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Corona-Regeln: Oberbergischer Kreis verhängt nächtliche Ausgangssperre

Zu hohe Inzidenz : Oberbergischer Kreis verhängt nächtliche Ausgangssperre

Der Oberbergische Kreis hat aktuell die höchsten Inzidenzahlen in NRW. Nach einer Krisensitzung am Wochenende zieht man in Gummersbach die Notbremse. Indirekte Kritik äußert der Landrat am Pfarrer der Seelsorgeeinheit Radevormwald-Hückeswagen.

Für den Oberbergischen Kreis gelten ab Montag, 11. Januar, verschärfte Maßnahmen gegen den Anstieg der Corona-Infektionen. Das haben Landrat Jochen Hagt, die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Kaija Elvermann und Kreisdirektor Klaus Grootens am Sonntag in einer kurzfristig anberaumen Pressekonferenz per Video angekündigt. „Wir haben unsere geplante Krisensitzung vorgezogen“, erklärte der Landrat. Der Grund: Die Sieben-Tage-Inzidenz im Oberbergischen Kreis ist in den vergangenen Tagen dramatisch angestiegen. Sie liegt nun beim Wert 292, damit ist der Kreis derzeit die Region in Nordrhein-Westfalen, in der die Dynamik des Infektionsgeschehen am rapidesten verläuft. Mit deutlichem Abstand folgt hinter Oberberg der Kreis Höxter (Inzidenzwert 258,1). Weitere 136 Infektionsfälle wurden neu gezählt, die Zahl der Verstorbenen, die mit dem Virus SARS CoV-2 infiziert waren, liegt im oberbergischen Kreis inzwischen über 100. 

„Wir haben nun neue Maßnahmen formuliert, um das Infektionsgeschehen einzudämmen“, sagt Jochen Hagt. Ab Montag um 0 Uhr gilt eine Ausgangsbeschränkung im Kreisgebiet im Zeitraum von 22 bis 5 Uhr. Die Vorschriften zur Kontaktbeschränkung werden auch im privaten Bereich verschärft. Treffen sind nur zwischen Angehörigen eines Hausstands sowie einer weiteren Person zulässig. Die weitere Person kann von betreuungsbedürftigen Kindern aus ihrem Hausstand begleitet werden. Die Verlängerung der Pflicht, in Pflegeeinrichtungen FFP2-Masken zu tragen, wird verlängert.

Und auch die Präsenzgottesdienste, die bislang nur in den Kommunen mit den höchsten Fallzahlen im Kreis untersagt waren, werden nun im gesamten oberbergischen Kreisgebiet verboten. Der Grund: „Es hat Verdrängungseffekte gegeben“, sagte der Landrat. „Beispielsweise in Radevormwald.“ Ein deutlicher Hinweis auf die jüngste Aufforderung des katholischen Pfarrers Marc D. Klein in der Seelsorgeeinheit Radevormwald-Hückeswagen. „Selbst zu schlimmsten Kriegs-Zeiten“, so der Geistliche, habe es ein solches Verbot nicht gegeben. Er rief die Gemeindemitglieder in Radevormwald auf, nunmehr nach Hückeswagen in die Kirche zu gehen.

Was die 15-Kilometer-Regel angeht, die den Bewegungsradius der Bürger um ihren Wohnort herum begrenzt, so habe man aktuell noch verzichtet, sie in die neue Allgemeinverfügung aufzunehmen. „Nach unseren Informationen wird auf Landesebene in den nächsten Tagen eine Entscheidung zu dieser Regelung fallen“, sagte Jochen Hagt. „Wir werden abwarten und dann entscheiden.“

Doch warum ist der oberbergische Kreis innerhalb der vergangenen Tage an die Spitze der Inzidenzzahlen in NRW geschossen? „Wir haben nach Neujahr sehr viel getestet“, sagt Landrat Hagt. Das habe sich auf die Zahlen ausgewirkt. Er gehe davon aus, dass auch in anderen Kommunen und Kreisen bald dieser Effekt zu spüren sei werden: „Dort wird man nachziehen.“ Kaija Elvermann erläuterte, dass es beim Infektionsgeschehen derzeit keine „Hotspots“ gebe. „Die Ansteckungen geschehen zu 50 Prozent im familiären Umfeld“, sagte sie. In den Senioreneinrichtungen des Kreises seien die Zahlen „auf hohem Niveau stabil“. Ende des Jahres hatten die ersten Impfaktionen in Pflegeheimen im Kreis begonnen, in Radevormwald wurde die erste Runde der Impfungen bereits abgeschlossen.

Die Polizei im Oberbergischen Kreis werde in den nächsten Tagen verstärkt auf die Einhaltung der neuen Regeln achten. Auf die Frage, wie die Beamten die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen in privaten Haushalten kontrollieren können, sagt Hagt, die Polizei werde „Auffälligkeiten“, die ihr gemeldet werden, ins Visier nehmen. Sogleich fügte er hinzu: „Das ist keine Aufforderung, beim Nachbarn zu klingeln und selber nachzuzählen.“

Landrat Jochen Hagt appelliert eindringlich an alle Bürger, die Situation ernst zu nehmen: „Mir ist bewusst, dass die festgelegten Einschränkungen ein großer Einschnitt sind. Sie sind jetzt aber zwingend erforderlich, um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Die Kontakte müssen dafür auf das absolut notwendige Minimum reduziert werden.“