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Radevormwald: Ärztestreik – Patienten müssen länger warten

Radevormwald : Ärztestreik – Patienten müssen länger warten

Wer heute einen Arztbesuch geplant hat, muss eventuell auch in Rade mit längeren Wartezeiten rechnen. Im Honorarstreit zwischen Medizinern und Krankenkassen sind für heute weitere Proteste angekündigt.

In der Gemeinschaftspraxis Oberberg an der Wiesenstraße 13 a bleiben die Arzthelferinnen zu Hause. Eine Mitarbeiterin erledigt an der Anmeldung nur die nötigsten Dinge. Info-Schilder weisen auf den Protesttag hin. "Die Praxis ist zwar auf, das Personal aber nicht da, daher müssen wir viel organisieren und improvisieren", sagt Kardiologe Joachim Gödke. Wie der Praxisalltag abläuft, sei unklar. Das hänge vom Ansturm der Patienten ab und wie viele Notfälle es gibt.

Überbordende Bürokratie

Gödke versichert, dass die ärztliche Versorgung gewährleistet ist, die Patienten aber vielleicht länger warten müssen. Die Stimmung unter seinen Kollegen im Bund niedergelassener Kardiologen sei angespannt. "Der Unmut ist groß", sagt er. Die Mediziner wehren sich gegen die überbordende Bürokratie — und, dass ärztliche Leistungen nicht adäquat bezahlt werden. Gerade bei chronisch kranken Patienten und bei längeren Behandlungen werde nur ein Bruchteil der Leistung honoriert. "In Nordrhein sind wir bei der Honorierung fast Schlusslicht", sagt Gödke.

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Es sei zu wenig Geld im System, "andererseits müssen sich auch die Patienten die Frage stellen, was ihnen ihre Gesundheit wert ist", sagt der Kardiologe. Die Patienten hätten durchaus Verständnis für die Proteste. "Viele finden es gut, dass wir uns wehren und uns nicht alles bieten lassen", sagt Gödke.

Von einem flächendeckenden Streik in Rade weiß Dr. Andreas Weide von der Praxis an der Bahnmeisterei nichts. Er kümmert sich um den Qualitätszirkel der niedergelassenen Ärzte in Rade. Es gebe keine offizielle Empfehlung oder Absprachen der Kollegen. "Außerdem haben wir einen Versorgungsauftrag zu erfüllen", sagt der Allgemeinmediziner. Unmut unter den Ärzten sei vorhanden, "aber wir stehen am Ende der Kette. Gesprächsbereitschaft muss von anderer Seite kommen", sagt Weide.

Aufgrund der Ferien gebe es ein schmaleres Programm mit veränderten Sprechzeiten und Vertretungsdiensten, das habe aber nichts mit einem Streik zu tun. Der werde heute wohl nur vereinzelt in Radevormwald stattfinden.

(RP/rl)