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Die Stadt Radevormwald zwischen Monarchie und Diktatur

Bergischer Geschichtsverein Radevormwald veröffentlicht neue Publikation : Stadt zwischen Monarchie und Diktatur

Im zweiten Corona-Jahr mit vielen Einschränkungen war der Bergische Geschichtsverein nicht untätig: Entstanden ist eine neue Publikation.

Eines fällt sofort auf: Die neue Publikation des Bergischen Geschichtsvereins in Radevormwald kommt fast gänzlich ohne Bilder aus. „Irgendwie passte kein Foto“, meint Bernhard Priggel, der die 96 Seiten von Wolfgang Motte gegenlas. Der Pastor im Ruhestand hat in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Schriften über die Geschichte der Stadt publiziert. Den 89-Jährigen treibt immer wieder das Interesse an seinem Wohnort an.

Dieses Mal hat er sich mit den Jahren zwischen 1918 und 1932 beschäftigt und nennt seine Veröffentlichung „Radevormwald zwischen Monarchie und Diktatur“. Das Titelbild zeigt eine Kundgebung vor der Treppe des alten Rathauses am Markt. „Um welche Kundgebung es sich handelt, wissen wir nicht“, sagt Priggel. In dieser Zeit war richtig was los im kleinen Städtchen mit etwa 12.000 Einwohnern. Die Monarchie war vorbei, die neue Republik musste sich noch finden. „Und es gab mehr Skeptiker und Vorbehalte gegenüber der Demokratie“, sagt Hans Golombek, Vorsitzender des Geschichtsvereins. Kein Wunder, dass die ganze Entwicklung bei Hitler endete, „denn es gab viel zu wenige in der damaligen Zeit, die die Demokratie stützten“, sagt Priggel.

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Es gab viele politische Gruppierungen, darunter die Nazis, die aber noch sehr klein waren, dafür aber viele rechte und linke Gruppen, die sich heftig bekämpften. Davon berichtet Motte ebenso wie über eine extrem schwache SPD und eine sehr starke KPD. Auffallend war die konstante Stabilität der katholischen Partei „Zentrumspartei“ mit durchweg 14 Prozent bei Wahlen. Motte beleuchtet in seiner Publikation für den Geschichtsverein, der das neue Buch an seine 82 Mitglieder kostenlos verteilt – in der Bergischen Buchhandlung kostet es 13 Euro – auch die Situation der Sportvereine und politischen Vereinigungen. Im Mittelpunkt stehen die Verhandlungen in der Stadtverordnetenversammlung von 1918 bis 1933. Die Not der Menschen spielte eine große Rolle. „Hochinteressant, was sich da alles auf politischer Ebene abspielte“, findet Golombek. Dabei seien die Auseinandersetzungen der Politiker auch mal richtig heftig ausgefallen, erfuhr Priggel beim Lesen. Diesen Schlagabtausch habe es zuvor in der Kaiserzeit nicht gegeben. Hauptproblem: Vieles sei damals nicht zu finanzieren gewesen, vor allem um Kohlen und Kartoffeln mussten sich die Menschen streiten, schließlich bekamen sie nur gewisse Kontingente zugeteilt. „Briketts mussten oft über einen Schleichweg von Wermelskirchen nach Radevormwald transportiert werden“, berichtet Golombek.

Motte stieß über die Protokolle der Stadtverordneten im Stadtarchiv, im Kirchenarchiv und in den Zeitungsarchiven der Stadt auf dieses spannende Kapitel Radevormwalder Geschichte. Vor allem in den zurückliegenden zwölf Monate beschäftigte er sich intensiv mit der neuen Publikation, aber das Thema beschäftigte den 89-Jährigen immer mal wieder in den vergangenen Jahren. „Die Nazi-Zeit ist für mich immer ein Thema“, sagt er.

Der Geschichtsverein bringt mit dem neuen Band die 36. Publikation in einer Auflage von 250 auf den Markt. Viele davon hat Motte verfasst. Und der 89-Jährige arbeitet schon an weiteren Themen. Interessierte erhalten die Publikation in der Bergischen Buchhandlung oder können sie per E-Mail bestellen: mail@bgv-radevormwald.de
www.bgv-radevormwald.de

Programm Der Geschichtsverein setzt seine Reihe mit Vorträgen Ende März 2022 fort – Thema: Radevormwald und die Deutsche Hanse.