1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Erst die Blutspende, dann die Erbsensuppe in Radevormwald

Erster Termin in Radevormwald : Erst die Blutspende, dann die Erbsensuppe

194 Freiwillige spendeten ihr Blut – vier von ihnen zum ersten Mal. 40 Ehrenamtliche des DRK unterstützen das medizinische Team.

Nadine Schmidt hat den kleinen Blutspender-Ausweis schon aus der Geldbörse gezogen. Die 41-Jährige kennt das Prozedere in- und auswendig. Sie wartet in der kurzen Schlange am Eingang der Gemeinschaftsgrundschule Stadt, wirft einen Blick in die große Halle und trifft auf vertraute Gesichter. Alles läuft wie am Schnürchen. Dann ist Nadine Schmidt an der Reihe. Ein freundliches „Hallo“, die Nummer auf der Karte wird eingescannt und sie bekommt den Fragenbogen. „Ich habe den Eindruck, der wird immer länger“, sagt Nadine Schmidt. 30 Fragen stellt der DRK-Blutspendedienst West den Spendern – über ihren Gesundheitszustand, über Infektionskrankheiten. Das wird zuweilen ganz schön privat – nicht ohne Grund.

Nadine Schmidt hat beim „Öhrchenpicksen“ das erste OK für die Spende bekommen. Die Eisenwerte und die Körpertemperatur stimmen. Nun hat sich die Raderin einen Platz hinter dem Sichtschutz gesucht und setzt ihre 30 Kreuzchen auf dem Bogen. „Ich bin damals als Kind schon mit meinen Vater zur Blutspende gegangen“, erzählt sie dann, „es war völlig klar, dass ich nach dem 18. Geburtstag auch selber spende.“ Warum? „Es ist das Einfachste, was man tun kann, um wirklich zu helfen“, sagt sie. Inzwischen kommt Sohn Tom (9) mit – und auch für ihn dürfte es irgendwann zur Selbstverständlichkeit werden, sein Blut zu spenden. Nachdem die Zahl der Blutspender im vergangenen Jahr in Rade zum ersten Mal unter die 1000-Marke sank, werben die Ehrenamtlichen verstärkt um verlässliche und auch neue Spender.

Ilona Genslein (r.) und Gini Dietsch verabschieden die Spender, händigen ihnen ihre Ausweise aus und belohnen sie mit einem kleinen Geschenk. Foto: Demski/Theresa Demski

Nadine Schmidt absolviert noch das Arztgespräch im ersten Stock und holt sich dann beim medizinischen Team des Deutschen Roten Kreuzes, das hier hauptamtlich im Einsatz ist, ihr Spenderset ab: Blutbeutel, die Barcodes, die die Spende anonym halten und doch zuweisbar machen, die Blutentnahmeröhrchen. Auf ihrem Weg zur nächsten freien Liege trifft Nadine Schmidt dann auf Edeltraud Heinrich: Seit 60 Jahren gehört die DRK-Dame zum Verein und gemeinsam mit ihren Kolleginnen der „alten Garde“ kümmert sie sich um die Spender, die heute in die Grundschule kommen. „Hier werden wir noch gebraucht“, sagt Heinrich lachend, „da packen wir natürlich an.“

Ein eingespieltes Team: Elfi Helmich (l.) koordiniert den Einsatz der Ehrenamtlichen seit mehr als 20 Jahren. Dieses Jahr übernimmt Claudia Garweg (2.v.l.). Foto: Demski/Theresa Demski

Das sei immer so gewesen. Wer noch Fragen hat, bekommt sie hier beantwortet. „Und die Erstspender bemuttern wir gerne auch ein bisschen“, sagt Erika Grandjean fröhlich und führt einen Spender zur Liege. Dort hat auch Nadine Schmidt inzwischen Platz genommen. „Die Nadel ist ganz schön dick“, sagt sie, „da gucke ich lieber nicht hin.“ Allerdings spürt sie den Picks dann fast gar nicht, weil Heidi Cohrs vom DRK ihr Handwerk versteht. Nun beginnt die Arbeit der Maschinen, die verlässlich den Blutbeutel füllen. Neben Nadine Schmidt hat Kevser Kranenberg (40) Platz genommen. Warum sie Blut spendet? „Es ist mir wichtig zu helfen“, sagt sie, „und jeder von uns kann in die Situation kommen, dass er selbst auf eine Blutspende angewiesen ist.“

Inzwischen hat die Maschine bei Nadine Schmidt mit einem Piepsen signalisiert, dass die Arbeit geschafft ist. Jetzt noch zehn Minuten im Ruhebereich die Beine hochlegen, um Schwindel oder Schwäche vorzubeugen. „Und dann gibt es die Belohnung“, sagt die 41-Jährige lachend. Erbsensuppe, Brötchen, Salat, etwas Süßes. Hier trifft sie auf Elfi Helmich und ihr Team. Seit zwei Tagen sind die Ehrenamtlichen im Einsatz, kaufen ein, bereiten vor. „Es beginnt immer damit, dass wir rumrufen, wer dabei sein kann“, erzählt Elfi Helmich.

Rund 40 Anrufe stehen dann auf der Liste. „Und meistens machen alle mit“, sagt Elfi Helmich, die seit mehr als 20 Jahren den ehrenamtlichen Einsatz bei der Blutspende koordiniert. In diesem Jahr übergibt sie die Fäden nun an Claudia Garweg und Oliver Lonken. „Wir wollen, dass sich die Spender hier aufgehoben fühlen“, sagt sie, „deswegen ist uns auch die Atmosphäre wichtig.“ Und die fällt ausgesprochen familiär aus.

Die Mitarbeiter aus der Feldküche servieren Erbsensuppe, vier fleißige Damen schmieren Brote, Tom bekommt eine Tafel Schokolade und ein Schwätzchen unter Freunden wird hier nie abgeschlagen. „Das ist eine Herzensangelegenheit“, sind sich Elfi Helmich und Claudia Garweg einig, „und bei diesen Terminen arbeiten wir gruppenübergreifen Hand in Hand.“ Nadine Schmidt und Sohn Tom packen inzwischen ihre Sachen. „Ein schöner Termin mit gutem Zweck“, sagt die Raderin noch und macht sich dann auf den Heimweg. Am Eingang trifft sie auf Christine Martin. Die 42-Jährige kommt heute zum ersten Mal zur Blutspende. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass die Zahlen rückläufig sind“, erzählt sie, „deswegen mache ich jetzt mit.“ Auch sie bekommt ihren Fragebogen – und die Runde beginnt von vorn.