Ausstellung über "Denglisch" in der Sparkasse Radevormwald

Sparkasse Radevormwald : Witziger Blick auf den „Denglisch“-Trend

Der Verein Deutsche Sprache stellt im Sparkassengebäude Radevormwald Karikaturen aus, die den Gebrauch von Anglizismen aufs Korn nehmen. Bis zum 29. März sind die Zeichnungen zu sehen.

Jüngst erhielt Michael Scholz, der Marketing-Chef der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen, eine Mail, unter der die drei Buchstaben „fyi“ standen. Scholz rätselte, was dieses Kürzel bedeuten sollte. Und fand schließlich die Lösung: Es steht für „For your information“, im Deutschen „Zur Kenntnis“.

Englische Wörter und Phrasen haben in unseren Sprachgebrauch seit Jahrzehnten Eingang gefunden. Manche sind nützlich, andere sind überflüssig und nicht wenige sind albern. Mit einer Ausstellung von Karikaturen des Zeichners Friedrich Retkowski aus Hameln macht die bergische Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache nun in Radevormwald auf das sogenannte „Denglisch“ aufmerksam – und zwar im Gebäude der Sparkasse an der Hohenfuhrstraße.

Gestern Vormittag wurde die Ausstellung eröffnet. Sparkassen-Vorstandsmitglied Alexander Still begrüßte dazu drei Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache: Karin Michels, den Regionalleiter Jörg-Peter Schundau und Hans-Ulrich Mundorf, einen echten Radevormwalder, der als Organisator den Kontakt zur Sparkasse hergestellt hatte. Alexander Still räumt ein: „Wir arbeiten in unserem Beruf regelmäßig mit Englisch, wir bekommen beispielsweise von der EBA, der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde, die so genannten ,Guidelines’ nur noch auf englisch.“ Ein Rundblick im Kundenzentrum zeigte allerdings, dass die Sparkasse sich hier mit „Denglisch“ zurückhält. Außer dem Begriff „Leasing“ und der „Sparkassen-Card“ war von englischen Begriffen auf den Hinweisschildern und Werbetafeln nichts  zu sehen.

Was im beruflichen Bereich oft kaum vermeidbar ist, wird in den Augen der Sprachschützer auf anderen Gebieten gerne benützt, um weltläufig und modern zu wirken. Doch das geht oft nach hinten los. Da wird ein Begriff wie „Public Viewing“ für öffentliches Fußballgucken verwendet, der im Englischen eigentlich die öffentliche Aufbahrung eines Leichnams bedeutet (was keine Anspielung auf die Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018 sein soll).

Kurz gesagt: Statt „hip“ und „cool“ zu wirken, kommt der deutsche Hang zu Imponier-Anglizismen in den Augen der Briten und Amerikaner provinziell und peinlich rüber.

„Wir möchten mit solchen Ausstellungen darauf aufmerksam machen, dass englische Wörter oft falsch benutzt werden“, sagt Jörg-Peter Schundau, pensionierter Mathematiklehrer aus Wuppertal. Die bergische Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache trifft sich einmal im Monat in der Gaststätte „Kaisertreff“ in Wuppertal-Cronenberg.

Schundau stellt klar, dass der Verein nichts gegen die englische Sprache an sich hat, sondern an den fragwürdigen Gebrauch von Wörtern, die es im Englischen teilweise gar nicht gibt. So ist der „Smoking“ in den USA ein „tuxedo“, das „Handy“ ist ein „cell phone“. Und der „Oldtimer“ ist ein „antique car“ oder ein „veteran car“.

Die Karikaturen-Ausstellung war bereits in Wuppertal und zuletzt in der Stadtbücherei in Remscheid zu sehen. Nun sind die Organisatoren auch in Radevormwald gespannt auf das Feedback – oh, entschuldigung! – auf die Reaktionen.

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