Radevormwald: Der Meeresfilmer und sein Heimatfluss

Radevormwald: Der Meeresfilmer und sein Heimatfluss

Sigurd Tesche ist bekannt für seine Unterwasserdokus. Der preisgekrönte Filmemacher erforscht auch die Wupper mit der Kamera.

Der Mann, der sich so oft in die Tiefe gewagt hat, lebt hoch oben. Im "Höhendorf" Witzhelden, über dem Tal der Wupper, hat sich Sigurd Tesche () Anfang der 1970er Jahre niedergelassen. Der Fluss im Tal beschäftigt ihn seit seiner Jugend. Er ist an seinen Ufern aufgewachsen, in Solingen-Scharberg, und seine Herkunft ist typisch bergisch. "Mein Vater war ein mittelständischer Unternehmer für Stahlwaren", erzählt der 77-Jährige. Die Nähe zur Natur sei ihm früh vermittelt worden. Auch in der Schule: "Wir hatten einen tollen Biologielehrer im Gymnasium Schwertstraße. Damals war der Bio-Unterricht ja noch ziemlich verstaubt, da gab's die Wandtafeln und so weiter. Aber dieser Lehrer war schon damals mit seiner Leica in den bergischen Wäldern unterwegs und machte Fotos."

Das beeindruckte den jungen Sigurd und gab ihm den Anstoß zu seiner Karriere. Heute ist er einer der renommiertesten deutschen Dokumentarfilmer, auch international hat er zahlreiche Preise für seine Arbeit gewonnen. Besonders gerühmt wird er für seine Naturfilme. Darunter sind jene, die den Zuschauer in die Tiefen von Meeren, Flüssen und Seen führen, am bekanntesten.

Foto: Tesche Dokumentarfilm

Im Bergischen hat er seine ersten Taucherfahrungen gemacht. "Wir sind damals zu den Talsperren gefahren, haben dort getaucht und fotografiert", erinnert er sich. "Zum Beispiel in der Bever-Talsperre bei Hückeswagen." Dieses Gewässer verschaffte ihm auch den Einstieg ins professionelle Filmemachen. "Da war ein Unfall passiert, ein Autofahrer landete in der Beversperre", erzählt Tesche. Und der WDR zeigte Interesse für die Unterwasseraufnahmen des Wracks.

Die ganze Laufbahn von Sigurd Tesche aufzurollen, würde den Rahmen sprengen. "Abenteuer unter Wasser", "Geheimnisvolle Muränen", "Unternehmen Oktopus", "Auf der Fährte der Thunfische", "Ritt durchs Riff" - Filmtitel wie diese vermitteln einen Eindruck. Für "Die Kraken von Stromboli" erhielt er die Auszeichnung "Bester Meeresfilm des Jahres 2009" des Green-ScreenFestivals. Er ist auch Produzent der aktuellen Serie "Blue Planet."

Foto: Tesche Dokumentarfilm

Und wie ist es mit den Haifischen? Nach seinen Erlebnissen mit "des Meeres Hyäne", wie Schiller den Hai nannte, wird Tesche immer wieder gefragt. Nun, mit Horror-Stories kann er nicht dienen. "Ich muss sagen, beim Filmen von Haien habe ich wenig Probleme gehabt", sagt er. Wichtig sei, dass Sicherheitsleute - "safety guards" - ein wachsames Auge auf die Tiere haben, während der Filmemacher dreht. "In den USA sind das oft Stuntmen aus Hollywood", erzählt er. Einmal jedoch sei es wirklich ungemütlich geworden. "Bei einem Dreh tauchten Makos auf, die sind sehr schnell und gelten als noch gefährlicher als der Weiße Hai. Da haben wir gemacht, dass wir in die Schutzkäfige kamen."

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In Tesches Büro hängen Fotografien, die an Weggefährten und Begegnungen mit bekannten Forschern erinnern. Hans Hass ist hier zwar nicht zu sehen, doch den österreichischen Tauchpionier hat Tesche kennengelernt. "Er hatte viel Charme, konnte aber auch mal patzig werden." Eine Begegnung mit Jacques Piccard, dem Mann, der mit dem Tauchboot "Trieste" als erster Mensch zur tiefsten Stelle der Weltmeere, den Marianengraben, tauchte, ist ebenfalls an der Wand verewigt.

Foto: Tesche Dokumentarfilm

Auch mit Heinz Sielmann, einer TV-Legende für viele Generationen, hat Tesche zusammengearbeitet. "Sielmann war ein Team-Spieler. Der war sich nicht zu fein, mit den anderen die Ausrüstung zu schleppen", erinnert er sich. Sehr beeindruckt hat ihm die Begegnung mit Robert Ballard, dem Mann, der das Wrack der "Titanic" aufspürte. "Ballard stand damals das Tauchboot ,Alvin' zur Verfügung", berichtet Tesche.

Foto: Tesche Dokumentarfilm

Es ist in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen, denn auf einer Tauchfahrt mit "Alvin" wurde ein völlig unbekanntes Ökosystem entdeckt, die "Smoker" in der Tiefsee. Deren Erschließung hält seither die Forscher auf Trab. Noch heute ist Tesche stolz, dass er, obwohl andere Sender die Erstausstrahlungsrechte hatten, daran beteiligt war, die sensationellen Aufnahmen von der versunkenen Titanic dem deutschen Publikum unmittelbar nach den Franzosen nahezubringen.

Sigurd Tesche (l.) mit Jacques Piccard Foto: privat/Repro: Matzerath

An den Küsten vieler Kontinente hat Tesche gearbeitet, doch mit der Heimatregion bleibt er verbunden. "Ich bin ein echter Bergischer", sagt er. Und so hat er bereits vor Jahren den Film "Die Wupper - Amazonas im Bergischen Land" gedreht. Seine Tochter Natali Tesche-Ricciardi führt durch diesen Film, sie ist in die Fußstapfen des Vaters getreten. "Der Wupper-Film ist ein Dauerbrenner geworden", sagt der 77-Jährige. Es komme immer mal wieder vor, dass Besucher an seiner Tür klingeln und bitten, dass er die DVD oder das dazugehörende Buch signiert. Die Fans dürfen nun auf eine Fortsetzung hoffen: Sigurd Tesche bereitet zurzeit die Doku "Wilde Wupper" vor. Die Ausstrahlung im Fernsehen ist für den 25. Mai geplant.

Foto: Tesche Dokumentarfilm
(s-g)
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