Radevormwald: Frauen kämpfen um Gleichberechtigung

Radevormwald : Frauen kämpfen um Gleichberechtigung

Die reformierte Kirchengemeinde zeigt die Wanderausstellung "Pionierinnen im Pfarramt - 40 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der Evangelischen Kirche im Rheinland" im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Erst seit 1975 steht die Amtsbezeichnung "Pfarrerin" auch weiblichen Amtsträgern zu. Für diese Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt der evangelischen Kirche mussten viele Theologinnen kämpfen. Die Wanderausstellung "Pionierinnen im Pfarramt - 40 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der Evangelischen Kirche im Rheinland" verfolgt den Kampf von Frauen in das geistliche Amt und ist im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu sehen.

Gisela Busch, Vorsitzende des Presbyteriums der reformierte Gemeinde, hat sich dafür eingesetzt, dass die Ausstellung nach Radevormwald kommt. "Als die Ausstellung von der Landessynode im Januar vorgestellt wurde, war ich direkt interessiert. Toll, dass wir die Ausstellung so schnell nach Rade bekommen haben", sagte sie.

Eröffnet wurde die Ausstellung im Rahmen des Café-Treffs der Gemeinde und durch eine anschauliche Einleitung von Rita Herche. Die Pfarrerin, 1938 geboren, musste selbst um ihre Stellung in der evangelischen Kirche kämpfen und hat die Umbruchphasen miterlebt.

"In den vergangenen 100 Jahren gab es drei Generationen von Theologinnen. Die erste musste darum kämpfen, überhaupt Theologie studieren zu können und hatte keine Chance auf ein Pfarramt. Die zweite Generation konnte zwar studieren, aber das Pfarramt war immer noch schwer zugänglich. Die dritte Generation hat alle Möglichkeiten und genießt die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen", sagte Herche und ordnete sich selber der zweiten Generation zu.

Nachdem am Anfang des 20. Jahrhundert die Universitäten für Frauen geöffnet wurden, durften Frauen ab 1927 als Vikarin vor Frauen und Kindern Gottes Wort verkünden. Verbunden war das Vikarinnenamt allerdings mit einer Zölibatsklausel, die erst 1973 aufgehoben wurde. Theologinnen kümmerten sich bis in die 1960er Jahre ausschließlich um die Seelsorge von Frauen in Krankenhäusern und Heimen, boten Kindergottesdienste an und gaben Religionsunterricht in den Mädchenklassen von Berufsschulen.

Auch Rita Herche hat das miterlebt. "Meine Arbeit hat sich lange auf Mädchen und Frauen beschränkt, irgendwann durften dann auch Jungen dazukommen", sagte sie. 1963 stand Frauen dann die Bezeichnung der "Pastorin" zu. "Die Besoldung und Versorgung war mit der eines Pfarrers gleich. Allerdings wurden die Frauen von anderen Kirchenämtern ausgeschlossen und unterlagen immer noch dem Zölibat", sagte Herche. Als die Gleichstellung von Frauen und Männern 1975 endlich durchgesetzt wurde, übernahmen die Frauen auch andere Kirchenämter.

Die erste Superintendentin war Hannelore Häusler, die erste Oberkirchenrätin Gisela Vogel. Rita Herche trat ihre erste Stelle als Pfarrerin 1979 in der Nachbarstadt Remscheid an. "Seitdem bin ich Pfarrerin. Die Gleichberechtigung ist in der Kirche angekommen und wurde auch damals von den meisten alten Kollegen mit Wohlwollen akzeptiert", sagte sie.

Mit den Gästen des Café-Treffs im Dietrich-Bonhoeffer-Haus tauschte Rita Herche viele Anekdoten aus ihrem Leben aus und erzählte ein "Döneken" nach dem anderen. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die meisten Menschen sich nicht vorstellen konnten, dass eine Frau berufstätig ist und eine Familie hat. Heute ist es kaum anders denkbar. Ich hatte auch viele Jahre eine Haushaltshilfe. Zu meiner Zeit war das noch eine Besonderheit", sagte sie.

Sie selbst gehörte zu den Pionierinnen der Theologie im Rheinland und war deshalb auch sehr aktiv an der Gestaltung der Wanderausstellung beteiligt.

(trei)