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Geschichtsverein in Radevormwald: So lief der Bau der Ennepe-Talsperre

Historie der Region : Ausstellung über Bau der Ennepe-Talsperre

Die Radevormwalder Abteilung des Bergischen Geschichtsverein und der Heimat- und Verkehrsverein wollen mit Texten und Bildern die teilweise dramatischen Ereignisse um den Bau der Sperre dokumentieren.

Die Ennepe-Talsperre liegt an der Grenze von Radevormwald und Breckerfeld. Der Bergische Geschichtsverein (BGV), Abteilung Radevormwald, und der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) bereiten eine Ausstellung über die Talsperre im Heimatmuseum vor. Wie BGV-Mitglied Bernhard Priggel mitteilt, sollte diese Anfang April eröffnet werden, doch die Pandemie verhinderte dies. Das Heimatmuseum bleibt bis Ende August geschlossen. Doch historisch Interessierte dürfen schon jetzt gespannt sein.

„Ein Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt in der Zeit des Baus der Talsperre in den Jahren 1902-1904“, berichtet Bernhard Priggel. „Die Einweihung fand im Mai 1905 statt. Der Bahnhof in Radevormwald erlangte zu dieser Zeit eine große Bedeutung. Das Baumaterial für die Sperrmauer und andere benötigte Güter wurden mit der Eisenbahn angeliefert, am Bahnhof auf eine Kleinbahn umgeladen und in das Tal der Ennepe transportiert.“

Auch die bis zu 1300 Arbeitskräfte, überwiegend Italiener und Kroaten, kamen per Zug zu der damals riesigen Baustelle angereist. Untergebracht waren sie in Baracken an der Baustelle und auf den umliegenden Gehöften. „Viele Menschen unterschiedlichster Mentalität, lange Arbeitstage, Freizeit in räumlicher Enge, dazu Alkohol – eine explosive Mischung, die zu vielen Problemen führte und leider auch Todesopfer zu beklagen hatte“, schildert Priggel die Umstände.

Der BGV-Abteilung Radevormwald will in ihrer Schriftenreihe auch ein Heft über diese Zeit veröffentlichen. Priggel hat sich tief in das Thema eingearbeitet und dazu im vergangenen Jahr einen Vortrag gehalten (die BM berichtete). Neben den reinen Fakten des Talsperrenbaus sind ihm die Lebensbedingungen der Arbeiter auf der Baustelle wichtig – Informationen, die man in keinem Buch und keiner Hochglanzbroschüre findet.

„Die Ennepe-Talsperre wird gespeist durch die Wassermengen der Ennepe und des Borbaches. Das Borbachtal befand sich ganz auf Radevormwalder Gebiet, ebenso das westliche Ufer des Ennepebaches. Nur das östliche Ennepeufer gehörte zu Breckerfeld“, erläutert Priggel. Der weitaus größte Teil des überfluteten Gebietes gehörte zu Radevormwald, somit war die Talsperre durchaus eine „Radevormwalder“ Talsperre. Erst durch die kommunale Neugliederung im Jahre 1929 kamen der gesamte Talsperrenbereich sowie die Ortschaften Böckel, Altenfeld, Altena, Nieder- und Oberklütingen, Bauendahl, Schiffahrt und Richlingen zu Breckerfeld.

Gebaut wurde durch die Ennepe-Thalsperren-Genossenschaft, ein Zusammenschluss von 52 Fabrikbesitzern. An den Kosten beteiligten sich auch die Ruhr-Thalsperren-Genossenschaft (heute Ruhrverband) und der Kreis Schwelm. Die Industriestandorte im Tal der Ennepe benötigten eine zuverlässige und allzeit verfügbare Energiequelle. Nach den Berechnungen von Prof. Dr. Ing. Otto Intze aus Aachen konnten der Borbach und die Ennepe die benötigten Wassermassen liefern.

So sieht die Ennepe-Talsperre im südwestlichen Stadtgebiet von Breckerfeld heute aus. Foto: Wolfgang Scholl/Scholl, Wolfgang (wos)

Der Talsperre mussten auch Häuser und kleine Industriestandorte weichen. Hier sind Bernhard Priggel noch einige Fakten unbekannt und er bittet die Leser der BM um Informationen und auch Fotos der versunkenen Orte. Von der Staumauer aus gesehen befand sich rechts der Halbinsel im Borbachtal der Falkenroth´sche Stahlhammer, zu dem 1868 auch noch eine Knochenmühle gehörte. Bachaufwärts folgte eine Schleifmühle, die 1872 noch genannt wurde. Etwas weiter stand ein Eisenhammer (Schmiede). Weiter in Richtung Altena gab es wohl ein landwirtschaftliches Gebäude und oberhalb des jetzigen Talsperrenweges war ein Waldarbeiterhaus, das 1981 abgerissen wurde. Über alle diese Gebäude liegen kaum Informationen vor. Ein beliebter Treffpunkt war die Gaststätte Eicker auf Altenfeld. Der Bauernhof mit Gaststätte musste 1981 der Talsperre weichen. Jahrelang fand ein Pfingstgottesdienst der lutherischen Kirchengemeinde Radevormwald im Steinbruch nahe der Staumauer statt, der dann im Krieg nach Altenfeld verlegt wurde.

Im Tal der Ennepe verschwand die Ortschaft Osenberg mit mehreren Gehöften und die Osenberger Mühle. Lediglich ein kleines Fachwerkgebäude und eine Scheune blieben vom Wasser verschont. Das jetzige Forsthaus Osenberg wurde neu erbaut. Auch die Höller-Mühle und der Bauernhof „Im Hohle“ verschwanden, später dann noch die Ortschaft Bauendahl.