Radevormwald: Berufswahl braucht immer auch viel Mut

Radevormwald: Berufswahl braucht immer auch viel Mut

Was kommt nach der Schule? Michael Hanschmidt vom Büro für Zukunft, referierte in der Aula des Gymnasiums über den schwierigen Übergang zwischen Schule und Arbeit. Auch Eltern informierten sich, um ihre Kinder zu unterstützen.

Zu entscheiden, wie es nach dem Schulabschluss weitergeht, ist nicht leicht. Besonders nicht, wenn man zwischen 18.000 verschiedenen Berufsmöglichkeiten wählen kann und den Anspruch hat, dass der gewählte Beruf Spaß macht, nicht langweilig wird und genug Raum für ein erfülltes Privatleben lässt. Die Übergangsphase zwischen Schule und Berufswahl ist komplex. In der Bergstadt werden Jugendliche regelmäßig durch das Radevormwalder Unternehmernetzwerk (RUN) über Ausbildungsmöglichkeiten in ihrer Heimatstadt informiert und mit Ansprechpartnern aus der Wirtschaft verknüpft. Als Vorbereitung für den 6. Tag der Ausbildung am Samstag, 1. Juli, lud RUN am Mittwochabend Schüler der weiterführenden Schulen und ihre Eltern zu einem Abend unter dem Motto "Schule ist eine befristete Stelle" ein.

Michael Hanschmidt, Leiter des Büros für Zukunft in Köln, versetzte sich in die Lage der Jugendlichen und veranschaulichte die Schwierigkeiten der Berufswahl. "Statistisch gesehen entscheiden sich junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 30 Jahren für ihren Beruf. Lineare Berufsbiografien gibt es heutzutage nur noch selten", sagte er. Während ein Beruf früher deutlich vom Privatleben getrennt und eine Entscheidung für ein gesamtes Leben war, ist der Beruf heute Teil des Gesamtkunstwerks Leben.

So sieht das auch Realschülerin Carina Funk. Die 14-jährige will nach ihrem Realschulabschluss eine Berufsausbildung zur Erzieherin machen. "Dieser Beruf interessiert mich und könnte mir Spaß machen. Ein Beruf muss glücklich machen, finde ich", sagte sie. Getroffen hat sie die Entscheidung für ihren Werdegang nach der Schule ganz alleine. "Unsere Kinder hatten alle freie Wahl. Wir unterstützen sie in ihren Träumen und stehen ihnen zur Seite", sagte Sabine Funk.

  • Jeder Zweite würde anderen Job wählen

Dass der Einfluss der Eltern auf ihre Kinder ohnehin relativ gering ist, weiß Hanschmidt. "Das Wichtigste ist, über die Fähigkeiten des Kindes zu sprechen und ihnen bei der Selbstfindung zu helfen. Außerdem sollten Eltern vorleben, dass Arbeit Spaß machen kann." Auf welche Fähigkeiten es in der Berufswelt ankommt, vermittelten Michael Scholz und Dorothea Perkovic von RUN. "Zielstrebigkeit und Freundlichkeit sind sehr wichtige Eigenschaften, die jeder mitbringen sollte", sagte Perkovic. Bevor sich junge Erwachsene für ihren Beruf entscheiden, sollten sie sich selber richtig einschätzen. "Wer seine Stärken und Schwächen kennt, hat schon viel erreicht", sagte Hanschmidt. Obwohl Leonie Schaphoff nach der Realschule ihr Abitur machen und dann studieren will, hörte sie Hanschmidt aufmerksam zu. "Es kann ja immer sein, dass ich einen Plan B brauche und doch eine Ausbildung mache. Außerdem ist eine Berufsorientierung auch für Studenten wichtig", sagte die Schülerin. Marion Schaphoff nutzte die Veranstaltung, um sich über die Rolle der Eltern in der Berufsorientierung klar zu werden. "Ich will meine Tochter unterstützen und informiere mich regelmäßig", sagte sie.

Hanschmidt schickte die Schüler mit einem positiven, zukunftsweisenden Blick nach Hause. "Wer jetzt nicht seinen Traumberuf findet, findet ihn zu einem späteren Zeitpunkt. Oder erschafft sich seinen Beruf einfach selber." Die vielen Berufsmöglichkeiten im 21. Jahrhundert stiften nämlich nicht nur Verunsicherung, sondern sind auch eine Chance, um kreativ mit der Suche nach einem Beruf umzugehen.

(trei)