Neuss : Zutritt verboten

neuss Ein drei Meter hoher Zaun schützt das Hafenareal. Kameras halten jede Bewegung fest.

Bedienstete müssen Wachhäuschen passieren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Besuchern bleibt der Zutritt verwehrt. Jede Fracht wird kontrolliert.

Foto: NGZ

Das Szenario des Neusser Hafens als Hochsicherheitstrakt kann ganz schnell Wirklichkeit werden.

Um Terroranschläge zu verhindern, verabschiedete der EU-Verkehrsausschuss eine so genannte Hafensicherheitsrichtlinie, die im Juni 2007 in Kraft tritt.

Ihre Netto-Botschaft: Der Hafen wird abgeriegelt. Zutritt verboten. Rudersport wäre dann im Hafen ebenso wenig noch möglich wie Großveranstaltungen und Gastronomie in der Eventhalle an der Hansastraße.

Hafen-Chef hat kein Verständnis

Rainer Schäfer (51) zeigt für die jüngste Initiative aus Brüssel wenig Verständnis.

"Hohe Sicherheitsstandards machen ja Sinn", sagt der Geschäftsführer der Neuss Düsseldorfer Häfen, "aber Politik und Verwaltung müssen aufpassen, dass sie nicht überziehen und das Wirtschaftsleben zum Erliegen kommt."

Rainer Schäfer setzt seine Hoffnungen auf das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium. Die EU-Richtlinie skizziere den Rahmen, die Ausgestaltung sei Sache der Länder.

Um den Handlungsspielraum auszuloten, reist der Neusser Hafen-Chef am Donnerstag nach Düsseldorf.

Minister Oliver Wittke hat die Vertreter der vierzehn betroffenen Häfen aus Nordrhein-Westfalen zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Noch setzt Rainer Schäfer auf das Prinzip Hoffnung: "Das Land wird den Blick für das Machbare nicht verlieren."

EU-Politiker: "Zäune sind Unsinn"

Reaktionen und Politik "mit Augenmaß" empfiehlt auch Karl-Heinz Florenz (CDU). Der Europa-Parlamentarier spricht Klartext: "So ein Unsinn darf nicht Platz greifen."

Als Landwirt vom Niederrhein kennt Florenz den Neusser Hafen gut ("Dort habe ich oft Futter geholt"). Es mache keinen Sinn, Häfen einzuzäunen: "Wir haben nicht die deutschen Zäune eingerissen, um sie von Brüssel wieder errichten zu lassen."

Der EU-Politiker zeigt sich aber auch überzeugt, dass seine EU-Kollegen aus dem Verkehrsausschuss, die diese Richtlinie verabschiedeten, die Häfen nicht zu Hochsicherheitstrakten ausbauen lassen wollten.

Würden in Brüssel Richtlinien erlassen, hätte niemand deutsche Verhältnisse vor Augen.

"In Neuss und anderswo am Niederrhein haben wir bereits hohe Sicherheitsstandards", sagt Florenz, "die Landesregierung sollte jetzt nicht den Fehler begehen, den Brüsseler Rahmen noch übertreffen zu wollen." Gefragt sei eine Ausgestaltung mit Augenmaß.

Dafür werde er sich einsetzen.

Mit den bereits vorhandenen "hohen Sicherheitsstandards" erinnert Florenz an die ISPS-Zertifikate.

Diese Sicherheitszonen mit Zäunen und Kontrollen wurden im Wirtschaftshafen überall dort eingerichtet, wo Küstenmotorschiffe anlegen.

ISPS steht für "International Ship and Port Facility Security" und ist seit gut zwei Jahren gültig. Der Containerhafen ist eine solche ISPS-Anlage.

Was mit der neuen EU-Richtlinie für das gesamte Hafenareal ansteht, liegt für Schäfer noch im Dunkeln. Entscheidend werde sein, wie sich Hafengelände im Sinne der Richtlinie definiere: "Wo fängt Hafen an?"

An der Industriestraße? An der Hammer Landstraße? An der Floßhafenstraße? Was wird aus den Plänen, Büros auf dem Case-Gelände zu bauen?

Unklar ist auch, wer die Zeche zahlt. Die weiteren, hohen Sicherheitsstandards werden Millionen verschlingen.

"Unsere Kunden werden keine Lust verspüren, die Kosten zu tragen", weiß Schäfer. Das habe bereits die Umsetzung der ISPS-Zertifizierung gezeigt: "Die Kosten werden bei uns hängen bleiben."

(NGZ)