermals das Projekt; laut Ebbinghaus wäre es aber auch ohne „Streit“ nicht zur Fertigstellung des Projektes bis zum Jahresende gekommen. „Rund 500.000 Euro sind in die Kita geflossen, 700.000 Euro waren für das zweite Projekte gedacht. Was ist mit den genehmigten Fördermitteln? Es ist nicht verbaut worden. Musste es zurückgezahlt werden? Müssen wir als Stadt vielleicht Zinsen zahlen? Mit sechs Prozent käme eine stattliche Summe zusammen“, sagt Ebbinghaus.“

Offizielle Aussagen der Stadtverwaltung zu dem Verfahren gebe es immer noch nicht, kritisiert der AL-Politiker. Aus „Kreisen der Verwaltung“ (Ebbinghaus) will er gehört haben, dass nun auf der Außenplattform aus statischen Gründen kein Gebäude errichtet werden dürfe. „Ich war ziemlich geplättet, als mir das so mitgeteilt wurde.“ Denn eigentlich hätte er erwartet, dass die Fachpolitiker zeitnah über so eine Veränderung informiert würden – oder wenigstens im Stadtrat. „Die Gremien sind darüber nicht in Kenntnis gesetzt worden“, ärgert er sich. Er fordert die Stadtverwaltung auf, zeitnah Stellung zu beziehen.

Ihn ärgere vor allem, dass die Halle seit Jahren vor sich hingammele. „Sowohl in dem Durchgang zu den Hallen als auch in der kleinen Halle tritt, auch bei geringen Regenmengen, Wasser ein. Die seit Jahren offenliegenden Träger rosten“, schreibt Ebbinghaus in einem Antrag an die Stddtverwaltung und den Vorsitzenden des Bauausschusses. Den fordert er auf, das Thema auf die Tagesordnung des Bauausschusses am 21. Februar zu setzen. „Hier muss dringend eine Sanierung geprüft werden. Denn das eintretende Wasser sickert im Gebäude in den Boden. Es muss befürchtet werden, dass die Feuchtigkeit das gesamte Gebäude beeinträchtigt.“ Laut Ebbinghaus laufe im Durchgangsbereich das Wasser an den Wänden herunter, in der kleinen Halle bildeten sich große Pfützen. „Die derzeitige Situation gefährdet sowohl die Bausubstanz als auch die dort Sport treiben Menschen, insbesondere die Grundschule.“

Von der Stadtverwaltung war niemand zu einer Stellungnahme zu erreichen.

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