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Neuss: Zu was Schützen im Zelt tanzen

Neuss : Zu was Schützen im Zelt tanzen

Ballermann-Hits, alte Schlager, neue Chart-Songs – die Band "Soundconvoy" weiß, womit sie die Schützen im Festzelt zum Tanzen kriegt. Trompeter Rolf Vogels verrät Songs, die immer gehen – und musikalische Rohrkrepierer.

Ballermann-Hits, alte Schlager, neue Chart-Songs — die Band "Soundconvoy" weiß, womit sie die Schützen im Festzelt zum Tanzen kriegt. Trompeter Rolf Vogels verrät Songs, die immer gehen — und musikalische Rohrkrepierer.

Foto: Endermann, Andreas

Ohne sie geht im Festzelt nichts, sie sorgt für die richtige Stimmung bei den Schützen: die Musik. Doch zufällig ist auf den Setlisten der Bands nichts, die Dramaturgie ist durchdacht. Eine Musikgruppe, den das Neusser Schützenfest seit Jahrzehnten begleitet, ist die Band Soundconvoy. Trompeter Rolf Vogels verrät, was im Schützenzelt die größten Hits sind, welche Lieder gar nicht gehen und womit sich die Band gern von den feiernden Schützen verabschiedet.

Ihre Songs begeistern die Schützen im Festzelt (v.li., im Uhrzeigersinn): die deutsche Punkband "Die Toten Hosen", Ballermann-Sänger Mickie Krause, Achim Reichel (früher "The Rattles"), Schlagersänger Roland Kaiser und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. Foto: endermann/woitschützke/dpa/m-b/nn

Zum Warmwerden "Ganz am Anfang spielen wir einige Jazz-Instrumentalstücke", sagt Vogels. Das sei für Band und Gäste aber mehr eine Art Soundcheck. So richtig los geht es mit Schlagern und Kölschen Liedern. "Damit starten wir direkt in die Vollen. Das sind die Eisbrecher", sagt Vogels. Zu den Stücken, die dann auf der Playlist stehen, gehören Ballermann-Schlager von Jürgen Drews oder "Traum von Amsterdam" von Axel Fischer. Aber nicht jeder Schlager wird von der Band gleich gern zum Besten gegeben. ",Das Rote Pferd' spielen wir etwa nur noch, wenn sich das Publikum das wünscht", sagt Vogels.

Zum Abtanzen In der heißen Phase des Festes, gegen 23 bis 24 Uhr, schwenkt der Soundconvoy dann zu Klassikern um. "Dann spielen wir aktuellere Lieder wie ,Hollywood Hills' von Sunrise Avenue, aber auch Klassiker wie ,Summer of '69' von Bryan Adams", sagt Vogels.

Zum Durchfeiern Es folgt die Chart-Phase. Dann will laut Vogels das Publikum aktuelle Hits hören — die liefert der Soundconvoy. In diesem Jahr sind es " Ai Se Eu Te Pego (Nossa Nossa)" von Michel Telo, "Mr. Saxobeat" von Alexandra Stan und "Hangover" von Taio Cruz, die gut im Schützenzelt ankommen.

Zum Mitsingen Jetzt wechseln die Musiker zum Rock'n'Roll. "Dann spielen wir alles von AC/DC's ,Highway to Hell', was sich überraschenderweise auch viele Junge wünschen, bis zu Liquidos ,Narcotic'. Das ist ein absolutes Muss", sagt Vogels. Auch Westernhagens "Sexy" und BAPs "Verdamp lang her" fehlen bei keinem Schützenfest, wo der Soundconvoy spielt. Manchmal hat das Festzelt aber seine ganz eigenen Regeln: Da zünden schon mal Lieder, die im Radio rauf und runter laufen, gar nicht. "Das war zuletzt so bei ,I need a Dollar'", erzählt Vogels. "Das Stück hat mir richtig Spaß gemacht, aber im Zelt ist es gar nicht angekommen. Das haben wir wieder rausgenommen."

Zum Rausschmeißen Wenn's draußen dämmert und Vogels und seine Mitstreiter zum Ende kommen, holen sie auch besondere Lieder aus ihrem Repertoire hervor: Dazu gehören "Hey Jude" von den Beatles und "In unserem Veedel" von den Black Fööss.

Die Klassiker In den 30 Jahren Bühnenerfahrung weiß die Band, bestehend aus Bert Hollmann (Keyboard), Guido Baumann (Schlagzeug), Hajo Schröder (Bass), Thomas Kuypers (Gitarre), Vladi Natotschi (Saxophon), Andrea Schwarz (Gesang) und Vogels genau, welche Lieder das Publikum immer honoriert. Dazu gehört die italienische Nummer "Tornero". "Dabei singt das Publikum fast fünf Minuten lang fast nur ,ohohohoho'. Das kommt immer gut an", sagt Vogels. Zu den Dauerbrennern gehören auch Achim Reichels "Aloha Heja He" und "Schatzi, schenk mir ein Foto" von Mickie Krause. Der Roland-Kaiser-Hit "Joanna" erlebe derzeit eine Renaissance. "Den haben wir aus den alten Mappen wieder hervorgeholt, als er plötzlich wieder gewünscht war. Den müssen wir derzeit immer spielen."

Der Super-Hit In diesem Jahr ungeschlagen: "Tage wie dieser" von den Toten Hosen. "Das ist unglaublich, dass ein Lied einer Punkband so viel Erfolg hat und viele Redner, egal ob Präsident, Schützenkönig oder Bürgermeister den Text zitieren", sagt Vogels.

Eines müssen die Musiker im Schützenzelt aber definitiv aus dem Effeff beherrschen: den Präsentiermarsch. "Das wissen alle Bands, die in Neuss auftreten", sagt Rolf Vogels.

(NGZ/ac)