Das sind klassische bergische Rezepte aus Radevormwald

Heimat-Serie : So schmeckt Radevormwald

Das Bergische Land ist für seine Kaffeetafeln bekannt. Aus der Bergstadt kommen aber auch andere Köstlichkeiten.

Marlies Wozniak und Ursula Herminghaus wissen, wie eine typische Bergische Kaffeetafel aussehen muss. Für das Heimatmuseum decken sie ehrenamtlich die Tafel schon seit über 20 Jahren und backen laut einiger Gäste die besten Waffeln der Stadt.

Aber wie schmecken richtig gute Waffeln? „Für den Waffelteig verwenden wir ein Pfund Mehl, 400 Gramm Butter, fünf Eier, etwas Backpulver, Vanillezucker, eine Prise Salz und ein halbes Pfund richtigen Zucker. Wichtig ist, dass man gute Butter nimmt und keine Margarine“, sagt Ursula Herminghaus. Die Butter als Geschmacksträger macht die Waffeln saftig. Damit sie fluffig werden, wendet das Team des Heimatmuseums einen Trick an. „Ein Schuss Mineralwasser ist das Geheimnis“, sagt die Radevormwalderin.

In der Stadt auf der Höhe werden die Waffeln mit heißen Kirschen und steifem Milchreis serviert. „Für einen guten Milchreis braucht man Zeit und muss auch hier auf Vollmilch achten. Die Sauerkirschen dicke ich mit Vanillezucker an“, sagt Marlies Wozniak. Zu einer Bergischen Kaffeetafel gehören neben den süßen Köstlichkeiten aber auch herzhafte Komponenten, wie Schwarzbrot, Blutwurst und Käse. Bekannt ist auch die Kombination aus Quark und Marmelade als Brotaufstrich. Das Geschirr ist stilecht ein blaues Zwiebelmuster auf weißer Keramik.

„Dat rüötsche Koukbauk“, das der Heimat- und Verkehrsverein verlegt hat, überliefert nicht nur das gut gehütete Waffelrezept, sondern viele weitere Rezepte für Gerichte, die immer schmecken. Alt bekannt ist zum Beispiel die Biersuppe, die in erster Linie aus hellem Bier, Rosinen und Milch besteht.

Viele Rezepte, die auf Radevormwalder Haushalte zurückgehen, sind Ergänzungen zu Kartoffeln, denn die gab es in der bergischen Region schon immer viel und in guter Qualität. Zu frischen Pellkartoffeln schmeckt klassischer Heringsstipp besonders gut. „Mit ein bisschen Apfel, roten Zwiebeln, Dill und Meerrettich schmeckt der Stipp am besten“, weiß Ursula Herminghaus. Sie kocht alle Rezepte, die das Kochbuch vorstellt, mit Leidenschaft und findet es schön, die kulinarischen Traditionen an ihre jungen Familienmitglieder weiterzugeben.

Ein Ausdruck, den man besonders in den älteren Generationen immer wieder hört, ist das Wort „Pillekuchen“. Dahinter verbergen sich grob geraspelte Kartoffeln, die mit Eiern, Salz, Pfeffer, Zwiebeln, Milch und Mehl verquirlt und anschließend in Fett gebraten werden. „Zu Pillekuchen isst man am besten Butter, Schwarzbrot, Rübenkraut und grünen Salat“, sagen die Mitarbeiterinnen des Heimatmuseums.

Die alten Rezepte aus Radevormwald entfalten alle einen wohligen Duft nach Heimat in der eigenen Küche, machen Lust auf saisonale Zutaten und schmecken ursprünglich gut.

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