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Zwölf Verletzte bei Hausbrand in Neuss-Holzheim: Nachbarn schildern Brandnacht

Brand in Neuss-Holzheim : „Ich habe überall geklingelt und ‚Feuer’ geschrien“

Die Ursache für den Brand in Neuss-Holzheim, bei dem zwölf Menschen verletzt wurden, ist immer noch nicht geklärt. Nachbarn schildern, was in der Brandnacht passiert ist.

Mirko Könen kommt mit mehreren Plastiktüten aus dem Haus. In Begleitung von zwei Feuerwehrleuten durfte er seine Wohnung betreten, um einige Sachen zu packen. Vorerst wird er wie auch die anderen Mieter der zehn Appartements eines Reihenhauses an der Berliner Straße in Holzheim dort nicht mehr leben können. Einige Stunden hatte er in der Nacht im Krankenhaus verbracht, weil er wegen der Rauchentwicklung kurz das Bewusstsein verloren hatte.

Am Montagabend, gegen 21.40 Uhr, wurde die Feuerwehr alarmiert. Als sie wenige Minuten später eintraf, stand eine Erdgeschosswohnung sowie eine Nachbarwohnung in Flammen. Da hatte Marion Bloemertz, die in einem der Nachbarhäuser lebt, längst ihre Mitbewohner informiert. „Gegen 21.30 Uhr hörte ich einen Knall, kurze Zeit später einen zweiten“, erzählt sie am Dienstagmorgen, noch sichtlich geschockt von den Ereignissen in der Nacht. Denn als sie nach den ungewöhnlichen Geräuschen in ihren Garten ging, sah sie eine „riesige Feuerwand“ am Nachbarhaus. „Ich bin sofort durchs Treppenhaus gerannt, habe überall geklingelt und Feuer geschrien“, sagt sie.

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Nebenan waren bereits mehrere Trupps der Feuerwehr unterwegs, um Menschen aus ihren Wohnungen zu holen. „Wir mussten manche Wohnungen gewaltsam öffnen, um festzustellen, ob dort noch Personen waren, die wir retten mussten“, sagt Martin Engelskirchen, Einsatzleiter des Holzheimer Löschzugs. Dabei wurde auch ein 62 Jahre alter Mieter gefunden, der bereits ohnmächtig war. Er wurde lebensgefährlich verletzt und im Krankenhaus in eine Druckkammer gebracht, wie Stadtbrandmeister Joachim Elblinger sagt. Noch immer werde er intensiv-medizinisch betreut. Elf weitere Personen wurden verletzt und vorsorglich in Krankenhäuser gebracht. Darunter auch zwei Feuerwehrleute, wie Elblinger weiter mitteilt. Der eine mit einer leichten Rauchgasvergiftung konnte aber wenige Stunden danach seinen Dienst fortsetzen, der andere war bei dem Einsatz gestürzt und hatte sich eine Hand verstaucht. Wie es dem 62-jährigen Mieter aktuell geht, konnte Elblinger nicht sagen.

Brandschäden gibt es auch an und in den beiden Nachbarhäusern. So wie bei Marion Bloemertz. Terrasse und Balkon sind abgebrannt, einige Scheiben geborsten. Unterkunft fand sie in der Nacht bei ihrer Tochter, hofft aber, am Mittwoch wieder in ihrer Wohnung übernachten zu können. Sicher ist das nicht.

Neben sechs Löschzügen aus dem Neusser Stadtgebiet war auch die Feuerwehr Düsseldorf mit Rettungswagen und einem Großraum-Transportbus vor Ort, in dem die Bewohner, teils im Schlafanzug, betreut wurden. Die Mieter, die vorerst nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können, wurden in einem Hotel oder in Unterkünften, die die Stadt Neuss zur Verfügung stellte, untergebracht. Einige werden jetzt zunächst bei Verwandten oder Bekannten leben, wie Julie Winkler und ihre kleine Tochter Medina. Beide waren in der Nacht nicht zu Hause und erfuhren erst am nächsten Morgen von dem Unglück. Auch sie durften kurz in ihre Wohnung, um das Notwendigste zu packen.

Auch wenn der Brand gegen 0.30 Uhr unter Kontrolle war, blieb ein Löschzug als Brandsicherheitswache vor Ort. Die Polizei hat den Brandort beschlagnahmt und die Ermittlungen aufgenommen. Die Ermittler gehen derzeit nicht von vorsätzlicher Brandstiftung aus und prüfen, ob fahrlässig gehandelt wurde. Zur Höhe des entstandenen Schadens kann noch keine Angabe gemacht werden.

Der Eigentümer des Mehrfamilienhauses war in der Nacht von einem Freund informiert worden. Er befürchtet, dass das Haus über einen längeren Zeitraum nicht bewohnt werden kann.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wohnungen in Neuss-Holzheim stehen in Brand