Sagenhaftes Rade: Geister, Hexen, Riesen

Sagenhaftes Rade : Geister, Hexen, Riesen

Am 30. April ist Walpurgisnacht, die Nacht der Hexen, Geister und anderer Spukgestalten. Die treiben jedoch nicht nur am Blocksberg ihr Unwesen, sondern auch in Rade, wenn man alten Sagenbüchern glauben kann.

Ein Bauer, der vor vielen Jahren in Wellringrade lebte, hatte ein sehr spezielles Eheproblem. Seine Frau war nämlich eine Hexe und verwandelte sich so oft und gern in einen Hasen, "dass sie ihre häuslichen Geschäfte darüber vernachlässigte". So berichtet es der bergische Sagen-Sammler Otto Schell im 19. Jahrhundert. Überall im Bergischen forschte er seinerzeit nach Sagen, Spukgeschichten und Schwänken, die noch unter der Bevölkerung lebten.

Während er beispielsweise in Hückeswagen nur wenige Geschichten auftreiben konnte, wurde er in Radevormwald reichlich entschädigt. Für unheimliche Geschichten schienen die Leute hier ein Faible zu haben. Und viele Sagen lassen sich Ortschaften zuschreiben, die es heut noch gibt.

Zum Beispiel Wönkhausen. Dort lebte laut Schell einst ein Schreiner, der an seinem Werkzeug merkte, ob ein Todesfall bevorstand. Die Säge und die anderen Werkzeuge gaben dann unheimliche Töne von sich . . .

Eine schaurige Begegnung soll ein Mann am späten Abend auf dem Weg zwischen Vogelsmühle und Dahlerau gehabt haben. Seine jüngst verstorbene Frau sei plötzlich zu ihm getreten und habe ihn "mit der kalten Totenhand" an der Wange berührt. "Voller Grausen" habe der Mann die Flucht ergriffen.

Gruselig ist auch die Geschichte vom Prediger Haver, der 1859 erschossen "in einem Gebüsch bei Vogelshaus" gefunden wurde. Seit jener Zeit wurde sein Geist regelmäßig gesehen, wie er "zur nächtlichen Zeit zwischen dem Grabe und der Kirche hin und her wandelte".

Zur Nachtzeit sollten Menschen, die nervöse Beschwerden haben, auch um die Stelle "Im Dampf" bei Remlingrade einen Bogen machen. Denn in diesem "kesselartigen Thal" erscheinen "nachts um elf Uhr Geister und führen bis ein Uhr eine Tanz auf".

Remlingrade und seine Umgebung scheint ohnehin für Geisterspuk bekannt gewesen zu sein. Schell erzählt von einem gottlosen Scheffen aus diesem Kirchdorf, der nach seinem Tod keine Ruhe fand. Er wandert nächtens von seinem Grab zur so genannten Femlinde. Dabei nehme er verschiedene Gestalten an, etwa die eines großen Hundes oder die eines Schafs.

In einem Gehöft bei Remlingrade neckte ein anderer Geist nachts die Schläfer, in dem er ihnen die Bettdecken wegzog. Schließlich, so heißt es, hätten nur die Beschwörungen der Mönche von Beyenburg diesen Spuk aus dem Haus treiben können.

Doch auch hilfreiche Wesen aus der Anderswelt sollen bei Rade gelebt haben. Am Kollenberg hüteten demnach einst freundliche Zwerge für die Menschen das Vieh. Eine missgünstige Pächtersfrau beleidigte das kleine Volk jedoch, so dass sie von dannen zogen und die Menschen künftig selber ihr Vieh versorgen mussten.

Viele dieser Geschichten werden den heutigen Radern nichts mehr sagen, doch in einem Fall lassen sich die Spuren einer Sagen noch ganz konkret verfolgen. Im Froweinpark liegt ein großer Felsbrocken. Solche "Mondsteine" werden im Uferbereich der Wuppersperre sichtbar, wenn das Wasser tief steht, vor allem im Bereich der Wiebach-Vorsperre. Riesen sollen diese tonnenschweren Brocken dorthin getragen haben. Und manche behaupten, ihre Fingerabdrücke seien noch im Gestein zu sehen.

Doch nicht nur in der Sagensammlung von Otto Schell sind alte Geschichten zu finden. Manche haben sich bis heute in der örtlichen Überlieferung gehalten. In Dahlhausen gibt es heute noch eine Eibe, um die sich eine Sage rankt. Hier soll ein Jäger eine wunderschöne Fee erblickt haben, die von einem Wolf begleitet wurde. Der junge Jäger erlegte den Wolf. Doch der tote Körper war auf mysteriöse Weise verschwunden. Und auch die schöne Fee sollte der Jäger nie wiedersehen...

(s-g)
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