Radevormwald: Düngen im Einklang mit der Natur

Radevormwald: Düngen im Einklang mit der Natur

Der Wupperverband begleitet und berät zusammen mit der Landwirtschaftskammer die Landwirte im Bergischen Land bei einer gewässerschonenden Düngeplanung. Die Zusammenarbeit hat sich gut entwickelt und bestens bewährt.

Das Frühjahr kommt, die Temperaturen steigen, die Vegetation sprießt. Die Landwirte im Bergischen düngen jetzt ihre Felder. Damit dies im Einklang mit dem Gewässerschutz erfolgt, stimmen sich Wupperverband, Landwirtschaftskammer und Landwirte ab. Seit 25 Jahren gibt es in den Einzugsgebieten der Trinkwassertalsperren die Kooperation von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft.

Der Wupperverband unterstützt an seinen Trinkwassertalsperren die Landwirte bei der Umsetzung von Maßnahmen und stellt ihnen einen landwirtschaftlichen Berater der Landwirtschaftskammer zur Seite. Er ist Ansprechpartner für Gewässerschutzfragen und hilft den Landwirten mit Rat und Tat in der Praxis. Zum Beispiel gibt es eine Sperrfrist für die Düngung vom 1. November bis 1. Februar auf Grünland. "Früher durften die Landwirte bis Mitte November düngen, diese Regelung ist seit Juni 2017 verschärft worden", sagt Alexandra Preuß-Ochel, die sich beim Wupperverband um den vorsorglichen Gewässerschutz kümmert.

Ab Anfang Februar darf aber nur dann gedüngt werden, wenn die Witterung es zulässt, wenn also zum Beispiel der Boden nicht gefroren ist und den Dünger deshalb gar nicht aufnehmen kann. Erst wenn gewährleistet ist, dass der Dünger nicht in Gewässer abdriftet, sondern wirklich den Pflanzen zu Gute kommt, können die Landwirte starten. Ein weiterer Baustein, damit der Dünger nicht in Flüsse oder Bäche gespült wird, ist die bodennahe Ausbringung.

Nebeneffekt ist die Reduzierung von unliebsamen Gerüchen. Mittel der Wahl sind hier sogenannte Schleppschuhverteiler. Landwirte, die diese einsetzen, erhalten eine Förderung. Die Förderung zur bodennahen Gülleausbringung im Frühjahr ist unter anderem an das sogenannte Temperatur-Summenmodell gekoppelt.

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Alexandra Preuß-Ochel erklärt, dass "ab Jahresbeginn alle positiven Tagesmitteltemperaturen erfasst werden. Wird im Frühjahr eine Temperatursumme von 200 Grad überschritten, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht. Das kann regional sehr unterschiedlich sein." Das Modell beruht auf dem phänologischen Kalender, also einem Kalender, der die Entwicklungserscheinungen in der Natur dokumentiert. Dieser stützt sich auf jahrhundertelange Naturbeobachtung; die Erfahrung hat gezeigt, wann welche Pflanze auf die Temperatur reagiert. Nur dann, wenn die Pflanzen den Dünger auch aufnehmen können, wird er aufgebracht - und der Landwirt erhält die Förderung für die bodennahe Ausbringung.

Mit dem Berater wird außerdem eine bedarfsgerechte Düngeplanung erarbeitet, die die gezielte Verteilung des Wirtschaftsdüngers "Gülle" flächenbezogen auf das ganze Jahr vorsieht. Benjamin Jacob, der Kooperationsberater der Landwirtschaftskammer, erläutert: "Mit dem Landwirt wird anhand von Bodenproben und Viehbestand konkret besprochen, wo, was und wie viel gedüngt werden soll. Das senkt Produktionskosten und verhindert eine überhöhte Nährstoffversorgung auf den Flächen."

Die Landwirte müssen seit Sommer 2017 auch einen größeren Abstand zum Gewässer halten, waren es zuvor drei Meter, darf nun erst in vier Metern Entfernung von Flüssen und Bächen gedüngt werden.

"In den Einzugsgebieten unserer Trinkwassertalsperren hat sich die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft sehr gut entwickelt. Gemeinsam können wir gute Erfolge im Gewässerschutz erzielen", ziehen Alexandra Preuß-Ochel und Benjamin Jacob ein positives Fazit.

(RP)