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Feuilleton: Zurück zur Farbe

Feuilleton : Zurück zur Farbe

Neuss Der Alltag hat sie längst wieder eingeholt, aber wenn Senada Pohlod einmal anfängt von ihrer Reise nach Süd-Korea zu erzählen, dauert's nicht lange, bis ihre Augen zu leuchten anfangen, ein Foto nach dem anderen präsentiert wird. Die 1963 im damaligen Jugoslawien geborene Juristin ist Meisterschülerin von Professor Qi Yang am Institut für Bildende Kunst und Kunsttherapie in Bochum und eben dadurch auch in die Gruppe von 13 Künstlern hineingewählt worden, die zehn Tage lang Süd-Korea bereisen konnten.

Neuss Der Alltag hat sie längst wieder eingeholt, aber wenn Senada Pohlod einmal anfängt von ihrer Reise nach Süd-Korea zu erzählen, dauert's nicht lange, bis ihre Augen zu leuchten anfangen, ein Foto nach dem anderen präsentiert wird. Die 1963 im damaligen Jugoslawien geborene Juristin ist Meisterschülerin von Professor Qi Yang am Institut für Bildende Kunst und Kunsttherapie in Bochum und eben dadurch auch in die Gruppe von 13 Künstlern hineingewählt worden, die zehn Tage lang Süd-Korea bereisen konnten.

Organisiert vom Verband Freier Deutscher Künstler (VFDK) und verbunden mit zwei großen Ausstellungen in Seoul und der Provinzhauptstadt Choung Song, wo sie ihre eigenen Werke präsentieren durften.

"Es ist beeindruckend, welch große Wertschätzung der Kunst in Süd-Korea entgegen gebracht wird", sagt Senada Pohlod - immer noch staunend über den "festlichen Rahmen" von Vernissage und Finissage, über die Anzahl der dabei anwesenden offiziellen Vertreter der Städte und Provinzen und über das ungeheure Medieninteresse. "Wir kamen uns vor wie Hollywood-Größen", erzählt sie lachend.

Vor 14 Jahren ist die Malerin nach Neuss gekommen, war mit ihrem Mann und den beiden kleinen Töchtern vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet. Die Malerei hat zwar immer zu ihrem Leben gehört, aber den Eltern zuliebe hatte sie sich für die solide Juristerei entschieden, doch selbst nach der Umsiedlung in die Bundesrepublik mochte sie lange Zeit den Pinsel nicht anfassen: "Ich konnte doch nicht malen, während die Menschen in meiner Heimat litten", sagt sie mit leiser Stimme. Zudem konzentrierte sie sich damals lieber auf die Sprache ihres neuen Zuhauses, lernte am Goethe-Institut so intensiv Deutsch, dass sie es heute fast perfekt spricht.

Als sich dann die Lage auf dem Balkan beruhigte und für Familie Pohlod feststand, dass sie in Deutschland bleiben würde, begann sie wieder - die Suche nach der Farbe. Senada Pohlod entdeckte zunächst die Blume ("dabei hat die mich als Malgegenstand vorher nie interessiert") und fand darüber den Weg in einen Farbenkosmos, der auf manchen Bildern geradezu zu explodieren scheint.

Senada Pohlod steckte ihre Energie nun in ihre künstlerische Ausbildung, studierte in Darmstadt und Bochum und wurde schließlich von Qi Yang als Meistereschülerin angenommen, obwohl ihr streng genommen die entsprechende Semesterzahl fehlte. Sie machte alles gleichzeitig, die notwendigen Pflichtarbeiten für die Seminare und die Kür in der Klasse des Meisters. Richtete sich unter dem Dach über ihrer Wohnung ein Atelier ein, in dem sie in ihrer Arbeit regelrecht versinken kann: "Ich merke nicht, ob es kalt ist, oder ob ich Hunger habe."

"Power in Red" heißt eine der jüngsten Arbeiten der Malerin, die zwar Figürliches - auch in Collagen - einarbeitet, aber dann gerne abstrahiert. "Power in Brown" wäre analog zur (Farb-)Kraft des Bildes der passende Titel für die zielstrebige, braunhaarige Frau mit den blitzenden, warmen braunen Augen.

(NGZ)