Radevormwald: Exklusiv - Fliesen verlegen unter Wasser

Radevormwald : Exklusiv - Fliesen verlegen unter Wasser

Was Fliesenlegermeister Dietmar Noack und seine beiden Kollegen Marcus Paul und Thomas Theunissen anbieten, ist bundesweit einmalig: Das Trio erneuert Fliesen, vornehmlich in Schwimmbädern, wenn diese noch voll Wasser sind.

Im April ging es für ein Wochenende bis ins östlichste Deutschland: In der "Lagune Cottbus", einem Bade- und Wellnessparadies, hatten sich die Fliesen auf der Schräge im großen Sportbecken gelockert. Die Gefahr, dass sich Badegäste an den scharfen Kanten verletzen, war groß. Die Betreiber sicherten sich die Dienste von drei Experten, die deutschlandweit Einmaliges leisten: Für drei Tage reisten Dietmar Noack, Thomas Theunissen und Marcus Paul 635 Kilometer bis nach Brandenburg, um die Schäden zu beheben. Im Gepäck hatte das Trio, das seine Dienste, in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben der Vornamen, unter "DiThoMa" anbietet, neben Material und Werkzeug auch drei Taucherausrüstungen. Denn die komplette Reparatur fand unter Wasser statt.

Foto: Simon

"Das war bislang unsere längste Tour", berichtet Noack im Gespräch mit unserer Redaktion. In der Regel müssten sie für zwei Tage auf Montage - aber nur am Wochenende, denn das Hauptgeschäft sei immer noch das eigentliche Fliesenlegen, versichert der Chef des Scheideweger Handwerksbetriebs. Unterwegs waren die Drei schon in ganz Deutschland, etwa in Bad Wörishofen, Erding, Fulda und Oldenburg. Der nächste Auftraggeber saß im Siegerland, aus der Region gab es für das Unterwasserfliesen bislang noch keinen Auftrag. "Für unseren kürzesten mussten wir zur Rehaklinik nach Norddeich", erzählt Noack grinsend: "Es war nur eine Fliese zu erneuern. Also sind wir samstagmorgens hin, getaucht, haben ein Fischbrötchen gegessen, einmal kurz über den Deich geschaut und waren abends wieder zu Hause", erinnert sich der 53-Jährige.

Foto: Simon

Seit 15 Jahren bietet Noack diesen besonderen Service. Zwei Auslöser gab es dafür: Zum einen taucht der Hückeswagener, ein großer Fan des berühmten Meeresfilmers Jacques Cousteau (1910-1997), seit 23 Jahren (in seinen Urlauben etwa auf den Malediven, in Ägypten oder im Mittelmeer; den Tauchschein machte er auf Jamaika). Zum anderen las er 2001 in der Zeitung davon, dass sich im neuen Gummersbacher Schwimmbad "Gumbala" Fliesen gelöst hatten. Da kam ihm die Idee, dass eine solche Reparatur doch auch unter Wasser möglich sein müsste. Zwei Jahre tüftelte der Fliesenlegermeister an dem entsprechenden Material, das sich für Chlor- und Salzwasser (Sole), kaltes und warmes Wasser gleichermaßen eignen muss. "Dafür habe ich ein Versuchsbassin im Lager aufgebaut", erzählt er. Am Ende entwickelte Noack einen patentierten Fünf-Komponenten-Kleber, mit dem die Fliesen unter Wasser befestigt werden. "Den wollte man mir schon abkaufen", sagt er lächelnd. "Aber den gibt's nur in Zusammenhang mit dem Tauchen."

Auch das Werkzeug für diese Arbeiten ist speziell: Die Unterwasserflex etwa stammt von der US Navy und ist bis 50 Metern Wassertiefe einsetzbar. Die drei Hückeswagener Fliesenleger tauchen aber nur bis maximal sechs Meter - mehr erlaubt die Berufsgenossenschaft nicht. Dazu kommen Unterwassersauger und starke Strahler. Den gröbsten Schmutz nimmt das Trio, wie bei der Arbeit über Wasser, mit (Unterwasser-)Sauger und Kehrblech auf. "Der Rest wird über das Filtersystem der Schwimmbäder abgesaugt", erläutert Noack.

Häufig platzen die Fliesen, nachdem die Becken neu gefüllt wurden. "Dann arbeitet der ganze Baukörper", sagt Noack. Für die Schwimmbad-Betreiber rechnet sich der Einsatz von "DiThoMa" dennoch. Denn diese Arbeit ist deutlich günstiger, als würde nach dem üblichen Schema vorgegangen: Wasser ablassen, Fliesen erneuern, neues Wasser einfüllen und aufwärmen - dafür müsste ein Schwimmbad eine Woche, wenn nicht sogar zwei Wochen geschlossen werden. Das jedoch würde einen großen Einnahmeverlust bedeuten.

"DiThoMa" sind immer zu dritt unterwegs: "Aus Sicherheitsgründen müssen zwei tauchen, und einer passt vom Beckenrand aus auf", sagt Noack. Dabei wechselt sich das Trio die ganze Nacht über ab.

(büba)
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