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Radevormwald: Fastenzeit als Einladung zur Selbstkritik

Radevormwald : Fastenzeit als Einladung zur Selbstkritik

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Damit starten 40 Tage der Besinnung und des Verzichts. Geistliche betonen, dass die Zeit bis Ostern mehr ist als nur eine Zeit der Diät. Man solle an seinen Schwächen arbeiten.

Keine Süßigkeiten. Kein Fleisch. Kein Alkohol. Eine Art Diät also. Für viele Menschen ist die Fastenzeit genau das. Dabei steckt noch deutlich mehr dahinter. "Der Sinn der Fastenzeit ist es, sich selbst und seine Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen", sagt Kaplan Dr. Johannes Wolter von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und Josef. Mittelpunkt sei es, den Glauben auf den Prüfstand zu stellen. Das Verhältnis zu Gott tangiere dann auch das Verhältnis zu sich selbst und zu anderen.

Am heutigen Mittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Sie endet in der Osternacht. Sonntage gelten dabei nicht als Fastentage und werden entsprechend auch nicht mitgerechnet. Die 40 Tage dauernde Vorbereitungszeit auf Ostern besteht seit dem vierten Jahrhundert. Ursprünglich bereiteten sich damit erwachsene Taufbewerber auf die Taufe an Ostersonntag vor.

Fasten wird von geistlichen Experten dabei als Besinnung auf das Wesentliche angesehen. Nach dem Motto "weniger ist mehr" sollte man demzufolge bewusst auf etwas verzichten, um etwas Anderes mehr zu tun: Weniger Zeit verschwenden, mehr Zeit für die Familie nutzen; weniger überflüssiger Konsum, mehr Spenden.

Zudem können die 40 Tage bis zur Osternacht Anlass dafür sein, in sich zu gehen. Kaplan Wolter spricht von einer "Einladung zur Selbstkritik". "Man sollte sich fragen: Inwiefern bin ich an Unrecht beteiligt?", berichtet der Geistliche. So könne man an seinen Schwächen arbeiten. Laut des Kaplans ist es wichtig, nicht nur bei allgemein formulierten Vorsätzen zu bleiben. "Je konkreter man ein Ziel formuliert, desto besser. Im Idealfall sei durch die Fastenzeit eine Veränderung spürbar. Wie eine Einübung in den Glauben soll diese Veränderung längerfristig wirken.

Ursula Hiltemann von der auch für Rade zuständigen Katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familie- und Lebensfragen in Remscheid sieht die Fastenzeit als Möglichkeit, eigene Beziehungen zu pflegen. Dies könnten Beziehungen zum Partner, zur Familie, zu Freunden und auch zu Gott sein. Zeit sei dabei ein ganz entscheidender Faktor. Sich Zeit zu nehmen, um zuzuhören, werde bereits enorm helfen, sagt sie.

Hiltemann, die in Wermelskirchen wohnt, betont die Notwendigkeit von Verzicht auch bei Beziehungen. "Fasten heißt, Routine zu unterbrechen", sagt Ursula Hiltemann. Man solle nicht nur auf sich selbst achten, sondern die eigenen Bedürfnisse stärker in Einklang mit denen beispielsweise des Partners bringen. Weniger Zeit vor dem Computer oder Fernseher verbringen, andere Prioritäten mit dem Partner setzen. "Es geht darum, Beziehungen prophylaktisch zu stärken", sagt die Beraterin. Schließlich könnten zerrüttete Beziehungen auch krank machen.

(RP)