Neuss: Zu Besuch in der neuen Bonhoeffer-Kirche

Neuss : Zu Besuch in der neuen Bonhoeffer-Kirche

Der Neubau der Evangelischen Christuskirchen-Gemeinde an der Einsteinstraße ist bezugsfertig. Auf 3300 Quadratmetern ist ein multifunktionales Gebäude entstanden. Dort sollen künftig Menschen aller Generationen zu Hause sein.

Auch wenn der Turm an der Einsteinstraße noch etwas karg daherkommt und noch nicht einmal Glocken darin hängen, sind die Mitglieder der Christus-Kirchengemeinde stolz darauf. Jahrelang hatte sich die Gemeinde einen eigenen Kirchturm an der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche gewünscht, nun endlich ist er da.

Auf einer Fläche von 3300 Quadratmetern ist an der Einsteinstraße in den vergangenen drei Jahren das neue Gemeindezentrum der Evangelischen Christuskirchen-Gemeinde entstanden. Das neue Gebäude soll Menschen aus allen Generationen Platz bieten. Einziehen wird dort unter anderem ein fünfzügiger Kindergarten, und dort, wo heute noch Betonmischer und Bauwagen stehen, entsteht innerhalb der Bauzeit von einem Jahr ein behinderten- und seniorengerechter Wohnbau. Der Bau ist ein Projekt mit Modellcharakter: Er vereint Wirtschaftlichkeit mit kirchlichem Nutzen.

Gleich hinter dem Eingang liegt das weiträumige Foyer, dahinter eine Küche und die hellen Gemeinderäume mit Jugendclub. Darin gibt es ausreichend Platz für Eltern-Kind-Kurse, Krabbelgruppen, aber auch Gesprächskreise, für die in den alten Räumen nicht der Platz vorhanden war. "Alles sollte freundlich und offen wirken", erklärt der Düsseldorfer Architekt Dirk Tillmann, der den Bau federführend betreut hat. Genau diese Attribute spiegeln sich im Design wieder.

Da sind zum Beispiel die fast riesigen Fenster, die Passanten vom Willy-Brand-Ring aus einen Blick ins Innere der Gemeinde gestatten. Und da ist die weiße Fassade des Gebäudes, die wie ein freundlicher Willkommensgruß wirkt. Da ist der einladende Parkettboden und da sind die großen Türen, mit denen die einzelnen Segmente des Baus mühelos miteinander zu verbinden sind. "Wir wollten transparent und offen sein und zeigen, dass wir nichts zu verbergen haben", sagt Kirchbaumeister Martin Görtzen.

Nach diesem Prinzip ist auch der zweistöckige Kindergarten gestaltet. Alle Gruppenräume besitzen große Fenster in Südlage. Mittags bis nachmittags scheint Sonne dadurch. Die Räume sind wie Flüstergewölbe. "Die Ecken schlucken den Schall", sagt Tillmann. Kinder haben so allen Raum zum Toben. Durch große Verandatüren gelangen sie später einmal in den Innenhof, der dort entstehen soll, wo noch das alte Kindergartengebäude steht.

Für die Kirchengemeinde war die Entscheidung, an der Einsteinstraße ein neues Gemeindezentrum zu errichten, so etwas wie eine Flucht nach vorne, bestätigt Görtzen. Die Gemeinde stand am Scheidweg: Weil die Mitgliederzahlen und damit auch die Einnahmen drastisch gesunken waren, stand die Schließung des Standortes an der Einsteinstraße im Raum. Die Gemeinde wählte aber einen anderen Weg, und investierte wirtschaftlich klug in die eigene Zukunft. Durch die Mieteinnahmen des städtischen Kindergartens, der in das Gebäude einzieht und auch der Seniorenwohnungen kann sie den sechs Millionen Euro teuren Bau refinanzieren. "Vor allem aber profitieren die Gemeindemitglieder", sagt Görtzen. "Unsere Vision ist, dass auf dem Grundstück irgendwann ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens stattfindet und auch die Generationen voneinander profitieren." Das könnte zum Beispiel so aussehen: Senioren aus dem Wohnbau übernehmen Patenschaften für Kinder, gestalten Vorleseabende oder kochen. Andererseits könnten Kindergartenkinder den Senioren Gesellschaft leisten und für Abwechslung im oft grauen Alltag sorgen.

Läuft nichts mehr schief, soll am 6. Dezember um 15 Uhr Eröffnung gefeiert werden. Für die hat die Gemeinde in ihr Herzstück geladen: die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, die baulich unverändert in den Bau integriert wurde: Alt und jung liegen auch hier ganz eng beisammen.

(NGZ)