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Radevormwald: BM sucht weitere Zeugnisse des Weltkriegs

Radevormwald : BM sucht weitere Zeugnisse des Weltkriegs

Die Bergische Morgenpost hat ihre Leser dazu aufgerufen, der Redaktion persönliche Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg zur Verfügung zu stellen. Im Stadtarchiv Radevormwald sind bereits "einige Schätzchen" angekommen.

Ulrike Künz tut sich schwer damit, den massiven, alten Atlas aus dem Regal auf einen der großen Lesetische in ihrem Büro im Stadtarchiv im Radevormwalder Rathaus zu wuchten. Das Buch im ungewohnt sperrigen Großformat ist so alt, dass im Umgang damit äußerste Vorsicht geboten ist. "Es handelt sich um eine Originalquelle aus dem Jahr 1919, die uns zur Verfügung gestellt wurde", freut sich die Leiterin des Stadtarchivs.

Der Bilderatlas, den die Leiterin des Stadtarchivs nur mit Mühe auf den Lesetisch hievt, ist eine der Quellen, die BM-Leser der Redaktion der Bergischen Morgenpost zur Verfügung gestellt haben. 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sucht die Rheinische Post/Bergische Morgenpost in Kooperation mit dem Stadtarchiv Radevormwald nach Zeugnissen aus dem Ersten Weltkrieg, die irgendwo im Verborgenen schlummern. Mit der Hilfe der Leser soll ein detailliertes Bild davon entstehen, wie der Erste Weltkrieg im Rheinland und im Bergischen erlebt wurde, um anschließend in der Morgenpost darüber zu berichten. Dank zahlreicher Einsendungen setzen sich die ersten Puzzlestücke schon zusammen.

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"Es sind schon einige Schätzchen angekommen", freut sich Ulrike Künz über die ersten Zusendungen. Bislang sind 30 bis 40 Quellen im Stadtarchiv eingegangen, die meisten davon sind Feldpostkarten. "Teilweise sind diese unbeschrieben, viele verraten aber einiges über Einzelpersonen, deren Schicksale und Gefühle", sagt Künz. So zum Beispiel eine Karte, die direkt aus der Kriegsgefangenschaft heraus verfasst wurde. "Das ist selten", meint Künz, die sagt, dass "jede noch so kleine Quelle wichtig ist."

Die Radevormwalderin Dörte Hofschen hat sich nach ihrer Pensionierung akribisch mit den Beständen im Stadtarchiv auseinandergesetzt. "Leider sind sie nicht besonders umfangreich", sagt die Historikerin. Dennoch ließe sich aus den Schulchroniken und Protokollen der Stadtverordnetenversammlung vieles ablesen. "Man findet darin teilweise ganz genaue Schilderungen darüber, wie sich die Region im Krieg verändert hat und wie die Menschen den Krieg wahrgenommen haben", sagt Hofschen. Auszugsweise hat die Rentnerin die in Sütterlin verfassten Texte übersetzt. "Wie ganz anders ist das Ende, als wir es dachten. Wir stehen an der Trümmerstätte unseres zusammengebrochenen Vaterlandes, in dem wilden Chaos liegen unsere glänzendsten Erwartungen und Hoffnungen begraben. Nach Ursache und Schuld, wollen wir nicht forschen, das bleibe der Nachwelt vorbehalten", heißt es in einem Auszug.

Mit der Hilfe der BM-Leser möchte die Rheinische Post/Bergische Morgenpost die Erforschung des Ersten Weltkrieges fortführen und sucht nach weiteren Dokumenten zum Krieg, der 1914, also vor genau 100 Jahren, begann.

(RP)