Das sagen Radvormwalder zum Führerschein-Tausch

Das sagen Radvormwalder zum Führerschein-Tausch : Die Zeit der alten „Lappen“ läuft ab

Die Radevormwalder sind nicht begeistert, dass alte Führerscheine bis 2033 durch eine EU-Karte ersetzt werden.

Der „Lappen“ bedeutet mehr Freiheit. Viele konnten es gar nicht abwarten, endlich den Führerschein zu machen und das graue, später rosafarbene Dokument in den Händen zu halten. Doch bis spätestens 19. Januar 2033 dürften alle alten „Lappen“ aus den Geldbörsen verschwunden sein. Denn bis dahin müssen rund 43 Millionen Autofahrer aufgrund einer EU-Richtlinie ihren alten Führerschein gegen einen ganz neuen im Scheckkartenformat umgetauscht haben.

Die neue Karte dient der Vereinheitlichung, hat EU weit die gleichen Standards. Sie soll fälschungssicherer sein. Zudem ist sie nach 15 Jahren abgelaufen. Deshalb verlieren auch alle bis Anfang 2013 ausgestellten Karten bis zum Ablauf der Frist ihre Gültigkeit. Eine Tatsache, die viele Radervormwalder überrascht.

„Och nee“, lautet die spontane Reaktion von Sebastian Lange. Der 33-Jährige legte 2005 die Prüfung in Rade ab, weil er als Lehrling zum Bäcker- und Konditor bei einer Landbäckerei auf das Auto angewiesen war. Wenn es für ihn soweit ist, will er aber zügig die Karte tauschen. Noch hat er Zeit. Der Bundesrat beschloss eine gestaffelte Umtauschfrist nach Geburtsjahr und Ausstellungsdatum.

Bernd Rosenberg (74) gab seinen alten Lappen, den er vor 53 Jahren erhalten hatte, bereits freiwillig vor zehn Jahren für die Plastikkarte ab. Dass er aber nun wieder wechseln soll, dafür habe er kein Verständnis. „Ich werde den jetzt solange wie möglich nutzen“, betont er.

Margje-Johann Hackenberg ist ebenfalls nicht begeistert, obwohl sie sich den Stichtag bereits notiert hat. Die gebürtige Niederländerin legte 1986 ihre Fahrprüfung in Wermelskirchen ab. „Mein Mann sagte damals, es sei jetzt Zeit, ihn zu machen“, erinnert sie sich. Bereut habe sie das nie. Das rosa Papier hat sie eigentlich immer dabei. Dass sie für die neue Karte auch noch 25 Euro zahlen muss, findet sie unverschämt.

Wehmut aufgrund des nahenden Abschiedes scheint bei den Radern aber nicht zu herrschen. „Der ist doch hässlich“, bemerkt Loreliese Weitzel, die Mitte der 1970er das Autofahren lernte. Zwar fährt die 82-Jährige seit gut drei Jahren kein Auto mehr. Das graue Stück Papier mit dem schwarz-weißen Bild hat sie aber immer noch im Geldbeutel.

„Ich bekomme ohnehin alle fünf Jahre einen neuen, weil ich Busfahrer bin“, sagt Uwe Rummenhöller (45). Gerade sei es bei ihm wieder soweit. Beim TÜV in Lennep legte er 1991 seine Prüfung ab. „Ich finde die Vereinheitlichung schon in Ordnung. Das ist doch bei vielem so“, fügt er noch hinzu.

Wolfgang Schneidewind machte die Prüfung mit 21 Jahren in Duisburg. „Ich hatte damals nur vier Fahrstunden“, erzählt der 81-Jährige. Der graue Lappen verschwand bei ihm schon 2001, als er als Bürgerbusfahrer anfing und den Neuen brauchte. Schlimm fand er das nicht. Das neue Format nehme weniger Platz weg. „Die Umstellung trifft mich nicht mehr“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Sorgfältig in eine separate Hülle gepackt hat die 66-jährige Ingrid Zimmermann ihre graue Fahrerlaubnis. „Den musste ich noch nie vorzeigen“, erzählt sie lachend. Bei ihrer Prüfung 1972 in Remscheid sei sie sehr nervös gewesen. Ihr erstes Auto war ein grauer VW Käfer. „Das war schon cool“, schwärmt sie. Am Lappen hänge sie nicht, den habe sie vielmehr noch aus Bequemlichkeit.

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