Katholische Kirchengemeinde: Glaube spielt an Ostern wichtige Rolle

Katholische Kirchengemeinde : Glaube spielt an Ostern wichtige Rolle

Die Krise in der Katholischen Kirche ist groß: Die Zahl der Austritte steigt, die Verunsicherung bei den Christen wächst. Trotzdem will Pfarrer Marc D. Klein zu Ostern so etwas wie Aufbruchstimmung predigen und Mut machen.

Ostern 2019 – kein gewöhnliches Fest für Pastor Marc D. Klein im Speziellen und die Katholische Kirche im Allgemeinen. Zu sehr belasten die Skandale der vergangenen Monate und Jahre mittlerweile auch das Leben in der Gemeinde vor Ort. „Die Dinge zu kommentieren, geht nicht, weil es oft nur als Ablenkung und Rechtfertigung ausgelegt wird“, sagt Klein. Dabei ist der Kirchenmann der Gemeinde St. Marien und Josef überzeugt davon, dass es Zeitgenossen gibt, die den Missbrauch in der katholischen Kirche für ihre Argumentation gegen die katholische Kirche missbrauchen. „Dem kann man dann nichts mehr entgegensetzen“, sagt Klein. Jeder Priester müsse da seinen ganz eigenen Weg finden, damit umzugehen und mit der Gemeinde zu kommunizieren. „Ich habe ja auch eine Verantwortung für meine Mitarbeiter, denen ich Hilfen geben möchte, um sie auch auf das Positive hinzuweisen“, sagt Klein.

Aber trotz aller österlicher Vorfreude auch in diesem Jahr, sei die Verunsicherung bei den Christen gravierend. „Die Kirche wird verunsichert, sie verunsichert sich selbst und verunsichert auch die Gläubigen“, meint Klein. Diese Entwicklung sei tragisch. Da verwundert es kaum, dass der Pastor von einer außergewöhnlich hohen Zahl an Kirchenaustritten berichtet. Das sei die konkrete Folge aus all dem, was da passiert sei. Dabei appelliert Klein gerade auch in der Osterzeit daran, zu unterscheiden – zwischen der Kirche als Institution und den Menschen in der Kirche. Kirche sei immer der Ort für Gläubige und Sünder. Klein verweist auf die Kirche als beginnendes Reich Gottes. Und er weiß, dass vielen ein stückweit der Glaube abhanden gekommen ist. „Wir haben einen Glaubensmangel, auch einen Gläubigenmangel, und nicht nur einen Priestermangel“, sagt er. Zu Recht würden sich da die Menschen gerade jetzt zu Ostern die Frage stellen, was das für ein Glaube sein soll, der das alles ertrage. „Und wir können das alles nur mit unserem Glauben ertragen“, appelliert Klein. Aber weil eben so viele Menschen ihren Glauben verloren haben, sind sie unsicher geworden, auch in der Identifikation mit ihrer Kirche. „Da ist was zerbrochen“, sagt Klein.

Dieses Thema beeinflusst auch seine Predigten. Die, die noch kommen, will der Pastor stärken und ermutigen, damit sie sich nicht verunsichern lassen. Das gelte auch für Ostern – ein Fest, das längst nicht die Romantik von Weihnachten entfalte. Da gibt sich Klein keiner Illusion hin. Auf die missionarische Ausstrahlung gerade auch zum Osterfest will Klein trotz aller Probleme nicht verzichten. Die Liturgie sei dafür zwar kein glücklicher Ort, dafür müsse das aber verstärkt im Alltag gelingen. Einladend und ausstrahlend müsse Kirche sein, „so kann Freude am Glauben vermittelt werden durch das persönliche Zeugnis“, sagt Klein.

▲ Das violette Gewand symbolisiert in der österlichen Zeit die Farbe der Buße und der Vorbereitung; ▼ Das weiße Gewand steht für den Beginn der drei Heiligen Tage. Foto: Joachim Rüttgen

Die Osternacht sei eine phantastische Liturgie-Feier, bei der der Glaube als Grundlage für alles gefestigt werde. Diese besondere Liturgie ist für Klein immer auch eine Gratwanderung, „denn wir machen da ganz bestimmt keine Show und wollen auch keine Konkurrenz zum Fernsehen sein“, sagt er. Für ihn macht eine Osternacht die Kombination aus guter Predigt, Chorgesang und der Gestaltung aus.

Farben bestimmen die österliche Zeit: Violett, weiß und rot sind die dominierenden Farben. Foto: Joachim Rüttgen

Und bei allem spielen auch die Farben eine ganz entscheidende Rolle. Das fängt nach Aschermittwoch mit der Fastenzeit an, wenn die österlichen 40 Tage, die österliche Bußzeit oder in der evangelischen Kirche die Passionszeit beginnt. Dann trägt der Priester in der katholischen Kirche violett – die Farbe der Buße, der Vorbereitung bis zum Mittwoch der Karwoche. „Die 40 Tage ohne die Sonntage gerechnet, werden komplett in violett geführt“, sagt Klein. Am Gründonnerstag beginnen dann die drei Heiligen Tage, die der Priester in Weiß begeht – als Ausdruck einer festlichen Farbe zur Einsetzung des Abendmahls und der Eucharistie. „Da die Festlichkeit am Gründonnerstag aber zu kurz kommt, gibt es zusätzlich Fronleichnam. „Grün steht übrigens für greinen, also weinen“, erläutert Klein.

Karfreitag wechselt die Farbe erneut – dann zu rot, als Zeichen für Blut und Märtyrer. Beides verweist auf die Kreuzigung.

Der Karsamstag ist dann der stille Tage, ehe in der Osternacht Samstagabend wieder die Farbe weiß dominiert.

Die Karwoche an sich hat für Pfarrer Marc D. Klein einen ganz besonderen Charakter: Die Tage vor Ostern beginnen für ihn meist am Montag mit der Chrisam-Messe im Kölner Dom, bei der der Erzbischof alle Priester und Diakone begrüßt und die Öle weiht. Das ist für Klein ein wichtiger Auftakt in die entscheidende Woche vor dem Osterfest. Das gemeinsame Essen mit einem Freund, die Beichte, ein Vortrag – das alles sind wertvolle Elemente für eine besondere Einstimmung. „In der Chrisam-Messe begegne ich immer meinen Mitbrüdern, wir feiern gemeinsam, erneuern unser Weiheversprechen“, sagt Klein, der den Montag der Karwoche gerne auch als „Oasen-Tag“ bezeichnet. Dieser Tag habe schon eine ganz besondere Stimmung.

In der Karwoche versucht Klein auch, die Verwaltungsarbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Er möchte möglichst wenig im Büro sitzen. Denn nach dem Karmontag beginnt auch die konkrete Vorbereitung auf die Predigt zum Osterfest, auf die liturgischen Feiern an den Festtagen.

Ganz wichtig ist Klein auch, dass seine Mutter meist ab dem Mittwoch vor Gründonnerstag ihm zur Seite steht. „Das ist dann auch immer eine schöne Begegnung“, sagt er. Gründonnerstag lädt Klein traditionell sein Pastoralteam zum Essen ein, bei dem auch letzte Details fürs Osterfest besprochen werden.

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