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Fahrerflucht war nicht nachzuweisen

Unfall in Radevormwald : Fahrerflucht war nicht nachzuweisen

23-Jähriger aus Remscheid kommt vor Gericht mit Freispruch davon – aus Mangel an Beweisen. Die Zeugenaussagen der Geschädigten und deren Beifahrerin reichten nicht aus, um den Mann eindeutig als Fahrer des Wagens zu identifizieren.

Aus Mangel an Beweisen hat ein Richter am Wipperfürther Amtsgericht einen 23-jährigen Remscheider freigesprochen. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, im Mai 2020 einen Auffahrunfall an der Elberfelder Straße in Radevormwald verursacht und sich im Anschluss widerrechtlich aus dem Staub gemacht zu haben. Die Zeugenaussagen der Geschädigten und deren Beifahrerin reichten jedoch nicht aus, um den Remscheider eindeutig als Fahrer des Wagens zu identifizieren.

„Am liebsten würde ich Ihnen jetzt den Bart abrasieren lassen“, sagte der Richter zu dem Angeklagten. Der Grund für diesen ungewöhnlichen Wunsch war die Zeugenaussage der Unfallbeteiligten, die in der linken Gesichtshälfte des geflüchteten Fahrers ein auffälliges Muttermal bemerkt hatten. Durch den Vollbart war während der Verhandlung davon jedoch nichts zu erkennen. Der Auffahrunfall geschah vor einer Ampel. „Ich stand bei Rot auf der Linksabbiegerspur und hörte beim Anfahren ein Geräusch“, berichtete die 19-jährige geschädigte Autofahrerin während der Hauptverhandlung. Der Wagen hinter ihr sei daraufhin auf die Nebenspur gefahren und habe aus seinem Cabrio-BMW gerufen: „Ist nur dein Kennzeichen.“ Die Zeugin berichtete weiter: „Ich bin ausgestiegen und um den Wagen herumgegangen. Wir wollten dann die Hauptstraße freimachen und uns auf dem nahegelegenen Lidl-Parkplatz treffen.“

Doch statt zum vereinbarten Parkplatz zu fahren, machte sich der BMW-Fahrer aus dem Staub. „Ich war so geschockt, dass ich mir nicht mal das Nummernschild gemerkt habe“, sagte die Radevormwalderin weiter. Lediglich die ersten Buchstaben „RS“ seien ihr im Gedächtnis geblieben. Eine weitere Freundin hätte den auffälligen Wagen später in Radevormwald gesehen und das Nummernschild notiert. Die Polizei suchte den Fahrzeughalter auf und stellte auch die zum Unfall passenden Spuren am Fahrzeug fest.

Dennoch bestritt der Angeklagte das Tatgeschehen. „Ich war um diese Zeit mit Freunden in Lennep am Hackenberg zum Fußballspielen“, gab er an. Er selbst hätte auch gar nicht fahren dürfen, denn dem Deutsch-Türken war der Führerschein bereits zuvor wegen Trunkenheit im Verkehr abgenommen worden.

Da aber weder die Geschädigte noch ihre Beifahrerin bei der direkten Gegenüberstellung im Gerichtssaal den Angeklagten zweifellos als Fahrer des Unfallwagens wiedererkennen konnten, kam für das Gericht nur ein Freispruch in Betracht.

Immerhin: Die 19-jährige Geschädigte hat den Schaden an ihrem Wagen in Höhe von etwa 1300 Euro bereits von der Versicherung erstattet bekommen.