Traditionsbetrieb in Radevormwald Bremickers Backstube gibt Geschäft auf

Radevormwald · Ende des Jahres wird der Standort in Herbeck schließen, im Sommer 2019 der gesamte Betrieb. Altersgründe und die Probleme für kleine Handwerksbetriebe in der heutigen Zeit werden als Ursachen genannt.

 Gerhard Bremicker hat das Rentenalter erreicht. Die Backstube soll im kommenden Jahr endgültig geschlossen werden.

Gerhard Bremicker hat das Rentenalter erreicht. Die Backstube soll im kommenden Jahr endgültig geschlossen werden.

Foto: Weyrich/weyrich

Es ist das Aus für eine Institution in Radevormwald: „Bremickers Backstube“ hat gestern mitgeteilt, dass der traditionsreiche Betrieb schließen wird. „Hiermit möchten wir frühzeitig und mit tiefen Bedauern bekannt geben, dass wir zunächst unser langjähriges Hauptgeschäft in Herbeck zum 31. Dezember 2018 und anschließend unseren gesamten Betrieb zum 30. Juni 2019 schließen werden“, teilt das Unternehmen mit.

Diese Entscheidung sei einerseits aus wirtschaftlichen Erwägungen gefallen. „Für eine kleine handwerkliche Backstube wie die unsere, ist es immer schwerer geworden, am heimischen Markt zu bestehen.“ Zum anderen seien aber auch Altersgründe für die Stilllegung des Betriebes verantwortlich. „Der Inhaber von Bremickers Backstube, Gerhard Bremicker, hat das Rentenalter erreicht.“

Das Ende des Geschäftes sei keine Insolvenz, das betont die Familie. „Unseren Mitarbeitern und uns ist sehr daran gelegen, dass es sich auch nicht in eine solche Richtung entwickelt.“ Deswegen sei man auch weiteren auf die „werte Kundschaft“ angewiesen und lade jeden herzlich sein, bis zum Sommer des kommenden Jahres die Backwaren aus dem Traditionsbetrieb zu genießen. „Wir bedanken uns schon jetzt bei unseren treuen Kunden und freuen und auf die verbleibende Zeit“, schließt die Mitteilung.

In zwei Jahren hätte der Handwerksbetrieb sein 150-jähriges Bestehen feiern können. Das Unternehmen wurde 1870 von Julius Bremicker in Herbeck gegründet. Damals wurden Brot und Brötchen teilweise noch in Kinderwagen transportiert und in die umliegenden Ortschaften gebracht. Otto Bremicker (1904-1919) übernahm das Geschäft von seinem Vater und übergab es 1919 an seinen 20 Jahre jüngeren Bruder Huwald. Der führte das Geschäft bis 1963 und übertrug es Sohn Willi. Dessen Sohn Gerhard führt das Familienunternehmen seit 1987 in vierter Generation. Sein Sohn Christian Bremicke ist ebenfalls im Unternehmen tätig.

Gebacken wird seit 2009 in der Otto-Hahn-Straße in Radevormwald, dorthin war die Produktion verlagert worden, weil es in der alten Backstube zu eng geworden war. Zudem eröffnete das Unternehmen in der Innenstadt vor rund zehn Jahren ein Café. „Der Mietvertrag läuft aus“, erklärte Seniorchef Gerhard Bremicke gestern unserer Zeitung. „Und es ist schwer, einen Anschlussvertrag zu vereinbaren, ohne sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren festzulegen.“ Auch das sei ein Punkt, der die Entscheidung der Familie beeinflusst hat.

„Wir haben die Belegschaft am Mittwochabend informiert“, sagt Gerhard Bremicke. „Natürlich war die Stimmung danach ziemlich gedrückt.“ 38 Mitarbeiter arbeiten derzeit für Bremickes Backstube, ein großer Teil davon allerdings in Teilzeit. Die Familie hofft, dass eine andere Bäckerei das Geschäft übernimmt – und auch den Mitarbeitern so eine weitere berufliche Perspektive gibt.

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