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Norf/Derikum: Zwischen Kirche und Moschee

Norf/Derikum : Zwischen Kirche und Moschee

Wer Norf sagt, meint auch Derikum: Die Bahntrasse trennt das alte Norf rund um die Kirche St. Andreas und das neue Derikum mit der Moschee. Doch der lebendige Bezirk wächst zusammen - auch dank guter Infrastruktur.

Sportstätten von der Skateanlage bis zum Golfplatz, mehrere weiterführende Schulen, gute Einkaufsmöglichkeiten - sieht man einmal vom gewünschten Supermarkt am Lessingplatz ab - und jede Menge Grünanlagen zum Spazierengehen: Das ist es, was die Norfer an ihrem Stadtteil im Süden von Neuss so schätzen. Dabei meint derjenige, der von Norf spricht, eigentlich zwei Ortsteile - das alte Norf rund um St. Andreas auf der einen Seite der Bahnlinie und Derikum mit der Moschee auf der anderen Seite. Von der Einwohnerzahl liegen beide mit jeweils rund 5000 Menschen gleichauf. Norf und Derikum bilden eine Einheit - und sind doch grundverschieden.

„Das passt schon hier“, fasst Philipp Mourikis (17) zusammen, „es ist alles da, was man braucht, und ich habe es nicht weit zum Gymnasium“, sagt der Schüler der Stufe 11. Neben zwei Grundschulen und einem Gymnasium gibt es in Norf zudem eine Hauptschule und eine Realschule. Philipps Mitschüler vom Gymnasium Norf fühlen sich ebenfalls wohl: Pierre Schnock (18) aus der Stufe 12 schätzt die Wiesen rund ums Gymnasium, auf denen er sich im Sommer mit Freunden zum Fußballspielen trifft. Robert Zenzes (14) aus der 8e zieht es mit dem Fahrrad zum Norfbach. Der Geheimtipp von Ann-Christin Schnock (13) aus der Klasse 8e ist die Eisdiele in Derikum, und Alexander Havertz (10) aus der 5b des Gymnasiums findet es „cool“, dass man beim TSV Norf unter vielen Sportarten auswählen kann.

Aber die Kinder und Jugendlichen haben auch Verbesserungsvorschläge: Dimitrij Spitzkat (10) aus der 5b wünscht sich, dass der Bus nicht nur den Lessingplatz ansteuert, sondern bis zum Gymnasium fährt, und Michel Winkels (14) aus der 8e hätte gern einen Basketballkorb.

Um Kinder und Jugendliche aus Norf und Derikum kümmert sich auch Burkhart Eigen (46). Der Leiter von „Haus Derikum“ hat aber nicht nur die junge Generation im Blick: Die Einrichtung an der Ruhrstraße soll vielmehr ein Stadtteiltreff für jung und alt, für Deutsche und Migranten, für Norfer und Derikumer sein. So treffen sich in Haus Derikum ältere Damen zum Strickkursus, Schüler zur Hausaufgabenbetreuung und Jugendliche zum „offenen Treff“. Vor allem donnerstags ab 9.30 Uhr beim Stadtteilfrühstück brummt der Laden: „Das läuft ganz wunderbar“, freut sich Eigen, „ein schönes Miteinander unterschiedlicher Menschen“.

Auch zur St.-Andreas-Bruderschaft, die eigene Räume im Untergeschoss von Haus Derikum hat, bestehe ein guter Kontakt. Wer in Derikum über Jugendarbeit und Integration spricht, der kommt an Waltraud Beyen (67) nicht vorbei. Die Stadtverordnete für Derikum, Vorsitzende des Bezirksausschusses Norf und Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums Neuss, lebt seit fast 30 Jahren in Derikum. Besonders am Herzen liegt ihr die dem TSV Norf und der BKG Heimatfreunde angeschlossene Tanzgarde, die sie seit 24 Jahren leitet und trainiert. Derzeit tanzen bei den „Dancing Girls“ und den etwas jüngeren „Dancing Kids“ 25 Mädchen aus 15 Nationen. „Ich bin sehr stolz auf meine Mädchen, die alle auch gute Schulleistungen erbringen“, sagt Waltraud Beyen. Wegen ihrer Tanzgarde sei der TSV Norf zum Sport-Integrationsstützpunkt NRW ernannt worden.

Wo den Norfern „der Schuh drückt“, weiß die Stadtverordnete genau: Da ist zum einen die Verkehrsproblematik. Wer zur „Rush Hour“ nicht auf den Umgehungsstraßen im Stau stehen will, fährt zum Ärger der Anwohner durch die Wohngebiete - ebenso wie durch „Navis“ fehlgeleitete Lastwagen.

Zum anderen ärgern sich die Norfer seit Jahren über zwei weitere Dauerbrenner-Themen: Das Norfer Rathaus, das als Außenstelle des Neusser Bürgeramtes eine wichtige Funktion für den ganzen Neusser Süden erfüllt, müsse endlich saniert werden, fordert Beyen. Und der Lessingplatz warte dringend darauf, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Das sieht auch Kurt Königshofen so, der sich wie viele andere einen Frischemarkt für den Lessingplatz wünscht: „Hier tritt man nach der Stadtteil-Werkstatt auf der Stelle, und die Politik schiebt das Problem seit Jahren vor sich her“, beklagt der Pressewart des Heimatvereins.