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Falknerei Bergisch Land in Remscheid: Grobi bekommt Konkurrenz

Falknerei in Remscheid : Star-Seeadler Grobi bekommt Konkurrenz

Riesenseeadler Grobi hat nach seinem Ausflug bis nach Ungarn wieder zugelegt. Gänsegeier haben erstmals ein Küken bekommen. Carola Schossow hat das Küken bisher nur über die installierte Kamera oder von der Leiter aus gesehen.

Drei Länder in 35 Tagen: 1000 Kilometer von der Heimat entfernt, tauchte der vermisste Riesenseeadler Grobi aus der Falknerei Bergisch Land in Budapest auf. Und nun ist er zurück in Grüne. Carola Schossow ist froh, dass ihr Schützling wieder zu Hause ist. Fischer haben ihn in Ungarn gefunden. „Grobi saß wohl völlig entkräftet und hungrig da, sie haben ihn eingefangen und in den Budapester Zoo gebracht“, erzählt die Inhaberin der Falknerei. Hinzu kam, dass Grobi gerade in der Mauser ist und schlichtweg nicht mehr abheben konnte.

Der Tierarzt in Budapest habe Grobis geschwächte Verfassung bestätigt – er wog nur 3,3 Kilogramm. „Mittlerweile wiegt er wieder etwa fünf Kilo, das ist normal für ihn“, sagt Carola Schossow erleichtert. Grobi wurde mit reichlich fetthaltigem Fisch wie Lachs aufgepäppelt und hat sich nun nach einer Woche daheim wieder ganz gut eingewöhnt. Am Anfang sei er sehr erschöpft und nervös gewesen, sagt die Falknerei-Inhaberin. Auch jetzt ziert er sich gerade noch etwas vor Fremden. Tatsächlich war ein Krähenangriff der Grund für Grobis Flucht. „Da geht es schon echt zur Sache, und wenn wir nicht schnell genug mit dem Köder da sind, dann flüchten die Tiere leider“, erklärt Schossow. Meistens klappe es jedoch, die Tiere abzulenken und von den Krähen wegzulocken.

  • Gesucht: der imposante Riesenseeadler „Grobi“. ⇥Foto:
    Tier aus der Falknerei Bergisch Land : Sorgen um ausgebüxten Riesenseeadler „Grobi“
  • Auf dem Landweg : Riesenseeadler Grobi zurück in Remscheid
  • Carola Schossow mit Riesenseeadler „Grobi“.
    Ausgebüxter Riesenseeadler aus Remscheid : „Grobi“ angeblich in Ungarn aufgetaucht

Und so nahm Grobi eine längere Reise auf sich, flog quer durch Deutschland und machte zunächst einen Zwischenstopp in Österreich. Dort hatte er zwei Wanderer gefunden und anscheinend um Essen angebettelt, wie sich später herausstellte. „Die Wanderer sind über Facebook auf unsere Geschichte aufmerksam geworden und haben uns sogar Fotos mit Grobi geschickt“, erzählt Schossow. Von da aus sei er dann nach Ungarn weitergeflogen. Der Rücktransport gestaltete sich leider auch etwas komplizierter – die Pandemie erschwert das Reisen zurzeit. Aber ein Unternehmen, das auf Zootiertransporte spezialisiert ist, habe Hilfe angeboten und sich auch um den „gesamten Papierkram“ gekümmert. Inklusive Gesundheitszeugnis konnte Riesenseeadler Grobi so wieder nach Remscheid gebracht werden – in einem zwölfstündigen Nachttransport.

 Zutraulich: Carola Schossow mit einem Falken auf ihrem Arm.
Zutraulich: Carola Schossow mit einem Falken auf ihrem Arm. Foto: Michael Schütz

Nach nur wenigen Tagen konnte die Falknerei auch wieder anfangen, mit Grobi zu trainieren, allerdings nur in der Voliére. „Im Freiland lassen wir ihn erst fliegen, wenn der neue Sender auch einwandfrei funktioniert“, erklärt Schossow. Grobi wurde durch seine Ausbüx-Aktion zum Internetstar.

Und auch so ist tierisch was los in der Falknerei Bergisch Land. Das Gänsegeierpaar hat nämlich Nachwuchs – eine kleine Sensation. Denn es ist das erste Gänsegeierküken für die Falknerei, die darauf zurecht stolz sein kann. „Die meisten Züchter sagen, dass das erste Ei nicht befruchtet wird. Aber bei uns hat es direkt funktioniert.“

 Die Gänsegeier-Mama kümmert sich um Küken Dinoso.
Die Gänsegeier-Mama kümmert sich um Küken Dinoso. Foto: Michael Schütz

Am 23. April ist der kleine Gänsegeier geschlüpft. Carola Schossow hat das Küken bisher nur über die installierte Kamera oder von der Leiter aus gesehen, noch lebt es im Nest in der Voliére. Es ist zwar das erste Küken für das Geierpaar, aber das Familienleben läuft gut. Sie fressen zusammen und kümmern sich hervorragend um den Nachwuchs. „Sie sind auch sehr beschützerisch, ich darf nicht mal in die Nähe“, sagt Schossow. Soweit sie aber beurteilen könne, gehe es dem Küken gut, und es sei bereits sehr groß geworden. Es hat auch schon einen Namen: Dinoso. „Wir wissen noch nicht genau, ob es ein Männchen ist, wir gehen aber davon aus.“

In wenigen Tagen muss sich Carola Schossow aber doch einmal ans Nest wagen und den Kleinen aus der Obhut seiner Eltern holen, denn er soll beringt werden und sein erstes Training erhalten. Dinoso muss dabei für Leckerchen hinter seinen Trainern herlaufen. Früh übt sich eben auch bei Greifvögeln.