Radevormwald: Citymanager geht optimistisch

Radevormwald : Citymanager geht optimistisch

Am Miottwoch war sein letzter Arbeitstag für Radevormwald: Dr. Arnd Jenne hat seine Aufgabe als Citymanager beendet, um eine Professur anzutreten. Im BM-Gespräch zieht er ein positives Fazit und bescheinigt der Bergstadt Potenzial.

Dr. Arnd Jenne bemüht die Botanik, um das Fazit seiner nur wenige Monate dauernden Arbeit als Citymanager zu umschreiben. "Wir haben das zarte Pflänzchen gepflanzt. Am Wurzelwerk haben wir gearbeitet, damit es eine Standfestigkeit bekommt", sagt er. Am Mittwoch war sein letzter Arbeitstag für Rade. Ab sofort kümmert er sich neben seiner Bürotätigkeit um eine Professur. Diese Arbeit hatte ihn auch in den vergangenen Monaten schon daran gehindert, in Rade präsent zu sein, was für viel Kritik gesorgt hatte.

Situation nicht so ausweglos

Jenne verlässt Rade optimistisch. "Wir haben dicke Bretter gebohrt, am Fundament gearbeitet und hoffen, dass die Pflanze Innenstadt Blätter und Blüten bringt", sagt er. Berechtigte Hoffnungen gebe es, denn bei allem Wehklagen sei die Situation in Rade in Ordnung und nicht so ausweglos, wie viele meinen. "Die Rader sind sehr selbstkritisch, was manchmal bis zur Selbstzerfleischung geht. Ein bisschen Selbstbewusstsein täte allen gut", sagt Jenne. Die Beteiligung am Citymanagement sei verhalten. Beteiligung bedeute aber, aktiv zu sein.

Jenne wünscht sich, dass mehr Bürger den Mut aufbringen, neue Wege zu gehen — verbunden immer auch mit dem Risiko, zu scheitern. "Aber verharren bedeutet die Gefahr, von anderen überholt zu werden", sagt Jenne. Es passe nicht zusammen, dass viele Menschen viel kritisieren, aber eigentlich so weitermachen wollen wie bisher. Fehlversuche müsse man riskieren, vielleicht auch mal jemandem vors Schienbein treten. "Denn Citymanagement ist keine kuschelpädagogische Veranstaltung", sagt Jenne.

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Von Anfang an habe es rührige Geschäftsleute gegeben, dennoch stünden noch zu viele außerhalb. Jenne glaubt, dass sich das Citymanagement als Initiative etabliert hat. "Wir haben immer versucht, an Inhalten zu arbeiten", sagt er.

Kompakte Innenstadt

Die Schwerpunkte seines Nachfolgers sieht er in Strukturveränderungen, der Weiterentwicklung von Immobilien und des Bestandes an Gewerbetreibenden. Als große Vorteile sieht Jenne die kompakte Innenstadt, das gute Einzelhandelsangebot, die städtebauliche Qualität und das Stadtbild. "Radevormwald hat den Kampf noch nicht verloren, sondern eine gute Chance, zu bestehen", sagt Jenne. Aber Gewerbetreibende sollten aktiver werden, "sonst geht es nicht nach vorne." Das Citymanagement sei auf die Akteure in einer Stadt dringend angewiesen. Stadt und Wirtschaftsförderung könnten motivieren und unterstützen, aber selbst machen, das sei viel wichtiger.

"Wir haben Brachfläche vorgefunden, sie rekultiviert, Setzlinge gesetzt, Unkraut gejätet und geharkt — die Chance für einen Neustart sollte Radevormwald jetzt unbedingt nutzen", sagt Jenne.

(RP)
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