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Emotionaler Abschied vom Wartburghaus in Radevormwald

Lutherische Kirchengemeinde Radevormwald : Emotionaler Abschied vom Wartburghaus

Die lutherische Kirchengemeinde hat sich am Sonntag von ihrem Gemeindehaus verabschiedet – ein Abschied mit Gottesdienst, Posaunenchor und Trödelmarkt.

Für viele Gemeindeglieder der lutherischen Kirchengemeinde ist es schmerzlich, ihr Wartburghaus so leer und leblos zu sehen. Das Gemeindehaus, in dem seit Jahrzehnten Kirche gelebt wurde, soll abgerissen werden. Das Leben ist schon seit Monaten aus dem Haus gewichen. Das Gemeindebüro und das Team der evangelischen Jugend sind in das Pfarrhaus an der Krankenhausstraße gezogen, der Mittagstisch hat schon lange einen neuen Platz gefunden – und auch die Diakonie ist nicht mehr Mieter im Wartburghaus. Das riesige Haus ist dunkel.

Am Sonntagnachmittag zog zum letzten Mal Leben in und um das Haus ein, denn die lutherische Kirchengemeinde verabschiedete sich mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel von dem Gemeindehaus, das 1966 festlich eingeweiht wurde. Pfarrerin Manuela Melzer und Pfarrer Philipp Müller sprachen am Sonntag vor vielen Menschen, die sich nicht nur auf dem Vorplatz des Hauses versammelt hatten. Manche saßen sogar auf den Wiesen des angrenzenden Parc de Châteaubriant. Der Posaunenchor Remlingrade begleitete den Gottesdienst musikalisch.

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„Abschied zu nehmen ist nie leicht. Das tut auch manchmal weh, besonders, wenn die Zukunft unsicher ist, aber Leben bedeutet Veränderung“, sagte Manuela Melzer. Pfarrer Philipp Müller veranschaulichte den oft beschwerlichen Ablauf von Veränderungen in einem Spiel. Die Isrealiten flohen aus Ägypten durch die Wüste in das gelobte Land. Und der Weg war kräftezehrend. „Fürchtet euch nicht vor dem Aufbruch“, beruhigte Pfarrer Müller seine Gemeinde. Manuela Melzer verlas Worte von Gemeindegliedern über den Abschied des Gemeindehauses, an dem so viele Erinnerungen hängen. Die Stimmung schwankte zwischen Trauer über den Verlust und Freude auf einen neuen Anfang, aber eine emotionale Verbindung hat fast jeder aus der Gemeinde zu dem Wartburghaus.

„Es heißt, das Haus ist in die Jahre gekommen und ist zu groß, was soll man dazu sagen? Hoffentlich ist ein Neubau im Sinne der Gemeinde“, steht in einem Brief. Ein Trost ist, dass der Ort bewahrt wird und das neue Gemeindehaus dort entstehen soll, wo noch das Wartburghaus steht. „Das geschlossene Haus ist ein trauriger Anblick. Ich habe fast 20 Jahre in dem Haus gearbeitet, und das Wartburghaus hatte immer einen Raum für unsere Ideen frei“, richtete sich Manuela Melzer ganz persönlich an ihre Gemeinde. Auch ihr fällt der Abschied schwer. Dass der Weg, von einer Entscheidung über die Zukunft des Hauses, bis hin zu den Anfängen der Planungen, so lange dauern würde, hat sie nicht für möglich gehalten. „Es geht endlich in die Planungsphase, aber wann es konkret mit dem Abriss und der Änderung des Bebauungsplans weitergeht, steht nicht fest“, sagte sie. Bis der neue Gebäudekomplex steht, wird es noch dauern. In dieser Zeit nimmt die Gemeinde lange Wege auf sich und wird viel Gemeindearbeit in das Paul-Gerhardt-Haus in Herbeck auslagern. „Wir sparen schon jetzt, obwohl das Wartburghaus noch steht, viel Geld“, sagt Manuela Melzer. In dem neuen Gemeindehaus soll an das Wartburghaus erinnert werden, auch der Stein des Wartburghauses wird mit umziehen. An die Geschichte des Hauses erinnert ein Buch, das von Rolf Ebbinhaus und Gudrun Henseler gestaltet und von der Gemeinde herausgegeben wurde. „Wir wollen die Geschichte des Hauses sichern, um die Vergangenheit in Zukunft erklärbar zu machen“, sagt Gudrun Henseler von der Stiftung „ProStift“.

Das Fotobuch erinnert an den Pfarrer und Superintendenten Hermann Becker, der sich für die Errichtung des Hauses eingesetzt hatte. Der symbolträchtige Stein des Wartburghauses, der aus der Bauhütte der Wartburg in Eisenach stammt, wird in dem Buch ebenfalls vorgestellt und erklärt. „Das Buch kann man in der Gemeinde kaufen“, sagte Gudrun Henseler.

Mit einem Trödelmarkt, Waffeln und Grillwürstchen verabschiedete sich die Gemeinde dann von ihrem Haus. Alle sehnen den Tag herbei, an dem sie einen Jubelgottesdienst für die Eröffnung des neuen Gemeindehauses feiern können.