Radevormwald: Durch Zuhören ein Stück der Last abnehmen

Radevormwald : Durch Zuhören ein Stück der Last abnehmen

Die Telefonseelsorge bildet wieder Ehrenamtler aus. Die BM beschreibt, worum es bei der Aufgabe geht.

Tod, Trauer, schwere Krankheiten - die Themen sind meist existenziell, wenn ein Anruf bei der Telefonseelsorge Wuppertal eingeht. Die von den beiden Kirchen getragene Einrichtung ist auch für die Menschen in Radevormwald zuständig. Aktuell wird Unterstützung für eine neue ehrenamtliche Ausbildungsgruppe gesucht. Was kommt dort auf die Helfer zu? Was sollten sie mitbringen? Wir haben mit einem ehrenamtlichen Telefonseelsorger gesprochen.

Der Zeitaufwand Eine 120-stündige Ausbildung hat Andreas Fisscher (Name von der Redaktion geändert) absolviert, bevor er seinen ersten Einsatz am Telefon hatte. "Das streckt sich über ein halbes Jahr", berichtet er. Es gibt Termine am Abend in der Woche und auch am Wochenende. Die Dienste selber umfassen dann unter anderem auch sechs Nachteinsätze im Jahr.

Die Schulung Die Ehrenamtlichen werden von professionellen Therapeuten und Beratern ausgiebig geschult. Man müsse bereit sein, sich dabei etwa in Rollenspielen auch mit sich selbst auseinanderzusetzen, sagt Fischer. Denn im Gespräch können Menschen in Not auch aggressiv oder beleidigend sein. Die Telefonseelsorger lernen, diese Dinge nicht persönlich zu nehmen, das Gespräch in eine ruhigere Bahn zu lenken, ein Gespräch "zu führen".

Die Aufgabe Es gehe darum, Mitgefühl zu zeigen, dem Menschen ein Stück Last abzunehmen, ihn ernst zu nehmen, zuzuhören, dabei offen für alle Themen zu sein. Ziel sei, den Rucksack des anderen eine Zeit lang mitzutragen und leichter zu machen. "Wir sind aber keine Problemlöser", sagt Fischer.

Die Voraussetzungen Wer diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen will, sollte über Lebenserfahrung verfügen, schon ein paar Dinge erlebt haben, sagt Fischer. Das lasse sich nicht zwingend mit einem bestimmten Lebensalter verbinden. Das könnten manchmal auch Menschen zwischen 25 und 30 Jahren sein. Eine Verbundenheit zum Glauben wird erwartet. "Sie müssen aber nicht im Glauben leben", sagt Fischer. Aber man sollte ein Vater Unser mit dem Anrufer beten können, sich in religiösen Fragen auskennen,

Hilfe für die Helfer Regelmäßig wird den Ehrenamtlichen von Experten eine Supervision angeboten, damit sie über ihre Erfahrungen im Dienst sprechen können und Feedback erhalten. Fischer hat erlebt, wie wichtig diese Hilfe ist. In einem Telefonat hatte ein Anrufer seinen Selbstmord angekündigt.

Zwar bleiben die Anrufer grundsätzlich ebenso anonym wie die Telefonseelsorger, doch im Gruppengespräch stellte sich heraus, dass es Übereinstimmungen mit früheren Anrufen gab, die andere Ehrenamtler angenommen hatten. Daraus konnte Andreas Fischer schließen, "dass die Suizidgefahr nicht so akut" war.

Wer Interesse an der Aufgabe hat, kann sich unter Tel. 0202 974400 über die Ausbildung erkundigen. Ansprechpartner ist Pfarrer Jochen Hall. Nähere Informationen gibt es auch per E-Mail: info@telefonseelsorge-wuppertal.de

(RP)
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