Zum ersten Mal findet die Jazzsommernacht der Alten Post im Globe statt

Jazzsommernacht in Neuss : Eine Jazz-Nacht im Globe

Zum ersten Mal findet die Jazzsommernacht der Alten Post im Globe statt. Fünf Bands spielen draußen und drinnen. Das Programm stammt von Philipp van Endert.

Jazz im Globe – das könnte künftig öfter vorkommen. Zumindest wenn es nach den Verantwortlichen der Jazzsommernacht, die bislang immer rund um die Alte Post stattgefunden hat und nun ins Globe umzieht, geht. Harald Müller, Leiter des Kulturamts, Hans Ennen-Köffers, Leiter der Alten Post, und Jazzgitarrist Philipp van Endert als Programmverantwortlicher wünschen sich zwar die Wiederholungen, aber wissen auch, dass die Bedingungen dafür wohl nicht jedes Jahr so komfortabel sind wie jetzt: Das Schützenfest ist zu Ende, es gibt keinen Trödelmarkt-Termin, im Globe selbst ist dank der Aufführungen bei den Neusser Musicalwochen („Alice im Wunderland“) Ton und Lichttechnik vorhanden. „Am Tag nach der Jazznacht ist morgens schon wieder Probe für unser Musical“, sagt  Ennen-Köffers.

Mit mehr als 200 Besuchern allein bei den Hauptacts der Jazzsommernacht in den vergangenen Jahren, sieht Ennen-Köffers den Veranstaltungsraum der Alten Post ohnehin an seinen Grenzen angelangt. „Ins Globe passen rund 500“, sagt auch Müller und ist dennoch überzeugt, dass in dem Rundbau an der Rennbahn eine gleichsam intime Atmosphäre für die Zuhörer herrschen wird. „Es ist ein superschöner Ort“, sagt Müller, den Ennen-Köffers auch schmunzelnd als „Gralshüter der Nischenkultur“ bezeichnet.

Die Idee, so sagt der Alte-Post-Chef auch, gehe jedoch auf die Kulturdezernentin und ihren Arbeitsauftrag an die Neusser Kulturinstitute zurück, über eine mögliche Nutzung des Globe für das eigene Haus nachzudenken. Denn schon lange wird darüber debattiert, dieses Kleinod der Neusser Kultur auch außerhalb des Shakespeare-Festivals und der Musicalwochen zu nutzen. Aber weil Licht- und Tontechnik jedes Mal herbeigeschafft werden müssen, bietet sich diese Art von Zweitverwertung für andere Termine an.

Für Philipp van Endert ist die Verlegung ein Glücksfall. Noch nie hat der Gitarrist in dem Rundbau selbst gespielt, nun kommt er mit der Düsseldorfer Formation JE:D. „Und das geht auch nur, weil ich den Kopf frei habe“, sagt er lachend. Denn Vikotria Klunk, bereits mit dem Globe gut vertraut aus Shakespeare-Festival-Zeit, nimmt ihm das Organisatorische ab. Dass van Endert, der auch als Dozent an der Musikschule unterrichtet und überhaupt aus Neuss stammt, als Musiker auf der Bühne nicht nur bei der Jazzsommernacht für den großen Publikumszuspruch sorgt, weiß nicht nur Ennen-Köffers. Aber er kalkuliert damit. Denn auch wenn der Eintritt zur Jazzsommernacht wie gewohnt kostenfrei ist – von der Größe des Publikums wird es abhängen, ob die „nicht unerhebliche“ (Ennen-Köffers) finanzielle Unterstützung des Kulturamts weitere Auflagen möglich macht.

Das Duo „Les Blue Jay Sisters“ startet die Jazzsommernacht um 18 Uhr mit Schlagern, Chansons und Swing aus den 1920er und -30er Jahren. „59 Shades of Jazz, Pop und Chasons“ verspricht Sängerin Danny Donatz, die danach ihr Programm „Fly me to the Moon“ präsentiert. Wenn das Wetter mitspielt, werden die beiden „Opener“ draußen auftreten. Die Bühne, so erklärt Viktoria Klunk, wird rechts von der Wetthalle aufgebaut. Um 21 Uhr geht es dann ins Globe. Denn dann beginnt der Hauptact der Nacht mit einem Auftritt des Trios „Accordeon Affairs“. Weltmusik, eigene Stücke und Interpretationen machen das Programm von Jörg Siebenhaar (Akkordeon und Piano), Konstantin Wienstroer (Bass) und Peter Baumgärtner (Drums) aus.

Les Blue Jay Sister. Foto: H. Baecker

Sänger und Gitarrist Peter Fessler folgt dem Trio auf die Bühne und sagt dem Publikum, was er unter seiner Improvisationssprache „Fesperanto“ versteht. Er feierte Konzerterfolge mit Al Jarreau, Randy Crawford, George Benson, Shirley Bassey und anderen Weltstars – und seinem Pophit „New York - Rio - Tokyo.“ JE:D (Jazzensemble Düsseldorf) wurde von Rainer Witzel (Sax/Woodwinds), Mathias Haus (Vibraphone), Philipp van Endert (Guitar), Sebastian Gahler (Piano), Nico Brandenburg (Bass) und Peter Weiss (Drums) gegründet. Dass die Band sehr offen ist, kann sich auch an diesem Abend zeigen: „Es ist nicht auszuschließen, dass Peter Fessler mindestens bei einem Stück mitmacht“, sagt van Endert lachend. Helga Bittner

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