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Radevormwald: Bergisches Holz ist gute Kapitalanlage

Radevormwald : Bergisches Holz ist gute Kapitalanlage

Revierförster Bernhard Priggel sieht auch in nächster Zeit die Möglichkeit, für geschlagenes Holz gute Preise zu erzielen. Statt eines Kahlschlags empfiehlt Priggel das regelmäßige Durchforsten von Waldflächen mit kontinuierlichem Wuchs.

Die Holzpreise bewegen sich weiter auf einem hohen Niveau. Das bringt auch für die Radevormwalder mit Waldflächen gute Erlöse. "Es gibt derzeit so hohe Holzpreise, wie es sie bisher noch nicht gab", sagt Radevormwalds Revierförster Bernhard Priggel, der als Beauftragter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW die Waldbauern und andere Waldbesitzer berät und sie bei der Vermarktung unterstützt.

Der Wald ist nicht nur ein Ort für die Freizeitgestaltung, sondern auch ein Rohstofflieferant und Wirtschaftsfaktor. Für einen Festmeter Fichte kann ein Holzbesitzer bis zu knapp 100 Euro erzielen. Vor etwa zehn Jahren bekam man nur die Hälfte. Diese Preisentwicklung erhöht natürlich auch die Attraktivität für das Abholzen, in manchen Bereichen führt dies auch zu Kahlschlägen. Eine Tendenz zu großen Rodungen ganzer Flächen sieht Rades Revierförster in seinem Bereich allerdings derzeit nicht.

Ein Wald kann aus seiner Sicht als Kapitalanlage betrachtet werden. Oft allerdings erst für nächste Generationen. Das jetzt geschlagene Holz haben häufig vorherige Generationen gepflanzt. Die Langfristigkeit der Bewirtschaftung des Waldes ist deshalb ein besonders zu beachtender Faktor. Dickeres Holz sei deutlich rentabler. Eine Fichte wachse 100 Jahre, eine Eiche sogar 200 Jahre. Jetzt mehrere 30 Jahre alte Fichten zu fällen, wäre wegen der zu erwartenden Wertsteigerung daher nicht sinnvoll.

Da die Bauindustrie derzeit sehr aktiv ist, ist besonders auch Fichten-Stammholz nachgefragt. Dabei ist das nach dem "Kyrill" im Jahr 2007 zur Verfügung stehende Holz inzwischen komplett verarbeitet. "Die Sägewerke brauchen aber Holz, weil sie in den vergangenen, guten Jahren die Einschneidekapazitäten gewaltig erhöht haben", sagt Bernhard Priggel. Von Radevormwald geht im Vergleich zu anderen Kommunen im Sauerland oder in der Eifel allerdings nicht viel Holz auf den Markt. Viele Waldbesitzer sehen ihr Holz als Reserve.

Für die hohen Holzpreise sieht er weitere Faktoren verantwortlich. Durch die zeitweilig sehr hohen Ölpreise ist Holz zum Heizen im Kamin oder in der Heizung mehr als früher gefragt. In Rade hat Priggel 95 Kaminholzöfen gezählt, sechs Fest-Brennstoffheizungen und zwei Holzschnitzelheizungen.

Seit einigen Jahren ist dafür Laubholz gefragt, was vorher nicht der Fall war. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Waldbesitzer seit einiger Zeit Pflegerückstände auf ihren Flächen nachholen. "Vorher hat sich das für viele einfach nicht gelohnt", sagt der Revierförster. In Rade gebe es noch genügend Waldflächen, die einer intensiveren Pflege, einer Durchforstung, bedürften. Im vergangenen Jahr hat der Förster deshalb alle Waldbesitzer angesprochen, um nachzufragen, ob Waldflächen bearbeitet werden sollen.

Eine Waldverjüngung hält Bernhard Priggel aus forstlicher Sicht für sinnvoll. "Ich werbe bei den Waldbesitzern dafür, weil man bei nicht gepflegtem Wald später bei der Ernte alter Bäume eine schlechtere Qualität erhält. Schlägt man rechtzeitig, kann qualitätsmäßig besseres Holz nachwachsen", erklärt Bernhard Priggel.

Die Naturverjüngung geschieht über den Samen. Je mehr Flächen natürlich verjüngt würden, desto mehr verteile sich auch Wildbiss zum Beispiel durch Rehe. Auch muss bei einem Kahlschlag binnen zwei bis drei Jahren nachgepflanzt werden. Das nehme wiederum einen Teil des Gewinns. Gerechnet werden muss mit 20 bis 30 Prozent des Erlöses.

(RP)