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Corona in Radevormwald: Bürgermeister zur 15-Kilometer-Regel

Bürgermeister zur 15-Kilometer-Regel : „Das schafft beim Bürger Verdruss“

Der Bürgermeister hält die 15-Kilometer-Regel für keine ideale Lösung im Kampf gegen den hohen Inzidenzwert im Oberbergischen Kreis. Das Ordnungsamt will stichprobenartig kontrollieren.

Fast könnte man es als Nacht-und-Nebel-Aktion bezeichnen – am späten Montagabend sandte die Pressestelle des Oberbergischen Kreises die Mitteilung, dass nun die seit Tagen diskutierte 15-Kilometer-Regelung im ganzen Kreisgebiet eingeführt wird. Damit wird die Mobilität von Bürgern teilweise eingeschränkt, um zu vermeiden, dass sich die Corona-Infektion weiter ausbreitet. Der Oberbergischer Kreis ist derzeit einer der „Hotspots“ in NRW. Am Wochenende, als die Sieben-Tage-Inzidenz auf 292 stieg, hatten Landrat Jochen Hagt und andere Führungskräfte der Kreisverwaltung kurzfristig eine Verschärfung der Vorschriften beschlossen. Was die 15-Kilometer-Regel betrifft, wartete man noch auf eine Entscheidung des Landes.

„Innerhalb des Kreisgebietes können sich alle Radevormwalder und Hückeswagener frei bewegen“, erklärt Jessica Schöler, Sprecherin der Kreisverwaltung in Gummersbach. Über die Grenzen des Kreises hinaus dürfen sie aber nur bis zu 15 Kilometer Luftlinie entfernt von der Stadtgrenze. Das würde für Radevormwald also bedeuten, dass die Bürger ohne Probleme, nach Remscheid oder Schwelm fahren könnten oder auch in den Märkischen Kreis bis etwa Lüdenscheid. Auch das Stadtgebiet von Wuppertal befindet sich noch in diesem Umkreis.

Für die Verwaltung in Radevormwald bedeutet die neue Regelung, dass sie die Einhaltung kontrollieren muss. Bürgermeister Johannes Mans zeigt sich alles andere als erfreut. Er halte das Ganze für keine gute Lösung, erklärte er. „Die Kommunen werden hier mit Verfügungen konfrontiert, die sie nur schwer kontrollieren können und die bei den Bürgern nur Verdruss und Ärger schaffen“, kritisiert Mans.

Das eigentliche Ziel sei es ja, rein touristische Fahrten zu verhindern. Für die Radevormwalder sei die neue Regelung besonders lästig, weil die Verbindung in die benachbarten Großstädte Remscheid und Wuppertal stärker ist als ins Kreisgebiet.

Wer sich die Corona-Verordnung allerdings durchliest, stellt bald fest, dass sich für die meisten Menschen nicht viel ändern wird. Fahrten zum Arbeitsplatz, zur Schule oder Kita, zu ärztlichen Behandlungen und zu nahen Verwandten, das alles ist ohne Probleme auch weiterhin möglich. Es sind vor allem Freizeitaktivitäten, die erst einmal nur in dem gesteckten Rahmen möglich sein werden.

Bewegung in einem Umkreis von 15 Kilometern ab der Stadtgrenze ist erlaubt. Foto: Martin Ferl, Mapcreator

Doch wie kontrolliert man beispielsweise, dass jemand tatsächlich zu einem nahen Verwandten fährt? Muss nun stets das Familienstammbuch mitgenommen werden? Jochen Knorz, der Leiter des Radevormwalder Ordnungsamtes, räumt ein, dass die Möglichkeiten, die Kilometer-Regel zu kontrollieren, an Grenzen stößt. Am ehesten gehe das noch bei Fahrten zum Arbeitsplatz. „Die Bürger sollten sich in diesem Fall eine Bescheinigung vom Arbeitnehmer besorgen“, erklärt er. Was Fahrten zum Arzt angehe, sei es freilich für manche Praxen nicht möglich, im großen Maße Terminbestätigungen zu schicken, „aber bei Behandlungen in Krankenhäusern ist das ja meist der Fall“. Die Ordnungsamtmitarbeiter werden allerdings nicht an den Ortsausgängen stehen und jedes Auto kontrollieren. „Wir machen das stichprobenartig“, kündigt Knorz an. Der Hintergrund der 15-Kilometer-Regel seien die jüngsten Probleme in Winterberg und anderen Wintersportgebieten gewesen. „Um das zu verhindern, ist diese Verfügung tatsächlich ein geeignetes Mittel.“

Landrat Jochen Hagt hatte am Montagabend in einem YouTube-Video auf die neuen Regelungen hingewiesen. An Deutlichkeit ließ es der Landrat nicht fehlen: „Bleiben Sie bitte mit Ihrem Hintern zu Hause!“, schloss er seine Rede ab. Die Krankenhäuser im Kreisgebiet seien bereits stark beansprucht, es gebe nur noch wenige freie Intensivbetten.

Am Dienstag war die Sieben-Tage-Inzidenz im Oberbergischen Kreis wieder gesunken, sie liegt aktuell bei 239,7, teilte die Kreisverwaltung mit. Die Zahl der Corona-Infektionen in Radevormwald hat dagegen zugenommen, sie stieg von 98 auf 109.