Radevormwald: Diese Pfarrerin hat eine mobile Kirche

Radevormwald: Diese Pfarrerin hat eine mobile Kirche

Tabina Bremicker heißt die neue Seelsorgerin der evangelischen Kirchengemeinde. Die Pfarrerin arbeitet zehn Stunden in der Woche im Sana Krankenhaus und ist an drei Tagen in der Woche die Nachfolgerin von Antje Blesenkemper.

Zeit für ehrliche und emotionale Gespräche bieten, einfühlsam auf Patienten und die Mitarbeiter des Krankenhauses eingehen und durch Krisen begleiten - das sind die Aufgaben, denen sich Tabina Bremicker an drei Tagen der Woche stellt. Die Pfarrerin ist die Nachfolgerin für Antje Blesenkemper und seit vergangenem Winter die neue evangelische Seelsorgerin des Sana-Krankenhauses. Während ihrer Elternzeit nimmt sich die 36-Jährige zehn Stunden in der Woche Zeit, um als Seelsorgerin im Rader Krankenhaus tätig zu sein.

"Viele Patienten durchleben im Krankenhaus, besonders, wenn der Krankheitsverlauf schwer ist, eine handfeste Krise. Ich biete in diesen Momenten meine Unterstützung an. "Ich höre zu, biete Trost an und halte mit aus", sagt sie. Worüber die Patienten mit ihr reden, ist immer unterschiedlich. Oft geht es um Ängste und Sorgen, manchmal aber auch um alltägliche Probleme oder das Wetter. "Ich dränge mich niemandem auf, sondern reagiere auf das, was mir entgegengebracht wird", sagt die Pfarrerin.

Ihre Zeit wird aber nicht nur von Patienten und ihren Angehörigen genutzt, sondern auch von den Mitarbeitern des Krankenhauses. Auf der einen Seite brauchen auch die Ärzte und Pflegekräfte Seelsorge, auf der anderen Seite fängt Tabina Bremicker das auf, was die Pflegekräfte in ihrem straffen Zeitplan nicht leisten können. "Ich spüre hier eine sehr große Bereitschaft, den Patienten zu helfen. Trotzdem fehlt oft die Zeit. Ich biete Zeit an und bin für die Patienten da."

Was in einem Krankenzimmer passiert, weiß Tabina Bremicker erst nachher. "Wenn ich die Tür öffne, steht nichts fest. Es ist für mich und den Gesprächspartner eine Überraschung." Mit der vielen Trauer umzugehen, die ihr jeden Tag begegnet, das schafft Tabina Bremicker durch ihren eigenen Glauben. Ohne die Unterstützung von Gott könnte sie ihren Alltag nicht schaffen.

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Neben den Einzelgesprächen lädt die Pfarrerin die Patienten des Krankenhauses auch regelmäßig zu einer Andacht ein, die meistens mit der rollenden Kirche auf einem der Flure abgehalten wird. Die rollende Kirche aus Holz bezeichnet sie als das "Gesicht der Seelsorge", denn eine Kapelle oder einen Andachtsraum gibt es im Radevormwalder Sana-Krankenhaus an der Kottenstraße nicht. "Erst fand ich das schade, aber ich habe schnell die Stärken der mobilen Kirche entdeckt", sagt sie. Die Musik und die Worte der Andacht strömen regelmäßig in die Zimmer des Krankenhauses. Viele Patienten kommen mit auf den Flur und versammeln sich um die kleine Kirche, andere bleiben in ihren Betten liegen und lauschen dem Geschehen auf dem Flur.

"Durch die mobile Kirche wird Gott in jede Ecke des Krankenhauses gebracht. Das finde ich toll." Tabina Bremicker ist fest in die Strukturen des Krankenhauses integriert und sitzt deswegen auch im Ethikkomitee des Hauses. Dort hilft sie, ethische Fragestellungen zu lösen, ethische Standards für die Pflege zu formulieren und die Zukunft des Krankenhauses konkret zu gestalten.

"Ich freue mich, dass es bald ein Abschiedsraum gibt", sagt sie. Der soll noch in diesem Jahr im Sana-Krankenhaus eingerichtet werden, damit sich Angehörige in Ruhe von Verstorbenen verabschieden können. "Hier ist jeder Mensch wichtig und nimmt Raum ein", sagt die Seelsorgerin und freut sich auf ihre wichtigen Aufgaben.

(trei)