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Zum ersten Mal ist Christoph Koncz DKN-Chef im Abo-Konzert Neuss

Deutsche Kammerakademie Neuss : Ein junger Chef als Dirigent

Zum ersten Mal ist Christoph Koncz als alleiniger Chef im Abo-Konzert der Kammerakademie im Zeughaus zu erleben.

Es ist sein erstes Konzert vor den Abonnenten und das erste im Zeughaus, dem Stammhaus der Deutschen Kammerakademie (DKN). Aber Christoph Koncz, 32 Jahre jung, als Streicher seit 2011 Mitglied der Wiener Philharmoniker, und frisch ernannter Chefdirigent der DKN, sieht es locker. „Grundsätzlich gehe ich das nicht anders an als jedes andere Konzert“, sagt er, „ein Dirigent macht das halt so.“

Denn als solcher wird er agieren, die Violine bleibt dabei außen vor. „Ja“, sagt der Musiker lachend, „wenn ich mit der DKN arbeitet, bin ich ausschließlich Dirigent.“ Das sehe die Vereinbarung mit dem Orchester so vor, sobald sich ein Konzert auch von der Violine aus leiten lasse, sei Isabelle van Keulen dran. Sie, die bislang als „Artist in Residence“ die DKN geleitet hat, bleibt dem Orchester auf diese Weise auch als Künstlerische Leiterin erhalten. Beim Neujahrskonzert der DKN in der Stadthalle waren Koncz und van Keulen zum ersten Mal (und vermutlich auch vorläufig letzten Mal) gemeinsam zu erleben: er als Dirigent und sie als Solistin an der Violine.

Als Koncz von Orchestermanager Martin Jakubeit aufgefordert wurde, sich erstens als Dirigent zu präsentieren und dann auch noch zweitens den Zuschlag bekam, hat er sich sehr gefreut. Vor allem, weil die Zustimmung auch von den Musikern kam. „Das ist unumgänglich“, sagt er entschieden und findet auch: „Die Chemie zwischen dem Dirigenten und den Musikern ist enorm wichtig.“ Und dass die stimme, habe er schon in der Zusammenarbeit bei der Klassiknacht gemerkt.

Dass Koncz mit 32 Jahren auch für einen Generationenwechsel am Pult der DKN steht, ficht ihn weniger an. „Wichtig ist einfach, dass man Menschenkenntnis und Autorität hat“, sagt er und klingt dabei sehr selbstbewusst.

Er steht gerne auf der Bühne, hat auch selten Lampenfieber und ist „glücklich, wenn ich als Dirigent Neues probieren kann“. Wie jetzt beim DKN-Konzert, dessen Programm mit seiner Hilfe zustande gekommen ist. „Wiener Klassik“ erinnert natürlich an seine Heimatstadt (geboren wurde er aber in Konstanz), aber sieht neben Mozart, der laut Koncz „gesetzt“ war, auch zwei Sinfonien von Haydn vor, die der Österreicher selbst vorgeschlagen hat – obwohl er sie nur als Orchestermusiker kennt. „Ich habe sie noch nie dirigiert“, sagt er lachend. (Was jedoch nicht weiter verwundert, wenn man dabei in Rechnung stellt, dass Haydn 104 Sinfonien komponiert hat.) Aber grundsätzlich kenne er als Orchestermusiker und Dirigent beide Seiten der Arbeit und empfinde das als großen Vorteil.

Neugierde und die Bereitschaft, Neues zu wagen, sind offensichtlich jene Charaktereigenschaften, die Koncz schon als Kind angetrieben haben. Klavier- und Blockflötenunterricht für die beiden Geschwister (seine Schwester Theresa unterrichtet heute Klavier, Bruder Stephan ist Cellist bei den Berliner Philharmonikern) waren auch für den Kleinsten der musikalischen Familie zwar reizvoll, aber mehr noch wusste dieser schon sehr früh, dass sein Instrument die Geige sein würde. Ob es daran lag, dass seine Großeltern ihm, der damals gerade zweieinhalb Jahre war, eine Geige in Sechzehntelgröße geschenkt haben? Auf jeden Fall gefiel dem Kleinen die Fidelei – mit vier Jahren bekam Christoph Koncz dann den ersten Violinunterricht.

Seine Rolle – er war gerade neun Jahre alt – in dem Film „The Red Violin“ als Wunderkind Kaspar Weiss brachte ihm viel Aufmerksamkeit ein, ist allerdings für ihn heute kaum noch ein Thema. Wichtiger ist da die Ausbildung, die ihm 2008, mit 20 Jahren, den Stimmführer der zweiten Violine bei den Wiener Philharmonikern einbrachte. Vor knapp sieben Jahren gab er sein Debüt als Dirigent bei der Mozartwoche in Salzburg, inzwischen wurde Koncz zum ersten Gastdirigenten des französischen Ensembles Musicien du Louvre ernannt.

Als Solisten in Neuss hat Christoph Koncz den Pianisten Alexander Krichel eingeladen. Der in Hamburg aufgewachsene Musiker ist mit seinen 31 Jahren bereits international gefragt. Krichel begann sein Klavierspiel im Alter von sechs Jahren, kam mit 15 Jahren an die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und studierte ab 2007 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, ehe er an das Royal College of Music nach London wechselte, wo er sein Studium im Jahre 2016 mit Auszeichnung abschloss.