Geldstrafe: Marihuana-Konsum ohne Rezept

Amtsgericht : Geldstrafe für Marihuana-Konsum

Ein ADHS-Patient konsumierte Drogen, um den Alltag zu bewältigen. Das Gericht verurteilte ihn zu 2100 Euro Geldstrafe. Dem 31-Jährigen fehlte die ärztliche Verordnung.

Seit März 2017 dürfen Ärzte das Rauschmittel Cannabis bei einer schwerwiegenden Krankheit als Medizin verschreiben. Bei Krebs, HIV oder Multipler Sklerose ist dies kein Problem, bei Rheuma, Migräne oder ADHS teils noch umstritten. Ohne Rezept sind der Besitz und Konsum der Droge strafbar. Daher musste sich ein 31-jähriger Radevormwalder am Wipperfürther Amtsgericht rechtfertigen. Die Polizei hatte im November 2018 in seiner Wohnung 42,5 Gramm Marihuana, das aus der Cannabispflanze gewonnen wird, sichergestellt. „Das ist nicht gerade wenig und auch nicht das erste Mal“, sagte der Richter zum Angeklagten, der die Straftat sofort einräumte.

Der junge Mann versuchte, sich zu erklären: Er benötige die Droge, um den Alltag zu bewältigen. „Es hilft mir, mich zu konzentrieren und durch den Tag zu kommen“, sagte er. Schon mit vier oder fünf Jahren sei bei ihm eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert worden. „Bei mir laufen fünf Sachen im Kopf gleichzeitig ab, was meist im Chaos endet. Mit zwei bis drei Joints am Tag, die ich konsumiere, kann ich mich besser konzentrieren und Gesprächen folgen.“ Eine ärztliche Verordnung habe er bis heute nicht erhalten. „Die Ärzte tun sich alle schwer. Sobald man das Thema Marihuana erwähnt, bekommt man die Tür gezeigt“, sagte er. Das Medikament Ritalin, das bei ADHS oft verschrieben wird, hätte bei ihm nicht die gewünschte Wirkung. „Man fühlt sich mit Ritalin wie eingesperrt im Kopf“, sagte der Angeklagte, der keine Ausbildung hat, jedoch gegen Bezahlung einem Menschen mit Behinderung im Alltag hilft.

Drei Vorstrafen hatte der Rader bereits vorzuweisen, darunter Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Führerschein und unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln 2018. Der Richter forderte den Angeklagten auf, sich dringend um die ärztliche Verordnung zu kümmern. „Es ist die einzige Möglichkeit, langfristig einer Strafverfolgung zu entgehen“, warnte der Richter. Der Verteidiger bat um eine milde Strafe: „Mein Mandant steht in einem Konflikt, da es auch von staatlicher Seite keine sinnvolle Beratung und Adressen gibt, an die man sich wenden kann.“

Die Staatsanwaltschaft hielt eine Geldstrafe für angemessen und ausreichend und forderte 90 Tagessätze zu je 30 Euro. Der Richter reduzierte die Strafe auf 70 Tagessätze à 30 Euro – 2100 Euro. Für die Zukunft gab er dem Verurteilten noch einen Rat mit auf den Weg: „Dass Sie sich lokal informiert haben und gescheitert sind, ist bedauerlich. Sie müssen größere Anstrengungen in Kauf nehmen, eventuell auch eine Suchtberatung aufsuchen, wenn Sie vermeiden wollen, dafür in Zukunft im Gefängnis zu landen. Kümmern Sie sich!“, sagte der Richter.