Der Radevormwalder Horst Enneper zieht sich aus der Politik zurück

Ratsherr in Radevormwald : Horst Enneper zieht sich aus der Politik zurück

Der 79-Jährige blickt in diesen Tagen auf eine 50-jährige Arbeit als Ratsmitglied zurück. Ende des Jahres will er sein Mandat abgeben.

Wenn ein Mensch sich über einen so langen Zeitraum hinweg politisch engagiert hat, dann fließen Journalisten gerne Begriffe wie „Urgestein“, „Nestor“ und „Veteran“ in die Feder. Bei Horst Enneper kann man das Wort „Rekordhalter“ noch hinzufügen. Niemand hat so lange im Rat der Stadt Radevormwald politisch mitgewirkt – ein halbes Jahrhundert lang. Und das Ratsmandat war nur eine der vielen öffentlichen Aufgaben, die der Christdemokrat im Laufe eines langen Lebens übernommen hat.

Nun, im Alter von 79 Jahren, nimmt Horst Enneper Abschied von der aktiven Politik. Zum Ende des Jahres gibt er sein Ratsmandat auf. Unter sieben Bürgermeistern hat er im Rat gesessen: Karl Schroer, Hans Römmler, Heino Janßen, Friedel Müller, Erni Huckenbeck, Josef Korsten und Johannes Mans.

CDU-Politiker Horst Enneper in jungen Jahren. Foto: Horst Enneper privat/Horst Enneper Privat

Zum ersten Mal in den Rat gewählt wurde er bei der Kommunalwahl am 9. November 1969. „Damals gehörte Radevormwald noch zum Rhein-Wupper-Kreis“, erinnert sich Horst Enneper. Die Kreisstadt war damals Opladen, heute ein Teil von Leverkusen. Dass dieser Kreis aufgelöst wurde, bedauert Enneper noch heute. „Das war ein wohlhabender Kreis mit vielen starken Unternehmen.“

1975 wurde der Oberbergische Kreis in seiner jetzigen Form gegründet. Und Radevormwald – das um ein Haar zu Remscheid geschlagen worden wäre – wurde zur nördlichsten Kommune des Gebietes. Die Rader fühlten sich anfangs deplatziert in diesem Konstrukt, ähnlich wie die Hückeswagener. Horst Enneper erinnert sich, dass die Kommunen im Norden sich erst einmal Respekt verschaffen mussten, und der junge Ratsherr aus Rade nahm kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, die Interessen seiner Heimatstadt zu wahren. In Gummersbach galt er als einer der „Quälgeister aus dem Norden“. Inzwischen, räumt er ein, habe sich die Position Radevormwalds im Kreis deutlich gebessert – freilich fremdeln immer noch viele Bergstädter mit den Entscheidungsträgern an der Agger.

Auch damals regierte eine Große Koalition: Horst Enneper (3.v.l.) bei einer Begegnung mit Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (links). . Foto: Horst Enneper privat/Horst Enneper Privat

Geprägt habe ihn das Erlebnis der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, berichtet Enneper. Damals war er fünf Jahre alt. Er wuchs in der Ortschaft Rochollsberg auf, der Vater war Landwirt und Milchhändler. Er kehrte nicht aus dem Krieg zurück. „Ich erinnere mich noch an das Vorrücken der Amerikaner“, erzählt Horst Enneper. „Wir hatten Angst, dass man unsere Häuser niederbrennen würde.“ Das passierte zwar nicht, aber als der Junge mit seiner Mutter nach Rade kam und die Zerstörungen sah, brannte sich die Erinnerung tief ein.

Der junge Horst machte eine Lehre als kaufmännischer Angestellter und arbeitete einige Zeit bei der Barmag in Remscheid. Mitglied der CDU wurde er im Jahr 1957. „Ich war von Konrad Adenauer fasziniert“, sagt er. Im Jahr 1969, als er in den Rat einzog, wurde er Sozialsekretär der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) der CDU im Bergischen Land. Hier wirkte er mehr als 40 Jahre lang.

50 Jahre politische Arbeit – dieser Zeitraum lässt sich in Rahmen eines Artikels kaum angemessen darstellen. Wie viele Stunden er im Rat verbracht hat? Das habe er nie ausgerechnet. Einige Punkte hebt der Jubilar hervor: In den 1960er Jahren engagierte er sich für den Aufbau der Volkshochschule in Rade. Und er war Vorsitzender des Planungsausschusses. „Es war uns wichtig, dass die Stadt Gewerbegebiete bekam, damit die Menschen hier in Lohn und Brot kamen und nicht nach Köln fahren mussten“, berichtet er. Auch als Fraktionsvorsitzender der CDU wirkte er mehrere Jahre lang.

Wie hat sich die Politik im Laufe der Zeit verändert? „Früher ging man ziviler miteinander um“, meint der Christdemokrat. Kritisch beurteilt er die Zersplitterung der politischen Kräfte im Rat: „Als ich damals in den Rat kam, waren dort CDU, SPD und FDP vertreten.“ Dass heute viele kleine Fraktionen auf den Ratsbänken sitzen, habe eine Menge überflüssigen Streit zur Folge. Auch was die Bundespolitik angeht, fühle er sich heute manchmal an „Weimarer Verhältnisse“ erinnert.

Wie man sieht: Auch wenn Horst Enneper sich nun aus dem Rat und den Ausschüssen zurückzieht, wird er ein politisch interessierter Mensch bleiben. „Ich lese gerne Bücher zu politischen Themen und sehe mir die entsprechenden Talkshows an“, sagt er. „Am liebsten schaue ich die Sendung mit Markus Lanz, der hat interessante Gäste, die er auch fordert.“ Aus gesundheitlichen Gründen muss er bei seinem Hobby, der Gartenarbeit, kürzer treten.

Dennoch ist Enneper, der seit 1984 mit Ehefrau Uschi verheiratet ist, überzeugt, dass er sich auch im politischen Ruhestand nicht langweilen wird. „Ich habe einen großen Freundeskreis“, versichert er.