Radevormwald: Bürger kritisiert Ärzte-Bereitschaftsreform

Radevormwald: Bürger kritisiert Ärzte-Bereitschaftsreform

Im Oberbergischen Kreis wurden die bisherigen Notdienst-Bezirke zusammengelegt. Dadurch müssen Radevormwalder längere Strecken auf sich nehmen oder auf einen Arzt mit Fahrdienst warten.

Die neue Bereitschaftsregelung in Oberberg sorgt nicht nur unter Medizinern für Aufruhr - auch Rader kritisieren die Reform. "Das ist eine große Sauerei und eine Verschlechterung für alle Bewohner von Radevormwald", sagt Engelbert Frielingsdorf. "Zwar klagen vor allem die Ärzte, aber uns Bürger trifft es viel mehr."

Zum Hintergrund: Die Notfallbereitschaften von Ärzten im Oberbergischen Kreis werden in drei Bezirke zusammengefasst. Ab 1. Januar 2018 besteht der Norden aus Radevormwald, Hückeswagen, Wipperfürth und Lindlar, zur Mitte gehören Marienheide, Gummersbach, Engelskirchen, Bergneustadt und Reichshof nördlich der A 4, der südliche Teil von Reichshof, Wiehl, Nümbrecht, Waldbröl und Morsbach bilden den Südbezirk. In jedem Bezirk sind künftig zwei Ärzte tätig: Einer arbeitet in der Notdienstpraxis, der andere hat Fahrdienst und macht Hausbesuche. Die Ambulanzen der Krankenhäuser sind weiterhin geöffnet - jedoch nur für Notfälle.

"Bislang konnten wir zum hausärztlichen Notdienst in die jeweiligen Praxen vor Ort gehen", sagt Engelbert Frielingsdorf. "Ab kommendem Jahr müssen 22.000 Rader, wenn sie krank sind, entweder ins Krankenhaus nach Wipperfürth fahren oder auf den Arzt mit Fahrdienst warten. Der braucht wegen des großen Gebiets aber lange, bis er da ist." Die Fahrt von Radevormwald nach Wipperfürth dauert etwa 20 Minuten. "Weil Rade am einen Ende liegt, wird die Stadt klar benachteiligt", sagt Frielingsdorf.

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Die Hausärzte beginnen ihren Notdienst, wenn die Praxen geschlossen sind: Mittwoch- und Freitagnachmittag, abends, nachts und am Wochenende. Weichen aufgrund der Neuregelung viele Patienten auf die Ambulanz im Krankenhaus aus, um die Fahrten zu vermeiden, könnte das allerdings zu einer Überlastung führen.

Die verantwortliche Kassenärztliche Vereinigung (KV) Oberberg begründet die Reform mit dem Ärztemangel in der Region: Jeder fünfte Hausarzt im Kreis ist älter als 60 Jahre, Tendenz steigend. Bis 2023 erreicht jeder vierte Arzt die Altersgrenze.

Laut KV Oberberg soll die Bereitschaftsreform die Landflucht von Medizinern in die Großstädte verhindern: Die Region erscheine mit weniger Bereitschaftsdiensten attraktiver für junge Ärzte, die bereit seien, die Nachfolge eines niedergelassenen Arztes anzutreten. "Wir Bürger sind abhängig von der KV", kritisiert Engelbert Frielingsdorf. "Dabei nutzt der Schritt nicht einmal den Ärzten hier: Die beklagen sich über längere, anstrengendere Dienste. Ich wünsche mir den bisherigen Zustand zurück - und Einsehen der Politik."

(mba)