Michael Steinke im Bürgerhaus: Comedy-Show in Radevormwald wieder ein Erfolg

Michael Steinke im Bürgerhaus: Comedy-Show in Radevormwald wieder ein Erfolg

Die Rader Comedy-Show hat mittlerweile Tradition. Zur neunten Show kamen fünf Künstler ins Bürgerhaus.

Tosender Applaus empfing Michael Steinke im Bürgerhaus, als er im dunkelbraunen Cordanzug auf die Bühne tänzelte. Die Liebeserklärung an die wilden 1970er-Jahre stieß bei dem Publikum auf Verständnis, denn die meisten konnten sich noch an Begriffe, wie Dackelleder oder Manchester, wie man "Cocht" früher genannt hat, erinnern. Nie vergessen wird die Zeit, in der es noch keine Fernbedienung gab, man zum Umschalten aufstehen und laufen musste und Wellness nur ein urbaner Mythos der großstädtischen Industrie war.

Michael Steinke nahm das Publikum mit durch seine Kindheit in den 70ern und erwies sich bereits bei seinem ersten Auftritt als Liebling des Abends, denn seine Witze waren ehrlich, gut durchdacht und aus dem Leben gegriffen. "Geh mir weg mit Wellness. Für mich war Wellness, als mir meine Mutter die Rinde vom Brot abgeschnitten hat", sagte der Moderator aus Düsseldorf. Bevor er seinen ersten Gast ankündigt, entlarvte er eine "zarte Romanze in der ersten Reihe". Yannick und Emily, gerade erst 15 geworden, lernten von ihm viel über "die gute alte Zeit".

Ein preisgekrönter Shooting-Star der Comedy-Szene trat mit Berhane Berhane vor das Publikum. Der Heidelberger ist bekannt durch seine zahlreichen Fernsehauftritte und für sein Temperament, das er auch Freitagabend unter Beweis stellte. Innerhalb der ersten Minuten seines Programms suchte er sich Bürgermeister Johannes Mans aus dem Publikum heraus und kritisierte auf charmante Art und Weise die Deutsche Verwaltungsstruktur. In seinem Heimatland Äthiopien gibt es nämlich keinen Nachnamen. "Als ich mit meiner Familie eingereist bin, war ich sechs Jahre alt. Wenige Minuten später hieß ich Berhane Berhane. Stempel drauf." Welche Episoden dieser ungewöhnliche Name geschrieben hat, teilte der Comedian mit seinem begeisterten Publikum.

Etwas musikalischer und emotionaler geht Olaf Bossi seinen Beruf als Bühnenkünstler an. Auf seiner Gitarre spielt er die schönsten Lieder, über Eulen und Lerchen, also Langschläfer und Frühaufsteher, über das Eheleben und die Scheidungen der besten Freunde. Seine Analyse der neumodischen "Parship-Beziehungen" war treffend. "Die Liebe macht blind, aber die Ehe öffnet Augen", lautete sein Fazit.

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Als Ersatz für den erkrankten Bastian Bielendorfer, auf den sich alle Gäste besonders gefreut hatten, waren Serhat Dogan und Tobias Rentzsch nach Radevormwald gekommen. Bevor sie jedoch durch Michael Steinke anmoderiert wurden, stellte er die beste Imitation der Reinigung eines Bonbons zur Schau. Zumindest nach der Art, die seine Oma und Mutter konsequent vertraten. Heruntergefallene Bonbons wurden in den 70er-Jahren nämlich nicht weggeworfen, oh nein. Sie wurden mit viel Speichel und Hingabe von überschüssigem Dreck befreit. "Das wurde damals so gemacht. Auch mit Bonbons, die gar nicht unsere waren", schloss Steinke diese Vorstellung und trieb seinen Zuschauern die Tränen in die Augen.

Serhat Dogan lebt seit 2004 in Deutschland und hat seine ersten Jahre in diesem strukturierten Land in seinem Tagebuch festgehalten. Dass man sich in München mit "Grüß Gott" begrüßt, verwirrte den Türken stark. "Außerdem halten hier die Autos an roten Ampeln", sagte er.

Nach der ersten Hälfte der Comedy-Show, die wie jedes Jahr von Ingo Schwarz, Jens und Linda Matthey in Zusammenarbeit mit dem Rader Kulturkreis organisiert wurde, kehrte jeder Künstler für eine zweite Runde zurück auf die Bühne.

(trei)