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Der Borkenkäfer zerstört Fichten im Bergischen

Fichten im Visier : Borkenkäfer greifen trockene Wälder an

Der trockene Sommer hat die Bäume in den Wäldern geschwächt, besonders Fichten sind ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Auch in den Radevormwalder Wäldern wird nun eine Bestandsaufnahme gemacht.

Die Rinde der Fichten ist trocken und von unzähligen Löchern durchzogen. Blättert man ein Stück ab, kommen darunter die Gänge der Borkenkäfer und seiner Larven zum Vorschein. Überall im Bergischen stehen Fichten, denen der Befall anzusehen ist. Ihre Blätter sind braun, die Rinde spröde. In manchen Revieren deuten neonfarbene Markierungen bevorstehenden Notfällungen an. Rund 70.000 Festmeter Wald sind nach Einschätzungen von Experten im Bergischen Land bereits betroffen.

 „Wir arbeiten mit aller Kraft daran, den Ausflug der Käfer zu verringern“, sagte Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. „Wir konzentrieren uns auf die frisch befallenen Bäume. Aus Bäumen, die bereits komplett rote Nadeln haben und deren Rinde abfällt, ist der Käfer bereits ausgeflogen.“ Die befallenen Bäume würden gefällt, entrindet – damit werden die Käferlarven zerstört – und aus dem Wald gebracht. So werde verhindert, dass die Käfer und seine Nachkommen neue Bäume befallen können. Als Ultima Ratio könne man die lagernden Stämme mit Insektiziden behandeln. Das freilich kollidiert bei zertifizierten Wäldern mit Umwelt- und Wasserschutzvorgaben.

  • Zahlreiche Löcher im Stamm einer Fichte
    Fichten im Visier : Borkenkäfer greifen trockene Wälder an
  • Zahlreiche Löcher im Stamm einer Fichte
    Fichten im Visier : Borkenkäfer greifen trockene Wälder an
  • Ein Borkenkäfer kriecht über eine Fichte.
    Nach Trockenheit : Borkenkäfer bedrohen Fichtenbestand im Kreis Kleve

Auch Bernhard Priggel, Revierförster in Radevormwald, entdeckt bei seinen Streifzügen immer wieder Bäume, die von den Käfern befallen sind. Die Lage sei außergewöhnlich. „Seit rund 50 Jahren hat es nicht mehr so viele Käfer gegeben“, sagt der Förster. Derzeit ist Priggel dabei, eine Bestandsaufnahme der Schäden zu machen. Doch auch er sieht wenig Aussichten, das Holz losschlagen zu können: „Der Preis ist im freien Fall.“

Dass überhaupt so viele Fichten befallen werden konnten, ist für Heinz Kowalski ein Problem, das vorherzusehen war. Kowalski ist der Waldpolitische Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) auf Landes- und Bundesebene. „Das war seit Langem zu erwarten, die Fichte ist kein klimastabiler Baum“, sagt Kowalski. Bäume an Waldrändern seien besonders gefährdet, da sie naturgemäß einer größeren Sonnenstrahlung ausgesetzt sind und daher stärker unter der Trockenheit der vergangenen Monate litten. „Die Waldränder öffnen sich, der Wald ist weniger gut gewappnet gegen Stürme“, warnt Kowalski.

Der Grundstein für die jetzige Problematik sei aber schon nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt worden. Damals sei Feuerholz rar gewesen und Fichten ein günstiger Ersatz für geschlagene Bäume. Durch die Trockenheit im Sommer geschwächt, könnten sich die Fichten aber nicht mehr zur Wehr setzen gegen den Schädling. „Normalerweise würde die Fichte bestimmte Harze bilden, um den Käfer zu vertreiben“, erklärt Kowalski. Der Borkenkäfer bohre sich durch die Rinde und lege seine Eier ab. Die Larven fressen sich ihrerseits durch die äußere Schicht des Baums, in dem die Wasserversorgung von den Wurzeln zur Baumkrone verläuft. Werden diese Kanäle durchtrennt, verdurstet der Baum. „Eichen und Buchen sind im Bergischen seit Jahrmillionen zu Hause, sie sind kaum befallen“, sagt Kowalski. Auch die Birken, die jetzt schwächeln, würden sich im Frühjahr voraussichtlich wieder erholen.

Heinz Kowalski empfiehlt deshalb: „Aus Naturschutzsicht kann ich nur sagen: Pflanzt klimastabile Bäume. Auch ein Mischwald kann funktionieren.“