Radevormwald/Wuppertal: Häusliche Gewalt endet vor Gericht

Radevormwald/Wuppertal: Häusliche Gewalt endet vor Gericht

Ehemann wollte Sex erzwingen. Die Quittung: zwei Jahre und sechs Monate.

Ein Mann bedrängt seine Frau. Immer wieder packt er sie an den Armen und wirft sie aufs Bett. Er soll sie auch gewürgt und versucht haben, sie aus dem geöffneten Fenster zu kippen. Mittendrin die schreienden Töchter, von denen eine versucht habe, sie an den Beinen festzuhalten. "Ich hatte das Gefühl, gleich sterben zu müssen", erinnerte sich die 35-jährige Mutter zweier kleiner Kinder gestern beim Prozess am Wuppertaler Amtsgericht an den Morgen im August des vergangenen Jahres. Für sein Verhalten bekam der Mann nun die Quittung. Das Urteil lautete: zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe.

Damals sei der von ihr getrennt lebende Ehemann unerwartet in der Wohnung seiner Schwiegermutter aufgetaucht. Schon zuvor hatte es zwei Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gegeben. Einen davon in der gemeinsamen Wohnung in Radevormwald, in die das Ehepaar aus dem Irak nach dem Aufenthalt in der Flüchtlingsunterkunft gezogen war. Ihr Mann habe Sex gewollt, sie selbst habe sich nicht wohlgefühlt. Daraufhin habe ihr der 32-jährige Angeklagte die Hand in den Mund gedrückt, woraufhin sie ohnmächtig geworden sei. Die herbeigerufene Polizei verwies den Mann vorübergehend der Wohnung. Seine Frau suchte mit den gemeinsamen Kindern Schutz im Frauenhaus. In der Wohnung ihrer Mutter sei sie Monate nach diesem Vorfall nur gewesen, um eine Aussage bei der Polizei zu machen. Schon im Irak habe es hin und wieder gewalttätige Übergriffe gegeben. "Nur nicht so oft", wie die Frau gestern im Zeugenstand betonte.

Als die Familie vor zwei Jahren nach Deutschland kam, hätten sich die Vorfälle gehäuft. Glaubt man dem, was der Ehemann darüber erzählt, so habe es häufiger Streit ums Geld gegeben. Seine Frau habe es für alles Mögliche ausgegeben, und am Monatsende habe die Familie nicht mehr genug gehabt, um Lebensmittel zu kaufen, hieß es im Gerichtssaal. Und immer wieder - so erinnerte sich die zierliche Frau - sei es auch um Sex gegangen.

Sogar an besagtem Augusttag, als der Streit eskalierte, soll der Mann sie immer wieder ins Schlafzimmer gedrängt haben. Zwischenzeitlich sei es ihr gelungen, sich mit ihren Kindern in einem Zimmer einzuschließen. Das wiederum habe ihr Mann aufgebrochen, woraufhin sie durch das offene Fenster um Hilfe gerufen habe. Die alarmierte Polizei nahm den Ehemann mit; er sitzt seither in Untersuchungshaft.

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Der Angeklagte wiederum erzählte dem Gericht eine andere Geschichte. Er habe bei seiner Schwiegermutter nur das Gold holen wollen, was er seiner Frau zuvor gekauft habe. Woher er damals das Geld dafür hatte, sagte er dem Gericht auch: "Ich habe im Irak mein Gold verkauft und das Geld dem Schlepper gegeben. Dabei sind 5000 Dollar übrig geblieben, die hat mir der Schlepper zurückgegeben."

Außerdem habe er bei der Schwiegermutter die Pässe seiner Kinder holen wollen, um seine Frau daran zu hindern, in den Irak zurückzukehren. Dass sich seine Frau von ihm habe scheiden lassen wollen, sei ihm egal gewesen. Die befürchtete Trennung von seinen Kindern hingegen habe schwer auf seiner Psyche gelastet. "Ich konnte weder essen noch schlafen", sprach der Angeklagte über seinen psychischen Ausnahmezustand.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(magu)